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Stormy Daniels: "Die Einzige, vor der Donald Trump Angst hat"

MEINUNGPost aus Washington  

"Die Einzige, vor der Donald Trump Angst hat"

Eine Kolumne von Fabian Reinbold

07.12.2018, 11:44 Uhr
Stormy Daniels: "Die Einzige, vor der Donald Trump Angst hat". Stormy Daniels bei  "Jimmy Kimmel Live": Sie gibt gern alle Details zum Treffen mit Trump preis. (Quelle: Getty Images/Randy Holmes/ABC/)

Stormy Daniels bei "Jimmy Kimmel Live": Sie gibt gern alle Details zum Treffen mit Trump preis. (Quelle: Randy Holmes/ABC//Getty Images)

Ein besonderer Auftritt von Pornostar Stormy Daniels zeigt, was sie als Kontrahentin von Donald Trump qualifiziert. Details zur gemeinsamen Nacht gibt sie liebend gern preis. 

Washington ist eine Stadt, die Politik atmet, und die passende Buchhandlung dazu liegt an einer Ausfallstraße im Nordwesten der Stadt.

Das "Politics and Prose" ist ein Treffpunkt des politiksüchtigen Bürgertums der Stadt und an diesem Abend voller älterer Damen, die sich um ein Podium scharen. Darauf sitzt Sally Quinn, Journalistin und Ehefrau des verstorbenen Chefredakteurs der "Washington Post", Ben Bradlee, eine Moderatorin mit mehr Gravitas lässt sich kaum finden. Neben ihr: Stormy Daniels, Pornostar und -filmerin, die über ihren Sex mit Trump und dessen Schamhaar lästert.

Das ist die Ausgangslage zu einer Diskussion am Montagabend, die einiges über die Obsession der Trump-Gegner mit dem Präsidenten verrät. Worum es geht, wird schon bei der Einführung des Buchladenbesitzers deutlich: Spricht er davon, dass Trumps Schweigegeldzahlung an Daniels wegen ihrer Affäre im Jahr 2006 (die berühmten 130.000 Dollar) ein Verfahren wegen illegaler Wahlkampffinanzierung ausgelöst hat, wird geklatscht. Sagt er, dass Stormy den einmaligen Sex mit Trump als den unbeeindruckendsten ihres Lebens genannt hat, wird gejohlt im feinen Publikum.

Stormy Daniels, zwei Bodyguards mit Einstecktüchern im Gepäck, hat eine Stunde, dann muss sie zur Performance in einen Stripclub im Zentrum der Stadt. Es geht im Gespräch auch um Daniels’ interessantes Leben und ihr Buch, in dem sie es beschreibt, aber eigentlich geifern alle nach Details zu Trump.

Sally Quinn, Stormy Daniels bei "Politics and Prose". (Quelle: t-online.de/Fabian Reinbold)Sally Quinn, Stormy Daniels bei "Politics and Prose". (Quelle: Fabian Reinbold/t-online.de)

Daniels spricht davon, wie Trump sie 2006 bei ihrer folgenreichen Begegnung während eines Golfturniers im schwarzen Seidenschlafanzug in "Burt-Reynolds-Pose, aber mit Socken" erwartete. Das sind genau die Momente, auf die das Publikum gewartet hat. Es wird wieder kräftig gejohlt – Stormy Daniels’ Unique Selling Point, wie die Amerikaner ein geschäftsförderndes Alleinstellungsmerkmal nennen: Auf diesem Niveau kann sonst niemand Trump einen mitgeben.

Die 77-jährige Moderatorin Quinn lobt erst Daniels’ Werk ("Ich habe Stormys Pornos gesehen, sie sind wirklich gut), dann sagt sie: "Sie sind die Einzige, die mir einfällt, von der Donald Trump Angst hat." Es klingt wie ein Lob.

Daniels macht daraus ein gutes Geschäft. Die Schlagzeilen über sie sind zuletzt weniger geworden. Doch ihre Tour, die sie direkt nach Bekanntwerden ihrer Affäre gestartet hatte, läuft unter dem Titel "Make America Horny Again" immer noch gut. Für ihre Pornoregiearbeiten bekommt sie nun auch mehr Geld. Doch wie lange kann sie damit noch punkten? Eigentlich ist mittlerweile alles über sie und Trump bekannt.

