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BKA-Statistik: Frankfurt ist Deutschlands Mordmetropole


Drei Mal mehr Taten pro Kopf als in Berlin
Deshalb ist Frankfurt Deutschlands Mordmetropole


Aktualisiert am 26.02.2024Lesedauer: 3 Min.
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Ermittler bei der Arbeit: Zahlreiche Spuren wurden markiert.Vergrößern des Bildes
Ermittler bei der Arbeit im Frankfurter Bahnhofsviertel (Archivbild): Mehrere Männer gingen hier mit Messern aufeinander los. (Quelle: KeutzTV)

Eifersüchtige Ehemänner, Bandengewalt, Schreckenstaten aus heiterem Himmel: Pro Kopf gibt es in keiner deutschen Großstadt mehr Angriffe gegen das Leben.

Den Daten der BKA-Kriminalitätsstatistik zufolge ist Frankfurt am Main Deutschlands Mordmetropole Nummer eins. Die Beamten haben alle Fälle von Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen zusammengezählt und ins Verhältnis zu den Einwohnern gesetzt. Ergebnis: In keiner anderen deutschen Stadt mit mehr als 500.000 Einwohnern gab es im Jahr 2022 – dem aktuellsten, für das eine Statistik vorliegt – pro Kopf mehr Angriffe auf das Leben.

Zwei Vergleichswerte machen besonders deutlich, wie groß das Problem ist. In Frankfurt wurden pro 100.000 Einwohner drei Mal mehr Taten als in Berlin erfasst. Und in keiner anderen Stadt war die Aufklärungsquote im Jahr 2022 so schlecht wie in Frankfurt.

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Die Polizei Frankfurt selbst spricht von einer "nicht unerheblichen Fallmehrung" bei den sogenannten Straftaten gegen das Leben. Von den insgesamt 72 vom BKA erfassten Taten endeten 13 tödlich, 59-mal blieb es beim Versuch.

Darum sind in Frankfurt die Zahlen so hoch

Seit Jahren prallen in Frankfurt immer wieder zwei verfeindete Banden aufeinander. Es geht um Revierstreitigkeiten bei Rauschgifthandel und illegalem Glücksspiel, die Banden posieren in Internetvideos zu Gangster-Rap, während in der realen Welt die Gewalt explodiert.

Erste Taten wurden bereits im Januar 2021 registriert. Acht voll besetzte Autos fuhren damals vor einem Kiosk der anderen Gruppe vor, bis zu 40 Angreifer starteten eine wüste Attacke. Schüsse fielen, eine Person erlitt einen Wadendurchschuss. 2022 wurden fünf Täter verurteilt, der Schütze kassierte vier Jahre und neun Monate Haft. Auch ein ehemaliger "Hell's Angel" war unter den Verurteilten.

Danach kam der Streit nicht zur Ruhe, er wird auch in die kommende Kriminalitätsstatistik eingehen. Denn im Jahr 2023 eskalierte der Konflikt vollends zum öffentlich ausgetragenen Bandenkrieg: Unter anderem schlugen und stachen die Gruppen in einem Einkaufszentrum aufeinander ein. Und im fließenden Straßenverkehr schoss die eine Gang mehrfach aus einem Auto heraus auf einen Wagen der anderen. Die Polizei gründete eine Sonderkommission, Ende des Jahres gelangen mehrere Festnahmen.

Kriminalitätshotspot Bahnhofsviertel: Immer wieder Messergewalt

Fast 10.000 Straftaten sind im Jahr 2022 allein im Bahnhofsviertel begangen worden. Jeder zweite Straßenraub im Berichtszeitraum fand hier statt. Auch Straftaten gegen das Leben wurden erfasst. Ein Beispiel: Am Silvestertag 2022 gerieten zwei mutmaßliche Drogenhändler aneinander. Einer zückte ein Messer, stach sechsmal auf den Oberkörper seines Kontrahenten ein und verletzte ihn lebensgefährlich. Urteil: sieben Jahre Haft.

Bei einer anderen Auseinandersetzung im Bahnhofsviertel rammte ein Restaurantmitarbeiter einem Kollegen ein Messer tief in den Oberkörper. Das Opfer überlebte nur dank Not-OP.

Femizide in Frankfurt: Gewalt gegen Frauen

Mehrere besonders brutale Straftaten gehen auf das Konto von Männern, die Frauen angriffen. Im Januar 2022 fand ein Passant eine tote Frau in einem Wohnwagen am Ostbahnhof. Ein Mann hatte die 40-Jährige, die aufgrund einer psychischen Erkrankung in die Obdachlosigkeit geraten war, vergewaltigt und mit einer abgebrochenen Türklinke erschlagen. Der Täter wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

In einem anderen Fall hatte ein Mann seine von ihm getrennt lebende Ehefrau auf der A661 ausgebremst, die Seitenscheibe ihres Autos zertrümmert und dann auf sie eingestochen. Sie starb, während er mit blutigen Händen festgenommen wurde. Das Motiv: Er konnte es nicht ertragen, dass sie nicht mehr bei ihm sein wollte.

Der alltägliche Wahnsinn: "Zündschnur kürzer geworden"

Manche Attacken ereigneten sich wie aus heiterem Himmel. Ein 25-Jähriger randalierte im Februar 2022 in der S-Bahn. Am Bahnhof Rödelheim sprach ihn ein 55-Jähriger darauf an – und wurde vom Täter vor eine einfahrende Bahn gestoßen, die gerade noch bremsen konnte.

Beobachtungen der Polizei zufolge werden Konflikte immer häufiger mit Gewalt ausgetragen. Bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2022 sagte Marco Weller, Leiter des Abteilungsstabs im Frankfurter Polizeipräsidium: "Die Zündschnur der Menschen scheint kürzer geworden." Die Dialogbereitschaft der Leute habe gelitten.

Und auch Psychosen spielen eine Rolle, wie in diesem Fall: Ein 32-Jähriger bekam nach einer Behandlung im Universitätsklinikum sein mitgeführtes Messer wieder ausgehändigt. Im Wahn nahm er dies als Aufforderung zu Straftaten wahr. Beim Verlassen der Klinik schnitt er einem anderen Patienten in den Hals, kurz darauf stach er auf eine Medizinstudentin ein. Beide Opfer überlebten.

Nachmeldungen tragen zu Anstieg nach Corona bei

Insgesamt lag Frankfurt am Main im Jahr 2022 bei den Straftaten gegen das Leben in etwa wieder auf dem vorpandemischen Niveau. 2019 waren 68 Taten registriert worden, während Corona ging die Zahl auf 57 Fälle im Jahr 2020 und 43 Fälle im Jahr 2021 zurück.

"Ein Teil des Anstiegs ist der Nacherfassung von Delikten aus den Vorjahren geschuldet", teilte die Polizei Frankfurt t-online auf Nachfrage mit. "Im Jahr 2022 wurden 17 Fälle registriert, deren Tatzeiten ein und mehr Jahre zurücklagen. Im Jahr 2021 waren es nur sechs."

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