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Behörden machen "McFit-Zelte" wieder dicht – Lauterbach kritisiert Öffnung

Kritik aus der Politik  

Behörden machen erste "McFit-Zelte" wieder dicht

Von Annika Leister, Liesa Wölm

14.02.2021, 14:27 Uhr
Behörden machen "McFit-Zelte" wieder dicht – Lauterbach kritisiert Öffnung. Training im Outdoor-Gym: Mit Zelten und Masken will McFit wieder öffnen.  (Quelle: McFit)

Training im Outdoor-Gym: Mit Zelten und Masken will McFit wieder öffnen. (Quelle: McFit)

McFit hat den Vorstoß gewagt: An mehreren Standorten baute die Fitnesskette Zelte zum Trainieren auf – doch Ordnungsämter hatten was dagegen. Und auch aus der Politik wird Kritik laut. 

Das Trainieren im Fitnessstudio ist zurzeit verboten, auch Sport im Freien ist nach vielen Landes-Coronaverordnungen nur alleine, mit dem eigenen Haushalt oder mit einer anderen Person erlaubt. Die Fitnesskette McFit wollte Krafttraining ab diesem Samstag wieder möglich machen: In Outdoor-Gyms in Zelten auf den Parkplätzen vor zehn Studios.

Doch in einigen Städten hatten die Behörden was dagegen: In Hamburg, Neunkirchen, Mainz und Bremen mussten die Zelte nach Besuchen vom Ordnungsamt wieder schließen, berichtet die "Bild". McFit-Chef Rainer Schaller sagte dem Blatt: "Vier unserer zehn Outdoor-Gym-Standorte sind aktuell behördlich geschlossen worden. Wir sind im engen und positiven Austausch mit den jeweiligen Behörden vor Ort, um Lösungen zu finden, wie wir zeitnah wieder öffnen können."

Hanteltraining an der frischen Luft 

Am frühen Nachmittag um 13 Uhr waren die Outdoor-Gyms am Samstag an den Start gegangen. An Standorten u.a. in Rostock, Braunschweig, Berlin-Heinersdorf, Magdeburg, Wiesbaden und Mannheim-Almenhof konnten McFit-Mitglieder laut der Internetseite der Fitnesskette unter anderem mit Hanteln und Zugmaschinen trainieren.

Der Ansturm auf die ersten Termine sei riesig gewesen, erläuterte Hagen Wingertszahn, Geschäftsleiter Deutschland der RSG Group, zu der auch McFit gehört, gegenüber t-online. "Wir sind zufrieden." Aber natürlich gelte: "Wenn das Gym voll ist, ist es voll. Die Plätze sind limitiert", betonte Wingertszahn. 

Hagen Wingertszahn, Geschäftsleiter Deutschland RSG Group: "Das hat nichts mit einem Indoor-Gym zu tun."  (Quelle: RSG Group)Hagen Wingertszahn, Geschäftsleiter Deutschland RSG Group: "Das hat nichts mit einem Indoor-Gym zu tun." (Quelle: RSG Group)

Mit Training im Indoor-Gym soll das nichts zu tun haben, betonte Wingertszahn. "Trainiert wird in zwei bis drei Zelten." Am größten falle dabei mit 300 Quadratmetern das Outdoor-Gym in Berlin aus. Die Zelte seien an den Seiten offen, Durchlüftung somit gegeben. Trainiert werde an Geräten mit zwei Metern Abstand.

Jede Form von Gruppensport weiter untersagt

Das ist auch der rechtliche Kniff, mit dem McFit hoffte, den Außenbetrieb legal betreiben zu dürfen: "Bei Fitnesstraining handelt es sich um Individualsport: Es ist Training alleine, damit halten wir uns an die vorgegebenen Regeln." Jede Form von Gruppensport bleibe untersagt.

Trainiert werden müsse außerdem mit medizinischen Masken, vor Ort dürfen Spinde, Duschen und Umkleidekabinen nicht genutzt werden, Dixi-Klos seien stattdessen draußen aufgestellt worden. Statt des sonst oft üblichen 24-Stunden-Betriebs seien die Outdoor-Gyms wegen Rücksicht auf den Lärmschutz nur von 6 bis 21.45 Uhr geöffnet. Spontan erscheinen ist nicht möglich: Wer trainieren will, kann einmal pro Tag einen Slot von 45 Minuten buchen. Die Slots würden frühestens zwölf Stunden vor dem Training freigeschaltet.  

"Das ist ein Signal, ein Zeichen" 

Das Hygienekonzept hinter den Outdoor-Gyms hat McFit laut Wingertszahn von Klaus-Dieter Zastrow, Professor für Hygiene, entwickeln lassen. Bei Beachtung der Abläufe sei dem Gutachten zufolge eine "Weiterverbreitung von Coronaviren ausgeschlossen". Auch um die Rechtslage in den Bundesländern zu analysieren habe McFit ein eigenes Gutachten erstellen lassen. "Wir sind sowohl auf der medizinischen, der Schutzseite, gut aufgestellt, als auch auf der organisatorischen Seite."

Für Wingertszahn ist die Öffnung des Außenbereich nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung, sondern "ein Signal, ein Zeichen". Die Fitnessbranche stehe im Moment mit dem Rücken zur Wand. Man wolle in die laufende Debatte um Öffnungen mit einbringen: "Sport, Bewegung, ist elementar in unserer Gesellschaft."

Auch für Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) ist die Öffnung der Outdoor-Gyms ein Zeichen – jedoch ein "falsches", wie er der "Bild" sagte. "Unsere Kinder können noch nicht zur Schule, dann ist es einfach noch keine Zeit, die Sportaktivitäten wieder losgehen zu lassen", kritisierte Lauterbach. Bei dem Training kämen viele Leute zusammen, es sei eine "gesellschaftliche Zusammenkunft, die hier kommerziell organisiert wird", so der SPD-Politiker. "Ich finde diese Aktion bedauernswert, sie passt nicht in die Zeit", urteilte Lauterbach weiter. Er sei nicht sicher, ob die Hygienemaßnahmen vor Ort tatsächlich eingehalten werden könnten. 

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