Neben mir sitzt eine ältere höfliche Dame in Beige, früher als Journalistin in der Welt unterwegs. An Daniels beeindrucke sie, sagt Susan Spencer, dass sie ihren eigenen Kopf habe. "Sie hat einen Fehler gemacht, aber …" Was für einen Fehler? "Mit IHM zu schlafen", sagt Spencer und reißt die Augen auf.

Kann es sein, Frau Spencer, dass die Leute jeden mögen, der Trump schaden kann? "Ja", sagt sie, "wahrscheinlich ist es das."

In der "Post aus Washington" berichtet unser Korrespondent Fabian Reinbold von der Arbeit im Weißen Haus und seinen Eindrücken aus den USA. Gefällt Ihnen die Kolumne? Sie können sie hier als kostenlosen Newsletter abonnieren, der noch weitere Beobachtungen aus Washington enthält und einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

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Washington war am Mittwoch lahmgelegt, Verwaltung und Straßen: dicht. Alles für den großen Staatsakt zum Tode George H. W. Bushs. Ich war in der Nationalen Kathedrale dabei.

Es wurde nicht nur um Bush getrauert, sondern um eine vergangene Zeit in der Politik. Der Kontrast zwischen Donald Trump und dem politischen Establishment wurde auf die Kirchenbank in erster Reihe verdichtet, in die sich Trump und noch alle lebenden Ex-Präsidenten mit ihren Ehefrauen quetschten. Carter, Clinton, Bush junior, Obama, Trump nebeneinander, das hatte es noch nie gegeben.

US-Präsidenten, First Ladys beim Staatsakt für George H. W. Bush. (Quelle: AP/dpa/Alex Brandon)US-Präsidenten, First Ladys beim Staatsakt für George H. W. Bush. (Quelle: Alex Brandon/AP/dpa)

Dementsprechend streng waren die Sicherheitsvorkehrungen. Bis kurz vor der Zeremonie wusste ich nicht, ob ich eine der begehrten Akkreditierungen bekommen würde. Am Morgen musste ich beim für den Präsidentenschutz zuständigen Secret Service (ein unscheinbares Bürogebäude, das aber "explosionssicher" gebaut sein soll) vorfahren. Eine Agentin kam herausgelaufen und drückte mir vor dem Eingang einen Umschlag in die Hand. Darin: die drei nötigen Pässe. Filmreife Übergabe.

Es war ein teilweise sehr bewegender Abschied von Bush. Und als hauptberuflicher Trump-Beobachter war es interessant, den Präsidenten einmal in einer Nebenrolle zu sehen – die ihm laut Körperhaltung zumindest nicht sonderlich bekam. Den besten Blick hatte man aber auf Angela Merkel und hinter ihr Prince Charles, und so kann ich Ihnen berichten: Die Kanzlerin hat standesgemäß mitgesungen.

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Durch die Blase der Pro-Trump-Öffentlichkeit geisterte diese Woche eine Meldung, die zeigt, wie diese Echokammer funktioniert.

Seit Sonntag gingen Videos durchs Netz, die angeblich zeigen sollten, wie in Paris im Zuge der Gelbwesten-Proteste Demonstranten "We want Trump!" geschrien hätten. Auch wenn das Video eindeutig und durch die Polizeiuniformen sichtbar in England aufgenommen wurde. Am Montagnachmittag verbreitete Rechtsaußen-Radio-Moderator Rush Limbaugh die angeblichen Trump-Rufe mit dem szenetypischen Zusatz: Die Medien verschweigen das, aber ich habe Freunde, die das mitbekommen haben.

Am Dienstag twitterte dann Charlie Kirk, ein 25 Jahre junger Mann, der als Trump-Sprachrohr durch die Schulen und Unis zieht. Der Tweet bringt die Schadenfreude über Proteste im "sozialistischen" Europa auf den Punkt.


Belege? Keine. Das war selbst Fox News zu fake, aber hinderte einen berüchtigten Twitterer nicht daran, die Behauptung selbst per Retweet noch millionenfach weiterzuverbreiten. Es war, Sie ahnen es, Trump selbst.

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