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Impfkommission: Impfung bei vorerkrankten Kindern sinnvoll

Chemnitz  

Impfkommission: Impfung bei vorerkrankten Kindern sinnvoll

03.06.2021, 06:51 Uhr | dpa

Impfkommission: Impfung bei vorerkrankten Kindern sinnvoll. Eine Spritze mit einem Corona-Impfstoff wird aufgezogen

Eine Spritze mit einem Corona-Impfstoff wird aufgezogen. Foto: Federico Gambarini/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Bei Corona-Impfungen von Jugendlichen ab zwölf Jahren hat der Vorsitzende der Sächsischen Impfkommission Thomas Grünewald zu einem behutsamen Vorgehen gemahnt. Zwar habe die EU-Kommission den Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen. Das heiße aber nicht, dass nun alle Kinder ab diesem Alter prioritär geimpft werden sollten, sagte Grünewald der Deutschen Presse-Agentur. Impfstoff sei weiterhin ein knappes Gut, so dass vordringlich diejenigen geimpft werden sollten, die ein hohes Erkrankungsrisiko hätten. "Dazu gehören auch Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15, aber eben nicht alle."

Dem Experten zufolge haben Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen wie Mukoviszidose oder neuromuskulären Erkrankungen ein hohes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe. Für sie sei eine Impfung auf jeden Fall sinnvoll. Ansonsten seien schwere Covid-19-Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sehr viel seltener als bei Älteren.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte zu Wochenbeginn verkündet, dass über 14-Jährige ab dieser Woche einen Impftermin vereinbaren könnten. Inzwischen können sich laut DRK Jugendliche dieser Altersgruppe auf dem Impfportal registrieren - aber unter Einhaltung der Priorisierung. Demnach können sie nur dann Termine vereinbaren, wenn sie etwa ältere Menschen betreuen oder es medizinische Gründe für eine Impfung gibt.

Grünewald mahnte eine umfassende Aufklärung aller junger Impfwilligen über Wirkungen und Nebenwirkungen an, damit die Akzeptanz der Impfung nicht gefährdet werde. Der Impfstoff sei für die Altersgruppe geeignet, doch beruhe die Zulassungsstudie nur auf gut 1100 Kindern. Bei der Zulassung der Impfstoffe für Erwachsene sei die Zahl sehr viel höher gewesen. Er verwies auf das Beispiel Astrazenca: "Wir wissen, dass sehr seltene Nebenwirkungen oder Probleme erst dann auftauchen und festgestellt werden, wenn eine ausreichend große Zahl an Impflingen in Studien überwacht geimpft wurden", sagte der Leiter der Klinik für Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum Chemnitz.

Die jungen Impfwilligen müssten detailliert aufgeklärt werden, dass die Nebenwirkungsraten durchaus hoch sind - etwa was Schmerzen an der Einstichstelle, Schwäche oder Kopfschmerzen betreffe. Die Beschwerden könnten zwei, drei Tage anhalten und stärker sein als bei einer eigentlichen Erkrankung, die bei vielen Kindern ohne Symptome verlaufe, erläuterte Grünewald. Er sprach sich dafür aus, Eltern und Kinder zu sensibilisieren, lieber mehr Auffälligkeiten infolge einer Impfung zu melden als zu wenige.

Eine Impfpflicht für Kinder lehnte Grünewald ab: "Ich glaube, sie können eine Impfung nur dann gut durchsetzen, wenn sie überzeugen und nicht zwingen. Das ist das A und O." Hier müsse es auch künftig Alternativen für ungeimpfte Erwachsene und Kinder geben - etwa in Form der Testungen. Langfristig sollte es aber für alle Altersgruppen ein Impfangebot geben, um eine hohe Immunität in der Bevölkerung zu erreichen. Derzeit müsse aber die Reihenfolge mit Blick auf die vordringlich gefährdeten Menschen kritisch abgewogen werden.

In Deutschland hat die Ständige Impfkommission bisher noch keine allgemeine Impfempfehlung für Kinder ab zwölf Jahren ausgesprochen. Sie hat bereits mehrfach angedeutet, dass sie möglicherweise nur für vorerkrankte Kinder die Impfung empfehlen werde. Die Sächsische Impfkommission erarbeitet derzeit ein Positionspapier zu Fragen einer solchen Impfung. Das sei in der Endabstimmung und werde diese Tage veröffentlicht, sagte Grünewald.

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