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Sarah Sanders: Donald Trumps Rammbock hat ganze Arbeit geleistet


Trumps Rammbock hat ganze Arbeit geleistet

Eine Kolumne von Fabian Reinbold

14.06.2019Lesedauer: 4 Min.
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Donald Trump und Sarah Sanders bei der Verkündung ihres Abschieds im Weißen Haus: "Ehre meines Lebens"
Donald Trump und Sarah Sanders bei der Verkündung ihres Abschieds im Weißen Haus: "Ehre meines Lebens" (Quelle: Kevin Lamarque/Reuters-bilder)
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Sarah Sanders war die loyalste Mitarbeiterin Donald Trumps und wird in die Geschichte eingehen als Pressesprecherin, die nicht mit der Presse sprach. So hat unser Korrespondent sie erlebt.

Wir müssen Abschied nehmen von Sarah Huckabee Sanders, die in die Geschichte eingehen wird als erste White-House-Pressesprecherin, die nicht mehr mit der Presse sprach.

In meiner Washington-Kolumne ging es immer wieder mal um Sanders, denn in ihrer Person manifestiert sich die besondere Herausforderung, über das Weiße Haus unter Donald Trump zu berichten. Die Mittdreißigerin mit dickem Südstaatenakzent hielt Trump insgesamt dreieinhalb Jahre die Treue: Schon im Wahlkampf war sie eine gute Waffe – und wurde im Weißen Haus eine noch bessere.

Schön für Trump, nur leider mit heftigen Nebenwirkungen für den Rest von uns.

Sarah Sanders versuchte erst gar nicht den Spagat, bei dem ihr Vorgänger Sean Spicer sich bis zur Witzfigur verrenkt hatte: irgendwie einen Ausgleich zu schaffen zwischen Trumps Unwahrheiten einerseits und so etwas wie der Wahrheit andererseits (die Zuschauerzahlen bei der Vereidigung!).

Sanders sparte sich die Übung, sie schlug sich mit voller Kraft auf die Seite Trumps – auf der anderen Seite des Pults im Presseraum saß demnach der Feind.

Der "New Yorker" betitelte sie einmal als den "Rammbock Trumps"– und wer sie wie ich oft im engen Presseraum im Weißen Haus erlebt hat, für den trifft die Beschreibung ins Schwarze. Sie zog schon beim Aufrufen von Journalisten etwas verächtlich die Augenbrauen hoch, verteilte großzügige Portionen Sarkasmus, schaltete sofort in den Modus Gegenangriff: Medien rundmachen, Journalisten abwerten statt Fragen beantworten, so habe ich Sanders erlebt.

Und darin war sie ausgezeichnet, zumindest so lange, bis sie sich selbst damit nicht mehr abgeben wollte.

Denn Sanders ist die Frau, die die Pressekonferenzen im Weißen Haus faktisch beerdigt hat. Das letzte Mal am Podium sah ich sie am 26. April stehen – bei einer nachgestellten Pressekonferenz am "Bring your kids to work day" (mehr dazu hier).

Die letzte reguläre Pressekonferenz fand am 11. März statt, also vor 95 Tagen.

In der "Post aus Washington" berichtet unser Korrespondent Fabian Reinbold von der Arbeit im Weißen Haus und seinen Eindrücken aus den USA. Gefällt Ihnen die Kolumne? Sie können sie hier als kostenlosen Newsletter abonnieren , der noch weitere Einblicke und Einschätzungen aus Washington enthält und einmal pro Woche direkt in Ihrem Postfach landet.

Zuletzt sprach Sanders mit uns nur noch ab und an, wenn sie gerade auf dem Weg von der Schaltposition von Fox News auf dem Nordrasen zurück in ihr Büro im Westflügel war (für den Sender blieb sie natürlich stets und jederzeit verfügbar). So wurde sie zur Pressesprecherin, die nicht mehr mit der Presse sprach.

Zu Sanders’ Verteidigung könnte man anführen, wie schwierig es sein muss, für einen Präsidenten zu sprechen, der mit dem Konzept von Wahrheit nichts anfangen kann, sich ständig selbst widerspricht und sich selbst für den besten Kommunikator hält.

Sarah Sanders und Journalisten vor dem Weißen Haus
Sarah Sanders und Journalisten vor dem Weißen Haus (Quelle: Jonathan Ernst/Reuters-bilder)

Doch ihr Erbe ist wirklich gefährlich: Sie hat mit der Beerdigung der Institution der täglichen Pressekonferenz auch die Rechenschaftspflicht des Weißen Hauses nachhaltig beschädigt. Der Rammbock hat ganze Arbeit geleistet. Ich hatte das neulich schon einmal beschrieben: So schlimm die Pressekonferenzen auch abliefen, zeigt das Ritual der Nation, dass es die Kontrollfunktion der Presse, deren Existenz Trump ja in Zweifel zieht, noch gibt – und sei es nur als Schnipsel in den Abendnachrichten.

Manche Tage im Weißen Haus sind für Journalisten ziemlich trist, der gestrige Donnerstag etwa: Wir bauten uns um 10.30 Uhr im Nieselregen auf, in der Hoffnung auf ganz kleine Brotkrumen. Einer von Sanders’ Stellvertretern war bei Fox zugeschaltet und würde danach ja vielleicht auf ein paar Fragen beim Rest des Pressekorps stehen bleiben – dringliche Themen gab es genug, von den angegriffenen Tankern in Nahost bis zu Trumps Bereitschaft, schädliche Informationen im Wahlkampf aus dem Ausland anzunehmen.

Doch der Mann spazierte galant unter dem Regenschirm an uns vorbei, ohne Kommentar.

Wie soll man Trumps Aussage, Kompromat (also kompromittierendes Material) aus dem Ausland bereitwillig anzunehmen, auch verteidigen?

Sanders tat so etwas stets, in dem sie auf Angriff gegen die Medien setzte, verzerrte, ablenkte und immer wieder log. Eine Bestätigung dafür lieferte der Bericht von Sonderermittler Robert Mueller. Sie hatte Beschwerden von FBI-Agenten über den von Trump gerade gefeuerten FBI-Chef James Comey einfach erfunden, musste sie einräumen (und nannte es einen "Versprecher").

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Es gab immer wieder Momente, die in anderen Zeiten einen Pressesprecher des Weißen Hauses seinen Job gekostet hätten. Doch nicht unter Trump. Der Mann schaute nebenan genüsslich am Bildschirm zu, wenn Sanders die Medien angriff. In der Trump-Welt steht Sarah Huckabee Sanders wie eine Heldin da, die sich von den verhassten Medien nicht hat kleinkriegen lassen.


Sie wird jetzt erst mal Geld verdienen in der Privatwirtschaft, mehr Zeit für ihre Kinder haben, aber dann zurückdrängen in die Politik. Sie soll überlegen, in ein paar Jahren als Gouverneurin ihres Heimatstaates Arkansas zu kandidieren – schon ihr Vater hatte dieses Amt von 1996 bis 2007 inne.

Sanders geht auf eigenen Wunsch und ihre Loyalität zu Trump steht außer Frage. Der wird sie bei allen politischen Ambitionen unterstützen.

Und so muss ich Sie mit diesem etwas bitteren Fazit entlassen: Der Frau, die auf der größten Bühne der Nation Wahrheit und Pressefreiheit mit Füßen getreten hat, winkt noch eine große Karriere in der US-Politik.

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