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Hamburg: Neun Radfahrer in 2023 gestorben – Stadt will mehr Schutz für Radler


Zahl der Toten verdreifacht
So gefährlich ist Hamburgs Verkehr für Radfahrer


22.02.2024Lesedauer: 3 Min.
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Ein Fahrrad liegt unter einem Lastwagen (Symbolbild): Bei allen tödlichen Verkehrsunfällen mit Radfahrern fehlte den verursachenden Fahrzeugen ein wichtiges Hilfsmittel.Vergrößern des Bildes
Ein Fahrrad liegt unter einem Lastwagen (Symbolbild): Bei allen tödlichen Verkehrsunfällen mit Radfahrern fehlte den verursachenden Fahrzeugen ein wichtiges Hilfsmittel. (Quelle: Blaulicht-News.de/imago-images-bilder)

Hamburgs Radverkehr wächst, doch die Unfallbilanz wirft Schatten auf die Hansestadt. Neun tödliche Radunfälle verschärfen die Sicherheitsdebatte.

Ein Lastwagen will auf einen Aldi-Parkplatz abbiegen, dann ist ein Jugendlicher tot: So geschah es im August 2023 im Stadtteil Groß Flottbek. Der getötete 15-Jährige ist eines von insgesamt neun Opfern, die 2023 auf Hamburgs Straßen ihr Leben verloren, während sie mit dem Fahrrad unterwegs waren. Das geht aus der neuen Verkehrssicherheitsbilanz hervor, die in dieser Woche veröffentlicht wurde.

Die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer in Hamburg ist damit im Vergleich zum Vorjahr dramatisch gestiegen. Sie hat sich sogar verdreifacht. 2022 starben drei Radfahrer bei Unfällen in der Hansestadt. Gleichzeitig hat die Zahl der Radfahrenden spätestens seit der Corona-Pandemie jedoch deutlich zugenommen. Ist ein Anstieg der Todeszahlen also zu erwarten gewesen?

Weniger Unfälle mit Radfahrern – Abbiegeassistenten fehlen

Fünf der neun Radfahrenden, die 2023 starben, wurden von abbiegenden Lastwagen mit mehr als 3,5 Tonnen übersehen. Bei keinem der beteiligten Fahrzeuge war ein Abbiegeassistent verbaut. Die technischen Geräte überwachen den Bereich neben dem Lkw und warnen den Fahrer, wenn sich ein Fahrradfahrer im toten Winkel befindet. Die Assistenten können also solche Unfälle vermeiden und Leben retten.

Ein Blick in die Verkehrssicherheitsbilanz zeigt auch: Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrenden ist im Vergleich zum Vorjahr um 221 (-5,2 Prozent) gesunken. Auch verunglückten 58 Radfahrende (-1,8 Prozent) weniger als 2022. Das ist zunächst eine gute Nachricht.

Verkehrsbehörde setzt auf geschützte Radinfrastruktur

Seit 2011 hat sich der Radverkehr in der Hansestadt verdoppelt. Allein zwischen 2019 und 2023 stieg die Zahl der Radfahrenden um 28 Prozent. Dies ist auch eine Folge der Corona-Pandemie, die viele Menschen dazu bewogen hat, auf das Fahrrad umzusteigen. Die Verkehrsbehörde sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Mobilitätswende.

Um die Sicherheit von Radfahrenden zu gewährleisten, setzt die Behörde vor allem auf die bauliche Trennung des Radverkehrs vom Auto- und Fußverkehr. Wo immer dies möglich ist, soll es zu einer Reduzierung der Konflikte führen. Nach Angaben der Verkehrsbehörde waren 67 Prozent aller 2023 neu gebauten oder sanierten Radkilometer geschützte Radinfrastruktur. "Unser Ziel ist es, diesen Anteil weiter zu steigern", teilt ein Behördensprecher t-online mit. In dieser Legislaturperiode seien bislang 57 Kilometer Radwege im Schnitt pro Jahr saniert oder neu gebaut worden.

So will Hamburg Radfahrer noch mehr schützen

Von der Innenbehörde heißt es, man nehme die Zahl der neun Radfahrenden, die 2023 tödlich verunglückten, ernst. Die Polizei Hamburg habe mit der Gründung der Hamburger Fahrradstaffel frühzeitig auf den steigenden Radverkehr reagiert und setze zielgerichtete Schwerpunkteinsätze um. Zuletzt sei eine dritte Fahrradstaffel bei der Verkehrsstaffel Ost eingerichtet worden.

Zudem hat die Stadt Hamburg bereits 2020 alle schweren Nutzfahrzeuge von Behörden und öffentlichen Unternehmen flächendeckend mit Abbiegeassistenzsystemen ausgerüstet. Auch mehrere private Unternehmen haben sich laut Innenbehörde zuletzt der Senatsinitiative angeschlossen. Eine EU-weite Pflicht für neue Fahrzeugtypen besteht erst seit Mitte 2022. Für alle neu zugelassenen Fahrzeuge wird der Einbau eines Abbiegeassistenten ab dem 7. Juli 2024 zur Pflicht. "Das ist wichtig, kommt aber in unseren Augen zu spät", teilt ein Behördensprecher mit.

Hamburgs Verkehr bleibt eine Gefahr für Radfahrer

Die steigende Zahl der Radfahrer in Hamburg zeigt, dass die Stadt auf dem Weg zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Mobilität ist. Trotz der Bemühungen der Verkehrsbehörde, den Radverkehr durch bauliche Trennung und geschützte Infrastruktur zu fördern, bleiben die Abbiegeunfälle mit Lastwagen eine tödliche Gefahr.

"Jeder Unfall und jeder Verletze ist einer zu viel", hatte SPD-Innenpolitiker Sören Schumacher in dieser Woche treffend formuliert. Hamburgs Verkehr bleibt somit eine Herausforderung für Radfahrer, die mehr Schutz und Aufmerksamkeit verdienen.

Verwendete Quellen
  • Schriftliche Anfrage bei der Behörde für Inneres und Sport
  • Schriftliche Anfrage bei der Behörde für Verkehr und Mobilität
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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