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"Schockierende Bilder": Vier Verletzte bei Schie├čerei

Von dpa
05.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Vier Verletzte bei Auseinandersetzung mit Schusswaffen
Polizisten suchen auf dem Hamborner Altmarkt nach Spuren. (Quelle: Roberto Pfeil/dpa/dpa-bilder)
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Sch├╝sse fallen, Schreie und Rufe sind zu h├Âren, Menschen gehen hinter parkenden Autos in Deckung. Patronenh├╝lsen Kaliber neun Millimeter liegen verstreut auf der Stra├če. 19 Stellen werden von der Polizei sp├Ąter mit Kreidekreisen markiert. Mindestens ein Auto weist ein Einschussloch auf.

Bei Sch├╝ssen auf offener Stra├če sind im Duisburger Norden am Mittwochabend vier Menschen verletzt worden. Zwei Schwerverletzte werden ins Krankenhaus gebracht, sind aber laut Polizei nicht in Lebensgefahr. Zwei weitere Personen sind eigenst├Ąndig zum Arzt gegangen.

Der Tatort, der Altmarkt im n├Ârdlichen Duisburger Stadtteil Hamborn, ist noch am Donnerstag mit Flatterband abgesperrt. Die Feuerwehr hat ihn der Nacht mit Scheinwerfern ausgeleuchtet, um die Spurensuche zu unterst├╝tzen.

Vier Minuten nach dem ersten Notruf um 20.40 Uhr sei die Polizei vor Ort gewesen, berichtet NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag. 15 Menschen werden vor├╝bergehend festgenommen. Sie z├Ąhlten entweder zur Rockergruppe Hells Angels und deren Umfeld, oder zu einem t├╝rkisch-arabischen Clan, dessen Namen der Minister nicht nennt. Wie in diesen Kreisen ├╝blich: Mit der Polizei reden will offenbar keiner von ihnen.

Bevor die Sch├╝sse fielen, waren 80 bis 100 Menschen aneinandergeraten: im Polizeideutsch ist das eine "Tumultlage", wie sie im Ruhrgebiet zuletzt deutlich seltener vorkam als fr├╝her.

Bei der Schie├čerei habe es sich um einen Konflikt zwischen der Rockergruppe Hells Angels und einem kriminellen t├╝rkisch-arabischen Clan gehandelt, berichtet der Innenminister. Es seien mindestens 19 Sch├╝sse gefallen. Was Ausl├Âser der Schie├čerei war, wisse man noch nicht. Eine 15-k├Âpfige Mordkommission hat die Ermittlungen aufgenommen.

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"Die Bilder sind schockierend", sagt Reul. "Der gestrige Abend f├╝hrt uns vor Augen, wie wichtig es ist, bei diesem Problem am Ball zu bleiben. Clan-Kriminalit├Ąt ist keine PR-Erfindung, sondern ein Riesenproblem, dass die Menschen besonders im Ruhrgebiet in Angst und Schrecken versetzt. Totschweigen ist keine L├Âsung", sagt er.

Immer wieder Duisburg. Vor ein paar Jahren eskalierte dort der t├Âdliche Rockerkrieg zwischen Hells Angels und Bandidos, verlief die Grenze zwischen den Einflusssph├Ąren beider Rockergruppen mitten durch die Industriestadt. Rocker starben, t├Ątowierte Gliedma├čen schwammen im Hafenbecken. Dann kehrte Ruhe ein.

Nun also Rocker gegen Clans. F├╝r den Innenminister ist das kein ganz neuer Konflikt und auch keine neue Dimension. Schon vor einigen Jahren k├Ąmpften Rocker mit und gegen Clan-Angeh├Ârige etwa in Erkrath bei D├╝sseldorf. Und wie damals schweigen die Beteiligten eisern, wenn es darum geht, etwas ├╝ber die Hintergr├╝nde zu erfahren.

Der neue Duisburger Polizeipr├Ąsident Alexander Dierselhuis, der erst am 1. April seine neue Position angetreten hat und als Experte f├╝r Clan-Kriminalit├Ąt gilt, bricht eine Dienstreise ab und kehrt nach Duisburg in sein Pr├Ąsidium zur├╝ck.

"Es liegen diverse Videos vor, die teilweise sehr gute Qualit├Ąt haben, so dass wir hoffnungsvoll sind, ├╝ber die 15 Tatverd├Ąchtigen hinaus noch weitere ermitteln zu k├Ânnen", sagt der Polizeichef. Zur Motivlage k├Ânne man "noch nichts Finales" sagen, sagt auch Dierselhuis. "Was die genaue Ursache des Streit war, m├╝ssen die weiteren Ermittlungen ergeben."

"Vorf├Ąlle dieser Art, dieser Intensit├Ąt, hat es in Duisburg lange nicht gegeben", sagt der Polizeipr├Ąsident. Von einer weiteren oder gar dauerhaften Eskalation geht er aber nicht aus: "Da spricht nach dem aktuellen Ermittlungsstand nichts daf├╝r. Die Gewalt so auf die Stra├če zu tragen, ist f├╝r die Organisierte Kriminalit├Ąt gesch├Ąftssch├Ądigend. Deswegen gehe ich eher davon aus, dass man wieder zur├╝ckfahren wird." Auch der Innenminister glaubt nicht, dass sich die Lage nun noch weiter Hochschaukeln wird.

Im Zusammenhang mit den Sch├╝ssen gibt es in der Nacht einen Einsatz von Spezialkr├Ąften in Duisburg. Das SEK verschafft sich gewaltsam Zutritt zu einem Haus, das einer Gro├čfamilie geh├Âren soll. Die Verd├Ąchtigen waren aber schon geflohen, niemand wird dort angetroffen. Auch in umliegenden St├Ądten seien Kr├Ąfte im Zusammenhang mit den Sch├╝ssen in Hamborn zum Einsatz gekommen, so die Polizei. "Bei uns haben in dieser Nacht nur wenige geschlafen", berichtet ein Polizeisprecher der "WAZ".

Die Beh├Ârden suchen Zeugen, die Angaben zum Tatgeschehen oder zu beteiligten Personen machen. F├╝r die Ermittler seien "insbesondere Fotos oder Videoaufnahmen von Interesse". Sie k├Ânnten auch anonym zur Verf├╝gung gestellt werden.

Wenige Tage vor der Landtagswahl wird die Schie├čerei sofort zum Politikum und zum grfundenen Fressen f├╝r die Opposition: "Meinen das die CDU und Innenminister Reul damit, wenn sie sagen, NRW sei sicherer geworden?", fragt SPD-Fraktions-Vize Sven Wolf.

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