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Plastikmüll vermeiden: Mehrwegangebot beim Außer-Haus-Verkauf soll Pflicht werden


Vermeidung von Plastikmüll  

Mehrwegangebot beim Außer-Haus-Verkauf soll Pflicht werden

20.11.2020, 21:24 Uhr | dpa, mbo, t-online

Plastikmüll vermeiden: Mehrwegangebot beim Außer-Haus-Verkauf soll Pflicht werden. Ein Mülleimer in Berlin-Friedrichshain: Der Behälter quillt über, der meiste Müll stammt von mitgenommenen Speisen. (Quelle: imago images / Bildgehege)

Ein Mülleimer in Berlin-Friedrichshain: Der Behälter quillt über, der meiste Müll stammt von mitgenommenen Speisen. (Quelle: imago images / Bildgehege)

Speisen und Getränke werden mitgenommen, abgeholt oder ausgeliefert. Damit dabei weniger Plastikmüll anfällt, soll bald eine Mehrwegverpackung verpflichtend zum Angebot gehören. Auch anderweitig soll der Kampf gegen Einwegplastik weitergeführt werden.

Wie unglaublich viel Müll durch das in Einwegverpackungen verkaufte Mitnahmeangebot von Cafés und Restaurants entsteht, wird in der Corona-Pandemie besonders deutlich. Während die Restaurants geschlossen sind, häufen sich Plastikboxen vom Imbiss um die Ecke rund um öffentliche Mülleimer. Auch zu Hause empfängt die Kundschaft in der Krise vermehrt Speisen in Einwegplastikverpackungen. Nun soll auf Mehrwegverpackungen umgestellt werden.

Immer mehr Cafés verkaufen den Kaffee zum Mitnehmen schon in Mehrwegpfandbechern, beispielsweise von der Firma Recup. Ab 2022 soll das aus Sicht von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) Pflicht werden.

Becher des Recup-Pfandsystems: Immer mehr Cafés bieten den Kaffee zum Mitnehmen schon in Mehrwegpfandbechern an, ab 2022 soll das aus Sicht von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) Pflicht werden.  (Quelle: dpa/Christoph Schmidt)Becher des Recup-Pfandsystems: Immer mehr Cafés bieten den Kaffee zum Mitnehmen schon in Mehrwegpfandbechern an, ab 2022 soll das aus Sicht von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) Pflicht werden. (Quelle: Christoph Schmidt/dpa)

Auch wer Speisen "to go" in Einwegverpackungen aus Plastik vertreibt, soll dann verpflichtend und ohne Aufpreis eine Mehrwegverpackung anbieten. Es falle zu viel Verpackungsmüll in Deutschland an, sagte Staatssekretär Jochen Flasbarth am Freitag. Die Pfandpflicht soll auf alle Einwegplastikflaschen und Getränkedosen ausgeweitet werden.

Es soll eine Ausnahmeregelung geben

Eine Ausnahme sieht Schulzes Gesetzentwurf vor, wenn ein Geschäft sowohl höchstens drei Mitarbeiter hat als auch eine Fläche von höchstens 50 Quadratmeter – dann soll es reichen, auf Wunsch den Kunden die Produkte in mitgebrachte Mehrwegbehälter abzufüllen. Wer Essen nur auf Tellern oder etwa eingewickelt in Alufolie verkauft, ist ebenso ausgenommen wie Pizzerien, die Pizza im Karton verkaufen, denn es geht um die Vermeidung von Plastikmüll.

Die Reform des Verpackungsgesetzes setzt EU-Richtlinien um, teils geht sie auch darüber hinaus. Flasbarth sagte, er sei "ganz zuversichtlich", dass der Vorschlag in der schwarz-roten Koalition durchkomme. Der Verbrauch von Verpackungen in Deutschland nimmt Jahr für Jahr zu. 2018 erreichte die Müllmenge erneut ein Rekordhoch: 18,9 Millionen Tonnen fielen an, rechnerisch 227,5 Kilogramm pro Kopf. Etwa die Hälfte davon geht auf das Konto der Verbraucher. Als einen Grund nennt das Umweltbundesamt den Trend, Essen und Getränke unterwegs zu konsumieren.

Einheitliches Pfandsystem und mehr recyceltes Material

Beim Einwegpfand gab es bisher Ausnahmen, zum Beispiel für Saft. So konnte es vorkommen, dass auf die gleiche Verpackung je nach Inhalt mal Pfand gezahlt werden musste, mal nicht – damit soll grundsätzlich Schluss sein, wie Flasbarth sagte: "Völlig egal, was drin ist."

Um die Recyclingbranche zu stärken, sollen Quoten zur Verwendung von recyceltem Material kommen: 25 Prozent für neue PET-Plastikflaschen ab 2025, 30 Prozent für alle neuen Plastikflaschen ab 2030, jeweils bis zu einer Flaschengröße von drei Litern. Die Branche fordert das schon lang, denn es wird zwar nach und nach mehr Plastikmüll recycelt, das darauf gewonnene Material ist aber wenig nachgefragt. Nun erlaube die EU diese Quote endlich, sagte Flasbarth. Ziel sei, das künftig auch auf andere Bereiche auszuweiten.

Auch auf anderen Wegen wird Einwegplastik schon zurückgedrängt: Ab Mitte 2021 ist in der EU der Verkauf von Besteck, Tellern, Trinkhalmen und einigen weiteren Wegwerfprodukten aus Kunststoff verboten. Da gibt es längst Alternativen. Das bedeutet auch für Becher und Speisenbehälter aus Styropor das Aus.

Restaurants haben geschlossen, bieten aber teilweise Speisen zum Mitnehmen an: Gegessen wird direkt aus der Einwegverpackung, die nach wenigen Minuten im Müll landet. (Quelle: imago images / Sabine Gudath)Restaurants haben geschlossen, bieten aber teilweise Speisen zum Mitnehmen an: Gegessen wird direkt aus der Einwegverpackung, die nach wenigen Minuten im Müll landet. (Quelle: imago images / Sabine Gudath)

2021 ist endgültig Schluss mit Plastiktüten

Auch das deutsche Plastiktütenverbot kommt nach Angaben des Umweltministeriums voran. Das Kabinett hatte das Aus für Standardtüten an der Ladenkasse schon im Juni beschlossen. Nun hätten sich auch Union und SPD im Bundestag darauf geeinigt, sagte Flasbarth. Damit sei Ende 2021 Schluss mit den Plastiktüten.

Die Grünen im Bundestag forderten, noch weiter zu gehen: "Für Getränkeverpackungen braucht es eine gesetzlich verankerte und sanktionsbewährte Mehrwegquote von 80 Prozent bis 2025", sagte die umweltpolitische Sprecherin Bettina Hoffmann. Nötig sei mehr Mehrweg auch bei Lebensmittelverpackungen im Einzelhandel und bei Versandverpackungen.

Von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gab es Lob, aber auch weitere Forderungen: "Es ist ein erster richtiger Schritt, Fast-Food-Ketten und Kaffeeverkaufsstellen zu verpflichten, wiederverwendbare Mehrwegbecher und Essensboxen für To-go-Lebensmittel anzubieten", sagte Vize-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Es brauche aber eine verbindliche Mehrwegquote. "Zudem müssen die negativen Umweltauswirkungen von Einwegbechern durch eine Abgabe im Preis spürbar werden", mahnte sie – Mehrweg werde für die Verbraucher nur Standard, wenn Einweg deutlich teurer sei.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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