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1.000 Euro Finderlohn: 55-Jährige sucht Teddy in Berlin


55-Jährige sucht ihren Teddy: Die rührende Geschichte hinter "Junior"

Von Antje Hildebrandt

Aktualisiert am 11.08.2022Lesedauer: 3 Min.
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Teddy gesucht: Wer ihn findet, bekommt 1.000 Euro.
Teddy gesucht: Wer ihn findet, bekommt 1.000 Euro. (Quelle: privat)
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Im Juli verlor eine Frau ihren Teddy in den Berliner Gärten der Welt. Seither sucht sie ihn mit ungewöhnlich großem Aufwand. Was macht ihn so besonders?

Er trägt ein Glöckchen vom Schokoladenhersteller Lindt an einem Goldkettchen, und auch sonst ist dieser Teddybär kein Teddybär wie jeder andere. Er heißt Junior, er wurde zuletzt am 2. Juli gesehen in den Gärten der Welt in Marzahn, und wer ihn findet, bekommt 1.000 Euro Finderlohn.

So steht es auf den Flyern, die seine Besitzerin Marina Schippa überall in Berlin aufgehängt hat. Man erreicht die 55-Jährige in ihrer Heimatstadt Hamburg. Sie hat ihre Handy-Nummer auf die Flyer geschrieben. Am Telefon meldet sich eine Frau, die einen breiten Hamburger Dialekt spricht. Sie sagt, seit dem Tag, an dem sie Junior verlor, sei sie schon zweimal in Berlin gewesen, um neue Flyer aufzuhängen. Die Suche gehe langsam ins Geld, aber das sei ihr der Teddy wert. "Der ist quasi ein Familienmitglied."

Viel Rummel um einen Teddy

Sehr viel Rummel um einen Teddy, der nur zwölf Zentimeter groß ist und knapp zehn Dollar gekostet hat. Mitgebracht hat sie ihn aus New York. Vor 17 Jahren war sie dort mit Erik, ihrem Lebensgefährten. Das Park Centre Hotel. 28. Etage. Sie sagt, sie wollte an ihrem letzten Tag nur kurz runterfahren in die Lobby, um Briefmarken zu kaufen.

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Da entdeckte sie den Bären mit dem Herz auf der Brust, auf dem "I love New York" stand. Er sei ihr gleich sympathisch gewesen, sagt sie. Dabei sieht der Bär aus, wie viele Bären aussehen. Ein nettes Souvenir aus einer besonderen Stadt. Er begleitete sie später auch auf allen weiteren Reisen. Ob nach San Francisco, Spanien, Italien oder Rügen: Junior reiste mit. Es war wie mit dem Gartenzwerg aus der "Fabelhaften Welt der Amelie", einem der Lieblingsfilme von Marina Schippa. Der Bär musste auf jedes Urlaubsfoto mit drauf. Erst als Glücksbringer – und irgendwann auch als Ersatzkind.

Vom Souvenir zum Ersatzkind

Die Kommunikationskauffrau sagt, in der Pandemie habe sie ihn auch in Kindertagesstätten oder Pflegeheime mitgenommen, wo sie auftrat, um alte Leute aufzuheitern oder Kinder zu unterhalten. Junior, wie sie den Bären nannte, begann ein Eigenleben zu führen. Er begrüßte die Menschen mit ihrer Stimme. Ja, irgendwann schlichtete er sogar, wenn es zu Hause Streit mit Erik gab.

Marina Schippa sagt, sie verstehe, dass das für viele Außenstehende schwer nachvollziehbar sei. "Die einen sagen, ach wie süß – die anderen: die hat doch einen an der Waffel." Ihr sei das egal. "Ich will den Kleinen zurück."

Ist der Teddy noch in den Gärten der Welt?

Am 2. Juli sah sie ihn zum letzten Mal. Die Gärten der Welt in Marzahn. Eine traurige Zeit lag hinter ihnen. Ihr Vater war gestorben. Lange hatte sie ihn zu Hause gepflegt. Jetzt brauchten sie beide etwas Abstand von Hamburg, Erik und sie. Ihr Lebensgefährte ist gebürtiger Berliner. Und die Gärten der Welt wollten sie sich schon immer mal ansehen.

Ein heißer Samstag. Es muss kurz nach 13.31 Uhr gewesen sein, als ihr der Teddy aus der Tasche fiel. Sie weiß das noch genau, denn die Uhrzeit steht auf dem letzten Foto, das sie von Junior gemacht hat. Sie stehen vor den Wasserfällen. Erik hält ihn in die Luft.

Hinten Grün, vorne Junior. Marina sagt, es sei voll gewesen an diesem Wochenende, sehr voll. Tausende Besucher schoben sich durch die Gärten. Als sie den Verlust bemerkten, hätten sie sich gleich wieder auf den Weg zurück zu den Wasserfällen gemacht. Aber Junior sei verschwunden gewesen. Dreieinhalb Stunden hätten sie ihn gesucht. "Wir haben jeden Stein und jede Blume umgedreht."

Viel Rummel um einen kleinen Teddy: Marina Schippa gibt die Suche nach "Junior" nicht auf.
Viel Rummel um einen kleinen Teddy: Marina Schippa gibt die Suche nach Junior nicht auf. (Quelle: privat)

Bisher meldeten sich nur Medien

Vergeblich. Auch auf ihre Suchanzeige mit dem Finderlohn hat sich bisher niemand gemeldet. Nur die "Berliner Zeitung" und der Radiosender rbb 88.8. Sie sagt, vermutlich habe ein Kind den Bären eingesteckt, und er sitze jetzt in irgendeinem Kinderzimmer, mit dem goldenen Kettchen ihrer Kommunion und dem Lindt-Glöckchen um den Hals. Vielleicht sogar im Ausland. "Es waren ja viele Touristen da."

Sicherheitshalber hat sie die Flyer deshalb zweisprachig verfasst, in Englisch und Deutsch. Die 1.000 Euro Finderlohn zu zahlen, fällt ihr nicht leicht. Sie sagt, sie sei gerade auf Jobsuche. Aber das sei ihr der Teddy wert. 17 Jahre habe er sie begleitet. Die zwölf schönsten Fotos von ihm liegen bei ihr auf dem Tisch. Sie will daraus einen Kalender basteln. Aber noch hat sie die Hoffnung nicht aufgegeben, ihn doch noch wiederzufinden. "Wenn sich der Finder meldet, werde ich mich sofort in den nächsten Zug setzen."

Wer den Teddy findet, kann sich unter folgender E-Mail-Adresse melden: marinaschippa060@gmail.com

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Verwendete Quellen
  • Interview mit Marina Schippa
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