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Hochstapler betrĂŒgt Opfer um mehr als 120.000 Euro – Freispruch

Von dpa
Aktualisiert am 16.11.2021Lesedauer: 3 Min.
Der Angeklagte sitzt vor seiner Aktentasche im Gericht: Er wurde freigesprochen.
Der Angeklagte sitzt vor seiner Aktentasche im Gericht: Er wurde freigesprochen. (Quelle: dpa-bilder)
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Als Pilot, Arzt, Diplomat und Staatsanwalt "Tassilo von Hirsch" sorgte er bereits fĂŒr Schlagzeilen. Nun hat ein Hochstapler

Sein Vorstrafenregister wird immer lĂ€nger: Er war schon Staatsanwalt, Arzt und Pilot. Die Justiz kannte Marc G. bereits unter 38 verschiedenen Alias-Namen. Nun kennt sie ihn auch als Richter "Dr. Robert Lindner", denn als jĂŒngsten Coup hatte sich der notorische Hochstapler einen gefĂ€lschten Richterausweis mit diesem Namen und seinem Konterfei zugelegt, wie er am Dienstag gestand.

Das trug ihm vier weitere Monate GefĂ€ngnis ohne BewĂ€hrung ein – wegen "Verschaffens falscher amtlicher Ausweise". In der Hauptsache sprach Amtsrichterin Britta Brost den 33-JĂ€hrigen aber vom Vorwurf des schweren Betruges frei – was ihm eine weit höhere Strafe ersparte.

Allzu bereitwillig hatte ein frĂŒheres Opfer des notorischen und mehrfach vorbestraften BetrĂŒgers diesem erneut insgesamt 121.000 Euro ĂŒberwiesen. In der verzweifelten Hoffnung, das viele Geld, das er an den Mann schon verloren hatte, endlich wiederzubekommen.

Amtsgericht DĂŒsseldorf: Opfer hatte trotz anstehendem Prozess weiter Geld gegeben

Nachdem er schon mehrfach Opfer des Mannes geworden sei, könne von TĂ€uschung und Irrtum nicht mehr die Rede sein, so die Richterin. Er habe gewusst, auf wen er sich einließ, und ihm das Geld dennoch gegeben. "Das mag eine Riesensauerei sein, was Herr G. hier gemacht hat, aber strafrechtlich gesehen ist das kein Betrug", hatte sein Verteidiger Marc Françoise argumentiert – mit Erfolg.

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"Das war sehr blauÀugig von mir", sagte der Geldgeber als Zeuge und rÀumte ein, dass Marc G. nicht einmal einen schriftlichen Darlehensvertrag unterschrieben habe. Noch kurioser: Trotz des anstehenden Betrugsprozesses um seine 121.000 Euro hatte der Diplom-Ingenieur dem im Juli aus der Haft entlassenen Mann erst vor zwei Wochen erneut 35.000 Euro zukommen lassen.

"So schlecht kann kein Mensch sein", habe er sich immer wieder gesagt, berichtete der 57-JĂ€hrige. Nun, da er im GefĂ€ngnis gesessen und den "Schuss vor den Bug" bekommen habe, mĂŒsse er sich doch endlich geĂ€ndert haben.

Er benötige natĂŒrlich eine Anschubfinanzierung, um beruflich Fuß zu fassen, hatte der einschlĂ€gig Vorbestrafte ihn glauben gemacht. "Aber dann kam ja die erneute Inhaftierung. Da konnte ich ihm die Raten natĂŒrlich nicht zahlen", sagte Marc G.. Inzwischen lebe er vom Erbe seiner Mutter und studiere "psychologische Beratung" im Fernstudium.

Vor zehn Jahren war der geltungsbewusste RealschĂŒler und Aushilfskellner erstmals verurteilt worden. 2013 sprach ihn das Amtsgericht wegen 52 FĂ€llen von Betrugs sowie wegen Titelmissbrauchs schuldig. Mal trat er als "Graf von Falkenstein" auf, mal als Facharzt "Dr. Dr. Petermeier".

Hochstapler inspiriert von "Catch Me If You Can"?

So hatte er fĂŒr sich und seine damalige Freundin jeweils einen Porsche bestellt, obwohl er nahezu mittellos war. Eine 6.000 Euro teure Pilotenuniform sollte darĂŒber hinwegtĂ€uschen.

Der Fall des Hochstaplers in Piloten-Uniform erinnert an eine historische Vorlage: Frank W. Abagnale narrte als falscher Pilot halb Amerika und wurde in Hollywood von Leonardo DiCaprio im Film "Catch Me If You Can" (2002) in Szene gesetzt. Ob Marc G. sich von dem Streifen inspirieren ließ? Immerhin taucht DiCaprio in Marc G.s Facebook-Auftritt auf.

Als ĂŒberdurchschnittlich intelligent, aber auch selbstsĂŒchtig und "gewissensarm" hatten Gutachter ihn beschrieben. Noch aus der Haft hatte er sich in Briefen an sein frĂŒheres Opfer gewandt und ihm die RĂŒckzahlung des geliehenen Geldes versprochen: "Es tut mir leid, dass ich sie die ganzen Jahre belogen und betrogen habe."

Falschnamen beim Shoppen, Bankdaten des Rechtsanwalts

ZunĂ€chst ist das Opfer nicht angetan: "Sie haben mich und meine Familie ruiniert", erwidert der Betrogene barsch. Aber Marc G. lĂ€sst sich davon nicht entmutigen. Und er behĂ€lt recht: Bald reicht nur eine WhatsApp, ein kurzer Anruf, und es fließen weitere Tausende Euro. "Meine eigene Dummheit", sagt der Ingenieur.

Der Hochstapler verschonte frĂŒher sogar seine eigene inzwischen gestorbene Mutter nicht, wenn es darum ging, unter falschem Namen online zu shoppen. FĂŒr Telefonate mit Sex-Hotlines gab er die Bankdaten seines damaligen Rechtsanwalts an. Zu drei Jahren und neun Monaten Haft hatte das DĂŒsseldorfer Landgericht den Ratinger 2016 verurteilt.

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Als besonders verwerflich hatten StaatsanwÀltin und Gericht damals kritisiert, dass er eine Prostituierte per Flugzeug aus Berlin geordert hatte, um sie dann um Lohn und Spesen zu prellen. Mehrere Stunden war ihm das Callgirl mit verbundenen Augen zu Diensten.

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