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Experte: Bis zu 100 Tonnen toter Fisch in der Oder

Von dpa, afp
Aktualisiert am 15.08.2022Lesedauer: 4 Min.
Tote Fische treiben im flachen Wasser der Oder bei Genschmar, Brandenburg: Tausende Tonnen Fische sind innerhalb weniger Wochen bereits verendet.
Tote Fische treiben im flachen Wasser der Oder bei Genschmar, Brandenburg: Tausende Tonnen Fische sind innerhalb weniger Wochen verendet. (Quelle: Patrick Pleul/ dpa)
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Behörden in Brandenburg und Polen rätseln weiterhin über den Grund für das Fischsterben in der Oder. Ein Experte geht von 100 Tonnen totem Fisch aus.

Der BUND-Gewässerexperte Sascha Maier schätzt die Menge der in den vergangenen Tagen verendeten Fische in der Oder auf bis zu 100 Tonnen. Das sei eine Hochrechnung auf Grundlage der Meldungen über einzelne Sammelaktionen, sagte der Experte der Umweltorganisation am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Die Umweltkatastrophe betreffe die Oder auf etwa 500 Kilometer Länge. Zuvor hatte die Publikation "Riffreporter" darüber berichtet. Allein auf dem Oder-Abschnitt in der Woiwodschaft Lebus seien am Sonntag zehn Tonnen verendete Fische geborgen worden, sagte der Leiter der Feuerwehr in Slubice am Montag der Nachrichtenagentur PAP.

Die Dimension sei vergleichbar mit der Sandoz-Katastrophe von 1986, sagte Maier der dpa. Damals war beim Chemiekonzern Sandoz (heute Novartis) ein Brand in einem Schweizer Lager ausgebrochen. Große Mengen verunreinigten Löschwassers gelangten in den Rhein und verursachten ein großes Fischsterben. Das Unglück damals sei Anlass für internationale Alarm- und Meldepläne von Flussanrainern gewesen – und genau diese seien jetzt an der Oder nicht eingehalten worden, sagte Maier.

BUND übt Kritik an Polen

Der BUND geht nach seinen Worten davon aus, dass es auf polnischer Seite "eine illegale Einleitung von Chemikalien" in die Oder gegeben habe. "Wir können davon ausgehen, dass es eine Verunreinigungswelle gab, die durch die Oder geflossen ist." Hinzu kämen Faktoren wie Niedrigwasser oder Arbeiten am Oder-Ausbau, die Fische und das Ökosystem schon vorher in Stress versetzt hätten.

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Maier kritisierte, dass auf polnischer Seite die Ausbauarbeiten "sehr schleppend kontrolliert" würden. Auch nach ersten Meldungen über tote Fische habe das "Kernversagen in Polen" gelegen. Aber auch auf deutscher Seite sei in Reaktion auf das Fischsterben vergangene Woche nicht alles glatt gelaufen. Es hätten sofort mehr Labore für Analysen einbezogen werden müssen, sagte Maier. "Es ist zu viel Zeit verstrichen."

Ursache für Behörden weiter rätselhaft

Die Ursache für das massive Fischsterben in der Oder gibt den Behörden weiterhin Rätsel auf. Es gebe eine "absolute Anomalie" des Wassers, sagte Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) am Montag im Rundfunk Berlin-Brandenburg. In dem Fluss seien ein hoher Sauerstoffgehalt, ein hoher Salzgehalt und ein hoher pH-Wert festgestellt worden.

Es sei aber weiterhin unklar, ob daneben weitere Stoffe in die Oder gelangt seien, fügte der Landesminister hinzu. Die polnischen Behörden würden nach eigenen Angaben derzeit nach insgesamt rund 300 Substanzen suchen, darunter etwa Insektiziden. Die eigentliche Giftwelle sei inzwischen aber offenbar durchgeflossen. Viele kleinere Fische schwämmen wieder in den Fluss ein. Die Umweltkatastrophe werde allerdings noch lange Folgen haben.

Umweltministerin Lemke: "Vertrauensverlust" zu Polen

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) sagte, es erschwere das "Identifizieren der Schadensursache", dass Informationen aus Polen die deutschen Behörden zu spät erreicht hätten. Die verzögerte Informationsweitergabe bezeichnete die Ministerin als "Vertrauensverlust".

