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Eine Tour durch die grĂ¶ĂŸte Höhle der Welt

dpa-tmn, Johanna Uchtmann

Aktualisiert am 30.12.2016Lesedauer: 5 Min.
Liegen da Bauhelme auf dem Boden? Nein, es sind die Zelte der Höhlenwanderer in der Hang En in Zentralvietnam.
Liegen da Bauhelme auf dem Boden? Nein, es sind die Zelte der Höhlenwanderer in der Hang En in Zentralvietnam. (Quelle: Johanna Uchtmann/dpa-bilder)
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Erst seit 2009 ist die grĂ¶ĂŸte Höhle der Welt ĂŒberhaupt bekannt. Seit Februar dĂŒrfen Touristen in den gigantischen natĂŒrlichen Steintunnel unter Zentralvietnam. FĂŒnf NĂ€chte unter Tage dauert der Trip, der an Grenzen fĂŒhrt. Sehen Sie die Tour durch die Höhle auch in unserer Foto-Show.

Rund 300 Meter unter der Erde liegt der Strand. Feinster goldener Sand. Die Wolken hĂ€ngen tief. Beim ZĂ€hneputzen am felsigen Abgrund kann man den Dschungel durch die weißen Schwaden kaum erkennen, obwohl er nur wenige hundert Meter entfernt ist. Dorthin will die Gruppe nach dem FrĂŒhstĂŒck aufbrechen und dann weiter bis zur "Vietnamesischen Mauer" - am Ende der grĂ¶ĂŸten Höhle der Welt.

Höhle besitzt eigenes Wolkensystem und viele StrÀnde

Die Hang Son Doong, die Höhle von Fluss und Berg, liegt im Phong Nha Ke Bang Nationalpark in Zentralvietnam nahe der Grenze zu Laos. In ihrem Innern fließt ein Fluss, der an einigen Stellen reißend, an anderen zahm und manchmal nicht einmal zu sehen ist. Nach jeder Regenzeit bahnt er sich einen neuen Weg durch den steinernen Tunnel. Wo er schon einmal floss, bleibt Sand zurĂŒck. Die Hang Son Doong hat deshalb viele StrĂ€nde. Und sie ist so gigantisch groß, dass sie ihre eigenen Wolken bildet. "Viele richtig große Höhlen haben ihr eigenes Wolkensystem", erklĂ€rt Howard Limbert, den man als Vater von Son Doong bezeichnen kann, wenn man es pathetisch mag.

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Howard ist ein Caver, ein Höhlenwanderer. Immer wieder flog der Brite in den vergangenen Jahrzehnten fĂŒr sein Hobby nach Phong Nha. Die Bewohner kannten irgendwann den Weißen, der ihre Höhlen so mochte. Ein Mann namens Ho Khanh vertraute sich Howard eines Tages an: Vor einigen Jahren, um 1990, habe er im Dschungel eine neue Höhle gefunden. Ziemlich groß dĂŒrfte die sein. Sicher sei er aber nicht.

Erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt

Erst 2009 fanden die MĂ€nner den Eingang wieder. Howard maß sie nach und nach aus. Schnell stand fest: Was Ho Khanh da im Dschungel gefunden hatte, war die grĂ¶ĂŸte Höhle der Welt. Howard zog irgendwann ganz nach Phong Nha, machte das Caving zum Beruf, und arbeitet jetzt fĂŒr Oxalis, einen Touranbieter, der Touristen Trips durch die Höhlen des Nationalparks organisiert.

"Etwas ganz Besonderes sind bei Son Doong auch die beiden Dschungel", erklĂ€rt der 57-JĂ€hrige am Abend in einem Hotel am Nationalpark. Vor wenigen Millionen Jahren, als sich das Wasser des Flusses immer weiter durch den Kalkstein fraß und die Höhle wuchs und wuchs, konnte irgendwann das Dach ĂŒber dem gewaltigen Hohlraum sein eigenes Gewicht nicht mehr tragen und brach zusammen. Unter dem Durchbruch wuchs dank einer ungewöhnlichen Mischung aus hoher Luftfeuchtigkeit, Licht von oben, Dunkelheit von unten und einer extrem großen Menge uralten Fledermaus-Guanos ein Dschungel. In der Son Doong brach die Decke gleich an zwei Stellen ein.

Tickets nach zwei Tagen ausverkauft

Sechs Tage wird die Tour dauern. Erst seit Anfang Februar gibt die fĂŒr Phong Nha zustĂ€ndige Provinzregierung Touristen-Lizenzen aus: 224 fĂŒr das Jahr 2014. Nur Oxalis darf die Tickets verkaufen, wegen der Regenzeit nur von Anfang Februar bis Ende August. Zwei Tage dauerte es im vergangenen Oktober, da waren alle Tickets ausverkauft. Und noch immer fragen Menschen an, mehrere Tausend sind es inzwischen.

