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Krieg in der Ukraine: Dortmunder organisiert privat Wohnungen für Flüchtlinge


Krieg in der Ukraine
Wie ein Dortmunder Wohnungen für Flüchtlinge organisiert

  • Nils Heidemann
Von Nils Heidemann

Aktualisiert am 05.03.2022Lesedauer: 3 Min.
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Daniel Helbing und Flüchtlinge im Zug (Montage): Der Dortmunder möchte dafür sorgen, dass die Menschen aus der Ukraine eine Unterkunft bekommen.Vergrößern des Bildes
Daniel Helbing und Flüchtlinge im Zug (Montage): Der Dortmunder möchte dafür sorgen, dass die Menschen aus der Ukraine eine Unterkunft bekommen. (Quelle: privat/Pixsell/Imago Images)

Wegen des Krieges in der Ukraine fliehen Menschen aus dem Land. Ein Dortmunder Unternehmer greift mit Helfern beherzt ein und kontaktiert Eigentümer, damit Geflüchtete direkt eine Wohnung finden.

Das Handy von Daniel Helbing steht in diesen Tagen nicht still. Er bekommt viele Anrufe und Dutzende WhatsApp-Nachrichten: "Hier hat jemand eine 100qm-Wohnung", heißt es darin. In der nächsten steht: "Wir brauchen eine Wohnung für Flüchtlinge mit vielen Kindern." Seit vergangenem Samstag haben er und weitere Personen eine Aktion ins Leben gerufen, durch die Flüchtlinge aus der Ukraine in und um Dortmund unbürokratisch ein Dach über dem Kopf bekommen sollen – alles privat organisiert.

Die Idee: Wohnungseigentümer können sich melden und den Geflüchteten "Vier Wände" zur Verfügung stellen. Helbing selbst machte es vor: "Ich habe drei meiner Wohnungen genommen, sie möbliert und lasse Flüchtlinge einziehen. Den Rest kläre ich später", sagt er. "Hauptsache, die kommen erst mal irgendwo unter."

"Seit Samstag nur Gänsehaut"

Der "Rest", das bedeutet insbesondere: die Miete. Denn es steht noch nicht fest, wer die letztendlich bezahlt. Dass diese Wohnungen auf Dauer kostenfrei bleiben, sei ausgeschlossen. Helbing hofft allerdings, dass die Stadt – die kurzfristig für 300 Plätze in Notunterkünften sorgt und sich um weitere bemüht – finanzielle Mittel bekommt und ihm das Geld anschließend zurückzahlen kann.

"Doch bis das geklärt ist, müssen wir schnelle Lösungen schaffen", sagt Helbing. Er und seine Mitstreiter sehen sich als Unterstützung für die Verwaltung. "Wir befürchten, dass wir eine große Flut von Frauen und Kindern erleben, die dann plötzlich hier stehen und eine Unterkunft brauchen."

Weitere Eigentümer erfuhren von der Aktion und meldeten sich. "Das Risiko mit Blick auf das Geld trägt jeder selbst." Jeder müsse sich fragen, ob er die Wohnung zunächst einfach bereit- oder einen Mietvertrag ausstellt. "Aber mein Gefühl ist, dass das Geld den Eigentümern aktuell erst mal egal ist."

Noch am Freitag telefonierte Helbing mit einer Person, die eine 60-Quadratmeter-Wohnung angeboten hatte. "Die Frau sagte, sie müsse nur noch die Betten frisch beziehen, dann sei die Wohnung fertig", freut er sich. Er ist von der Hilfsbereitschaft der Menschen in Dortmund begeistert. "Seit Samstag laufe ich mit einer Gänsehaut durch die Gegend. Das ist Wahnsinn."

"Ich bin mir sicher: Wir können Solidarität"

Um alles noch besser koordinieren zu können, ist er mit seinem Team, das sich erst vor einigen Tagen zusammengefunden hat, dabei, bessere Strukturen aufzubauen. Derzeit laufe vieles über Kontakte. Ohne die Unterstützung der vielen Helfer wäre die Aktion nicht umzusetzen gewesen, sagt er: "Das ist kein 'Ich'-, sondern ein 'Wir'-Projekt". Er fügt hinzu: "Wir hoffen bald auch eng mit anderen Organisationen, Vereinen und der Stadt zusammenarbeiten."

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Helbings drei Wohnungen sind bereits vergeben. Doch das ist nicht das einzige Zwischenergebnis: "Vermittelt haben wir nun schon ungefähr zehn Wohnungen. Außerdem haben wir weitere 40 Angebote von Eigentümern." Sie suchen allerdings nicht nur Wohnungen. Auch Möbel werden benötigt, können gespendet und – wenn möglich – von den Spendern aufgebaut werden. Jeder könne unterstützen, sagt Helbing, der begeistert davon berichtet, wie wildfremde Menschen Schränke, Betten und Co. in einer seiner Wohnungen aufbauen.

Doch was treibt Helbing an? "Ich habe seit zehn Jahren einen Mitarbeiter, der aus der Ukraine kommt. Seine Familie musste nun aus dem Land fliehen. Er stand mit seiner Frau weinend vor mir und hat mich angefleht, ihm zu helfen. Ich habe vorher noch nie erlebt, dass er mich um etwas gebeten hat." Das habe ihm die Augen geöffnet.

Daher nehme er die derzeitigen 18-Stunden-Tage gerne in Kauf. "Seit einer Woche habe ich lediglich 15 Minuten für mich selbst gearbeitet", sagt er. "Aber ich glaube, es ist derzeit wichtig, dass es dieses Bindeglied zwischen den Wohnungseigentümern, den Geflüchteten und der Behörde gibt."

Für die Zukunft zeigt er sich optimistisch: "Ich hoffe, dass wir alle zusammenhalten. Ich möchte, dass wir zeigen: Wir können Solidarität. Wir nehmen unsere Freunde, Familien und Nachbarn auf."

Personen, die vorübergehend eine Unterkunft zur Verfügung stellen können oder Möbel spenden wollen, können sich unter folgender E-Mail-Adresse melden: Ukraine@schnellehilfe.eu. Bald soll es auch eine Internetadresse zur besseren Koordinierung geben unter Ukraine-schnellehilfe.eu.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Daniel Helbing
  • Eigene Recherchen
  • Stadt Dortmund: Mitteilung vom 4. März 2022
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