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Klima-Lexikon: Massentierhaltung


Klimawissen  

Massentierhaltung – Treiber der Klimakrise

Svenja Dilcher
21.02.2020, 11:52 Uhr
Klima-Lexikon: Massentierhaltung. Ein Schwein im engen Käfig (Quelle: imago images/Steve Bauerschmidt)

Schweine im engen Käfig: Welche Folgen hat die Massentierhaltung für Mensch und Umwelt? (Quelle: Steve Bauerschmidt/imago images)

66,2 Kilogramm Fleisch – so viel hat ein Deutscher durchschnittlich im Jahr 2018 konsumiert. Massentierhaltung ermöglicht diese Fleischmengen. Die Folgen sind fatal für Mensch, Tier und Umwelt.

Es gibt keine offiziell gültige Definition des Begriffs "Massentierhaltung". Doch sind ein begrenzter Raum sowie die Erzeugung möglichst vieler tierischer Produkte kennzeichnend. Meist werden Tiere einer Art in Großbetrieben gehalten. Der BUND Brandenburg orientiert sich an einer Anzahl von 15.000 Plätze für Legehennen, 30.000 für Masthähnchen, 1.500 für Mastschweine, 560 für Sauen oder 600 für Rinder pro Anlage. Werden weniger als zehn Prozent der Futtertrockenmasse im eigenen Betrieb hergestellt und müssen sich mehr als zehn Großvieheinheiten einen Hektar Nutzfläche teilen, spricht man laut FAO von intensiver Tierhaltung bis Massentierhaltung.

Auswirkungen auf Tiere und Menschen

  • Wenig Raum, viele Tiere: 2016 befanden sich 93.791.251 Masthühner in 3.300 Betrieben. Erlaubt sind bis zu 58 Kilogramm pro Quadratmeter. Etwa fünf Hennen bzw. drei Hähne müssen sich einen Quadratmeter Bodenfläche teilen.
  • Stress und Frust: Keine Ruhemöglichkeiten, keine Bewegung, keine natürliche Futtersuche führen zu Stress und Frust bei Tieren. Ferkeln schneidet man die Ringelschwänze ab, sonst beißen sie sich diese aus Langeweile gegenseitig ab.
  • Unnatürliche Gewichtszunahme: Puten erhöhen ihr Gewicht etwa um den Faktor 350 – in weniger als einem halben Jahr. Ein männliches Küken wiegt etwa 60 Gramm. Ist es schlachtungsreif, wiegt es circa 21 Kilogramm. Diese Mastputen können nicht mehr aufrecht gehen, da die Brust zu schwer ist. Sie macht bis zu 40 Prozent des gesamten Körpergewichts aus. Zur schnellen Fleischgewinnung wird eine Hybridrasse eingesetzt, die kein Sättigungsgefühl empfindet. Um Tiere zum Essen anzuregen, wird der Stall 23 Stunden lang beleuchtet.
  • Erkrankungen: Verhaltensstörungen, Knochenverformungen oder Herz-Kreislauf-Störungen sind bei Tieren aus intensiver Haltung weit verbreitet. Der massenhafte Einsatz von Antibiotika in Ställen fördert die Entstehung antibiotikaresistenter Keime, die auch für den Menschen gefährlich sein können.

Folgen für die Umwelt

  • Futtermittelherstellung: Tiere werden meist mit Soja gefüttert. Die EU bezieht einen Großteil ihres Sojas aus Brasilien. Um neue Anbauflächen zu schaffen, muss Regenwald weichen und somit auch der Lebensraum für Tiere. Derzeit liegt die weltweite Anbaufläche von Sojabohnen bei circa 125 Millionen Hektar. Er steigt jährlich.
  • Trinkwasserverbrauch: Der Anbau von Futtermittel verbraucht weltweit den größten Trinkwasseranteil. Für ein Kilogramm Rindfleisch wird 15.500 Liter Wasser benötigt. Schweinefleisch verbraucht etwa die Hälfte an Wasser, allerdings immer noch etwa 30-mal mehr als ein Kilogramm Tomaten.
  • Verschmutzung des Grundwassers mit Nitrat und Gülle: Seit Jahren ist das Grundwasser in Deutschland mit zu viel Nitrat belastet. Hohe Viehdichten sind nicht grundwasserverträglich. Stickstoffverbindungen in der Gülle werden im Acker zu Nitrat umgewandelt. Aber Pflanzen können nur bestimmte Mengen aufnehmen, der Rest landet im Grundwasser. Auch Medikamentenreste und resistente Keime landen über die tierischen Ausscheidungen in das Grundwasser.
  • Klimawandel: Die Landwirtschaft ist für den Großteil der Methanausstoßung verantwortlich. Wiederkäuer produzieren in ihren Mägen große Mengen des Gases. Es wirkt 21-mal schädlicher als CO2. 2017 wurden in Deutschland etwa 1,34 Millionen Tonnen Methan bei der Herstellung von Erzeugnissen der Forst-, Landwirtschaft und Fischerei ausgestoßen.
Verwendete Quellen:

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