Zur grĂ¶ĂŸten Höhle der Welt gelangt man nur ĂŒber Umwege. Karstfelsen und Urwald prĂ€gen den Nationalpark, den die UNESCO unter anderem wegen seiner vielen Höhlen seit 2003 als Weltnaturerbe listet. Zum Eingang der Hang Son Doong kommt man nur durch eine andere Höhle, die Hang En. 14 TrĂ€ger haben die Lebensmittel, Zelte, SchlafsĂ€cke und das ReisegepĂ€ck der Touristen auf dem RĂŒcken. Und zwei Köche sind dabei. Das Team hat sein eigenes Tempo, ist aber meist in der NĂ€he.

Kölner Dom wĂŒrde in Höhle passen

Zu den Ausmaßen: Hang Son Doong ist nach neuesten Messungen 8,9 Kilometer lang, der tiefste Punkt liegt 490 Meter unter der Erde. Der höchste Hohlraum mit Dach ist 200 Meter hoch. Der Kölner Dom hĂ€tte darin locker Platz. Die Höhle ist ein fast komplett gerade verlaufender Tunnel. "Es gibt viel, viel lĂ€ngere Höhlen", gibt Howard abends am Lagerfeuer zu. "Aber die sind dann stellenweise eben nur ganz, ganz schmal. Son Doong ist einfach an jeder Stelle gigantisch. Jede andere Höhle der Welt wĂŒrde in sie reinpassen!"

Im Eingang zur grĂ¶ĂŸten Höhle der Welt muss man sich ducken. Wirklich tief hineinschauen kann man nicht, aber Howard erklĂ€rt, was die Unsicheren im Team schon befĂŒrchteten: "Hier wird es jetzt ein bisschen kniffelig. Es geht etwa 100 Meter in die Tiefe. Wir sichern euch, dann kann nichts passieren."

Bis zu den Knöcheln in Fledermaus-Kot

"Komm mal ein bisschen hier rĂŒber", sagt Howard unten seelenruhig und winkt die erschöpfte Touristin zu sich. "Wieso?" Erst als sie neben ihm steht, lĂ€sst er sich seine NervositĂ€t anmerken. "Wegen des Abgrunds hinter dir!" Direkt neben dem Camp geht es rund 100 Meter abwĂ€rts, zwar nicht steil, aber auf dicken Felsen hinunter zum Fluss. Sein Rauschen verfolgt die Gruppe bis in den Schlaf.

Zu sehen ist das Camp, weil direkt gegenĂŒber die erste Doline liegt, der Trichter, der beim Dach-Durchbruch entstand - und unter ihm ein grĂŒner Dschungel mit niedrigen Pflanzen. Wolken verschleiern die Sicht. Noch spektakulĂ€rer ist der zweite Dschungel, der etwa einen halben Tagesmarsch vom ersten entfernt ist: Hier brach mehr Decke weg. Das bedeutet mehr Licht und mehr Vegetation. Bis zum Knöchel sacken die Wanderer stellenweise in den pulvrigen Boden ein. MerkwĂŒrdiger Sand. "Kein Sand", sagt Howard, "uralter Fledermaus-Guano".

Mauer ragt aus unterirdischem See

Am vierten Tag zeigt Son Doong noch einmal, was sie kann. UngefĂ€hr bei Kilometer acht ragt die "Vietnamesische Mauer" aus einem grĂŒnblauen, unterirdischen See steil empor. Mit Schlauchbooten paddelt die Gruppe direkt vor das 80 Meter hohe Gebilde aus weichem Tropfstein, der sich mit dem Finger eindrĂŒcken lĂ€sst.

Sie ist im grĂ¶ĂŸten Hohlraum der Höhle herangewachsen. 200 Meter hoch ist die Decke hier - auch mit starken Stirnlampen nicht zu sehen. Die "Vietnamesische Mauer" zu erklimmen, gelingt nur Profis. Wer oben ist, hat noch ein paar Hundert Meter bis zum Ausgang vor sich. FĂŒr die Touristen ist der Aufstieg nichts. Sie kehren um, brauchen noch einmal zwei NĂ€chte und knapp zwei Tage bis zurĂŒck zum Ausgangspunkt.

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Weitere Informationen:

Tickets: www.oxalis.com.vn. Die Tour kostet 3000 US-Dollar (rund 2170 Euro) pro Person.
Anreise: Mit dem Flugzeug entweder nach Ho-Chi-Minh-Stadt oder Hanoi. Beide StÀdte verbindet Vietnam Airlines mit Dong Hoi. Von dort dauert es mit dem Auto noch etwa eine Stunde bis zum Nationalpark (www.phongnhakebang.vn/en).
AusrĂŒstung: Der Touranbieter stellt die KletterausrĂŒstung (Helme, Helmlampen, Seile, Gurte, Handschuhe, auf Wunsch auch Trekkingschuhe und RucksĂ€cke) sowie das Camping-Equipment (Zelt, Schlafsack, Isomatte).

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  • Sandra Simonsen
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