Am Sonntag trafen sich Lemke und ihre polnische Amtskollegin Anna Moskwa zu einem Krisentreffen in Stettin. Bei der Zusammenkunft habe Lemke ihre Kollegin "dringend aufgefordert, aufzuklären, wer der Verursacher ist und ihn zu identifizieren." Moskwa hatte auch Hitze und Trockenheit als mögliche Ursachen nicht ausgeschlossen. Es könne sein, dass "verschiedene Faktoren" zusammenkämen, sagte Lemke im ARD-"Morgenmagazin".

"Das lief nicht, wie es sein müsste", kritisierte auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke vor einem Besuch am Ort der Umweltkatastrophe die spärliche Weitergabe der Informationen aus Polen. Der SPD-Politiker machte sich am Montag bei Lebus nördlich von Frankfurt an der Oder ein Bild der Lage.

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Behörden richten Taskforce ein

Bei dem Treffen zwischen Lemke und Moskwa richteten beide Seiten nach Angaben des Umweltministeriums in Berlin eine Taskforce ein, in der polnische und deutsche Expertinnen und Experten gemeinsam die Krisenreaktion koordinieren und Informationen über die Ursache des Fischsterbens austauschen.

Der brandenburgische Umweltminister Axel Vogel sagte, das Landeslabor sei dabei, das Oderwasser auf giftige Substanzen zu untersuchen. "Es kann noch mehrere Tage dauern, bis wir alle Stoffe, die wir für möglich halten, dann auch durchgecheckt haben", sagte der Grünen-Politiker im RBB-Inforadio. Hinweise aus Polen, dass der hochgiftige Stoff Mesitylen in die Oder gelangt sei, hätten sich für Brandenburg nicht bestätigt.

Fischsterben kann viele Gründe haben

Bei der Untersuchung der toten Fische gehe es vor allem um die Suche nach Schwermetallen, fügte Vogel hinzu. "Von polnischer Seite wird signalisiert, dass sie keine Schwermetalle und insbesondere auch kein Quecksilber in den Fischen gefunden haben, was ja auch beruhigt." Vogel hatte am Freitag bestätigt, dass eine Quecksilberbelastung der Oder festgestellt worden sei. Schon da hatte er aber eingeschränkt, man wisse nicht, ob das die Fische umgebracht habe.

Demnach scheint das hochgiftige Schwermetall Quecksilber entgegen früheren Mutmaßungen anscheinend zugleich doch nicht die alleinige Ursache des Fischsterbens zu sein. Schon am Freitag hatte das brandenburgische Umweltministerium berichtet, dass es inzwischen davon ausgehe, dass es ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren gewesen sei. Es seien etwa "stark erhöhte atypische Salzfrachten" gemessen worden.

Auch der geringe Wasserstand in dem Fluss könne eine Rolle spielen. Die Dürre und die geringe Wasserführung hätten ziemlich sicher einen Anteil daran. Das gesamte Ökosystem der Oder sei geschädigt. "Deswegen denken wir, dass wir auch nicht eine Katastrophe haben, die innerhalb von einem halben Jahr durch Wiederbesiedlung mit Fischen gelöst werden kann."

Ölsperren sollen Stettiner Haff vor Fischkadavern schützen

Auf deutscher Seite war das Fischsterben vor etwa einer Woche aufgefallen und hatte entsprechende Reaktionen der Behörden ausgelöst. Menschen wurden davor gewarnt, das Wasser zu nutzen. In Polen war das Fischsterben bereits Ende Juli aufgetreten, ohne dass die dortigen Behörden zunächst tätig wurden oder warnten. Das führte in Polen und Deutschland zu massiver Kritik.

Ölsperren sollen verhindern, dass sich auch Fischkadaver im Stettiner Haff ausbreiten, wie das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern mitteilte. Die Oder mündet in das Haff, das mit rund 900 Quadratkilometern etwa doppelt so groß ist wie der Bodensee. Es gehört zu zwei Dritteln zu Polen. Von dort verlaufen Wasserverbindungen zur Ostsee. Bisher seien auf deutscher Seite des Haffs keine toten Fische aus der Oder angeschwemmt worden, hieß es.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagenturen AFP und dpa
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