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Trauma Kinderkur: Studie sieht KontinuitÀten zum NS-Regime

Von dpa
17.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Trauma Kinderkur
Die historische Postkarte zeigt die Kinderheilanstalt "Waldhaus" in Bad Salzdetfurth. (Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Symbolbild/dpa-bilder)
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Die oft gewalttĂ€tige und grausame Erziehungspraxis in vielen Kinderkurheimen nach dem Zweiten Weltkrieg legt einer Studie zufolge eine KontinuitĂ€t zum nationalsozialistischen Regime nahe. Das nordrhein-westfĂ€lische Sozial- und Gesundheitsministerium veröffentlichte am Montag eine Studie zur Aufarbeitung des Leids der sogenannten "Verschickungskinder" nach 1945 im Westen Deutschlands. Demnach wurden allein in NRW zwischen 1949 und 1990 mehr als 2,1 Millionen Kurkinder wochenlang in Kur- oder Erholungsheime oft an Nord- oder Ostsee verschickt. Es sind die ersten wissenschaftlich belastbaren Zahlen fĂŒr NRW. FĂŒr alle BundeslĂ€nder der damaligen Bundesrepublik wird die Zahl der in Kuren verschickten Kinder in diesem Zeitraum nach unterschiedlichen Berechnungen auf sechs bis acht Millionen oder sogar auf zwölf Millionen geschĂ€tzt.

Die Studie lege offen, dass die Organisation der Erholungs- und Heilkuren fĂŒr Kinder in der Weimar Republik aufgebaut und in der NS-Zeit "an die Ideologie des Regimes angeglichen wurde", teilte das NRW-Ministerium dazu mit. "Diese Ausrichtung hat in den Folgejahren nachgewirkt, so dass mentale und personelle KontinuitĂ€ten fortbestanden."

FĂŒr viele Kinder wurde der Aufenthalt im Kurheim zu einer Tortur, die sie bis ins Erwachsenenalter traumatisch belastete. Die Zeitzeugenberichte ĂŒber Gewalt, SchlĂ€ge, Essens- und Schlafentzug, Isolierung und DemĂŒtigung werden in der Studie grundsĂ€tzlich "als in hohem Maße glaubwĂŒrdig" bezeichnet. Allein das Internetportal verschickungsheime.de verzeichne inzwischen fast 2000 solcher Berichte. Bereits eine kursorische LektĂŒre der Berichte lasse eine "hĂ€ufig rigorose, nicht selten auch grausame Erziehungs- und Verwahrungspraxis wĂ€hrend des Kuraufenthalts erkennen".

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Die Kurkinder wurden von der Außenwelt abgeschnitten, hatten Kontaktverbot zu den Eltern, die Post wurde zensiert. Lieblosigkeit, emotionale VernachlĂ€ssigung vor allem kleiner Kinder, körperliche ZĂŒchtigung und vor allem der Essenszwang habe fĂŒr die betroffenen Kinder "eine schwere Traumatisierung" bedeutet, heißt es weiter.

In den 60er und 70er Jahren sei die Kinderkur "eine Erfahrung vieler" gewesen, heißt es in der von Professor Marc von Miquel, Leiter der Dokumentations- und Forschungsstelle der SozialversicherungstrĂ€ger in Bochum, erstellten Studie. "In der kollektiven Erinnerung der betroffenen JahrgĂ€nge ist auch prĂ€sent, dass nicht wenige mit ihrer damaligen Kur negative Erlebnisse verbanden. Heimweh, autoritĂ€rer Erziehungsstil, stupide Freizeitgestaltung und miserables Essen sind typische Motive, wenn unter den zwischen 1950 und 1970 Geborenen die Rede auf die eigene Kurerfahrung kommt."

Die Frage der NS-KontinuitÀt sei in der Studie nur an Rande gestreift worden und sollte weiter erforscht werden, sagte Miguel der Deutschen Presse-Agentur. Die KontinuitÀten betrÀfen aber Anschauungen und auch Personen. So gebe es "brisante EinzelfÀlle", etwa den Fall des einstigen Leiters der hessischen LandeskinderheilstÀtte Mammolshöhe, Werner Catel. Er war einer der HaupttÀter der NS-"Kinder-Euthanasie" und erprobte 1947 in Mammolshöhe nicht zugelassene Medikamente, bei denen mindestens vier Kinder starben. Auch in anderen Kinderkurheimen seien Medikamente erprobt und TodesfÀlle dokumentiert worden.

Miguels Basisstudie "Verschickungskinder in Nordrhein-Westfalen nach 1945" bereitet bisher bekannte Fakten auf und empfiehlt weitere Forschungen etwa zu den Medikamentenversuchen in Heimen bis in die 1960er und 1970er Jahre sowie auch zur oft zweifelhaften Rolle von KinderĂ€rzten bei der massenhaften Verschickung von Kindern. Zahlreiche Zeitzeugen berichteten ĂŒber Tees und Tabletten, die ihnen in der Kur verabreicht wurden, um sie ruhig zu stellen.

"Unser Land muss und wird sich auch mit den dunklen Kapiteln unserer Landesgeschichte auseinandersetzen", sagte Gesundheits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU). "Das sind wir allen voran denen schuldig, denen Unrecht widerfahren ist." NRW werde einen Runden Tisch einrichten, "um ein StĂŒck weit Licht ins Dunkel zu bringen". Das NRW-Ministerium setzt sich im LĂ€nderkreis auch fĂŒr eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung durch den Bund ein.

"Nach vielen Jahrzehnten des Schweigens ist die Studie ein wichtiger Schritt in Richtung Wahrheitsfindung fĂŒr alle Betroffenen", sagte Detlef Lichtrauter vom Verein "Aufarbeitung Kinderverschickungen NRW e.V.". Die Studie sei ein "weiterer wichtiger Schritt, um das Schicksal und die Geschichte von Verschickungskindern anzuerkennen, aufzuarbeiten und sichtbar zu machen", sagte auch der SPD-Oppositionspolitiker Dennis Maelzer, der sich seit langem mit dem Thema beschĂ€ftigt. "Die Studie zeigt unter anderem, dass die NS-Ideologie in vielen Kindererholungsheimen bis weit in die Nachkriegszeit prĂ€sent war." "

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