t-online - Nachrichten für Deutschland
t-online - Nachrichten für Deutschland
Such IconE-Mail IconMenü Icon



HomeRegionalFrankfurt am Main

Anschlag in Hanau: Neues Gutachten soll Polizeiversagen zeigen


Attentäter-Haus nicht bewacht?
Hanau-Gutachten wirft Polizei Versagen vor

Von t-online, RF

Aktualisiert am 02.06.2022Lesedauer: 3 Min.
Der Jahrestag des Anschlags von Hanau jährt sich am Samstag zum zweiten Mal.Vergrößern des BildesDemonstrierende beim zweiten Jahrestag des Anschlags von Hanau (Archivbild): Neues Gutachten zeigt mehrere Versäumnisse der Polizei. (Quelle: Andreas Arnold/dpa)
Auf WhatsApp teilen

Polizeiversagen beim rassistischen Anschlag in Hanau? Laut einem neuen Gutachten soll die Polizei das Haus des Attentäters in den Stunden nach dem Anschlag nicht richtig bewacht haben.

Die hessische Polizei hat in der Nacht des rassistischen Anschlags in Hanau 2020 versagt – das wirft ein neues Gutachten der Recherche-Agentur "Forensic Architecture" den Behörden vor: In der Terrornacht des 19. Februar habe es mehrere Fehler und Versäumnisse von Polizeiseite gegeben. So ließ sie die Türen des Wohnhauses in Kesselstadt, in das sich der Täter nach den Morden zurückgezogen hatte, über längere Zeiträume unbewacht. Die "Frankfurter Rundschau" und die "hessenschau" berichteten zuerst.

Die Recherchegruppe hatte unter anderem bisher unbekannte Wärmebildaufnahmen und Tonaufzeichnungen analysiert: Diese stammten von einem Polizeihubschrauber, der in jener Nacht eingesetzt wurde. "Die Polizei hat bei ihren Bemühungen, das Haus des Täters sicher zu umstellen und ihm die Möglichkeit zur Flucht zu nehmen, entscheidend versagt", resümierte Forensic Architecture gegenüber der "FR".

Demnach waren insgesamt drei Polizei-Einheiten damit beauftragt, das Wohnhaus beziehungsweise einen Fluchtweg zu sichern. Doch die Einheiten waren teils falsch positioniert oder haben ihren Standpunkt verlassen. Dem Gutachten zufolge hätte der Attentäter zwischen 23.21 Uhr und 0.25 Uhr, also mehr als eine Stunde lang, das Haus unbemerkt verlassen können. Demnach hatte in dieser Zeit kein einziger Beamter die Vordertür des Hauses oder die Hintertür bewacht.

Hanau: SEK hätte deutlich früher eingreifen müssen

Auch bei dem Helikopter-Einsatz gab es massive Fehler. Laut Bericht haben die beiden Piloten nie die Adresse des Attentäters erfahren. Der Heli kreiste über dem Stadtteil Kesselstadt, ohne gezielt das Haus des Attentäters ins Visier zu nehmen – obwohl die Piloten mehrfach danach fragten.

Die Familien der Opfer drängen seit Monaten auf die Frage, warum das angeforderte Spezialeinsatzkommando (SEK) stundenlang wartete, bis es eingriff und ins Haus des Attentäters ging. Auch auf diesen Aspekt geht das neue Gutachten ein: Das SEK hätte deutlich früher eingreifen müssen. Demnach hatte ein Schallexperiment ergeben, dass die Beamten die Schüsse, mit denen der Attentäter zunächst seine Mutter und anschließend sich selbst tötete, hätten hören müssen. Das SEK habe nach seinem Einsatz zu Protokoll gegeben, es habe keine Schüsse vernommen.

Hanau: Notausgang von Shisha-Bar laut erstem Gutachten verschlossen

Es handelt sich bereits um die zweite Untersuchung von Forensic Architecture mit Blick auf den rassistischen Anschlag von Hanau. In einer früheren Untersuchung von 2022 hatte die Agentur herausgefunden, dass sich mehrere Menschen am Tatort in Kesselstadt hätten retten können, wenn der Notausgang einer Shisha-Bar nicht verschlossen gewesen wäre.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen hierzu eingestellt: Es sei nicht klar, ob die Opfer es überhaupt bis zu dieser Tür geschafft hätten. Der Bericht der Gruppe wurde dem Hanau-Untersuchungsausschuss vorgelegt. Die Recherche-Gruppe resümiert: Sie hätten es zum Teil schaffen können. Drei der Opfer hätten demnach überleben können.

Am Abend des 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Deutscher in der Innenstadt und im Stadtteil Kesselstadt neun Menschen ermordet: Hamza Kurtovic, Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Kaloyan Velkov, Vili-Viorel Păun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saraçoglu. Danach tötete der Attentäter seine Mutter und sich selbst, bevor die Beamten das Wohnhaus in Kesselbach stürmten. Die neusten Ergebnisse zu der Terrornacht sind ab Freitag in der Ausstellung "Three Doors" im Frankfurter Kunstverein ausgestellt.

Verwendete Quellen
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingAnzeigen

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...



TelekomCo2 Neutrale Website