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"Oben ohne"-Demonstrantinnen stellen Männer in Hannover zur Rede


"Oben ohne"-Demonstrantinnen stellen Männer in Hannover zur Rede

Leon Montero und Katja Spigiel

Aktualisiert am 22.08.2022Lesedauer: 3 Min.
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Am Sonntag rief der Feministische Rat (Femrat) Hannover zu einer Oben-Ohne-Demonstration gegen die Sexualisierung der weiblichen Brust auf.Vergrößern des Bildes
Am Sonntag rief der Feministische Rat (Femrat) Hannover zu einer Oben-Ohne-Demonstration gegen die Sexualisierung der weiblichen Brust auf. (Quelle: Katja Spigiel)

Etwa 100 überwiegend weibliche Demonstrierende fahren am Sonntag teilweise obenrum frei durch Hannover. Ihr Anliegen: Die Entsexualisierung ihrer Körper.

"Wir müssen das richtig provokativ machen! Wofür sind denn unsere Großmütter schon auf die Straße gegangen?", fragt eine Demo-Teilnehmerin. Die Antwort folgt einen Augenblick später: "Dafür, dass wir gleichberechtigt behandelt werden!" T-Shirt und Strickjacke zieht sie daraufhin aus. Allmählich füllt sich der Platz vor der Lutherkirche in der Hannoverschen Nordstadt.

Am Sonntag rief der Feministische Rat (Femrat) Hannover zu einer Oben-ohne-Demonstration gegen die Sexualisierung der weiblichen Brust auf. Mit etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern startete sie in der Nordstadt und führte bis zum Wilhelm-Busch-Museum. Wie das Kollektiv in den sozialen Netzwerken erklärt, sei es für Männer kein Problem, in der Öffentlichkeit den Oberkörper freizumachen. "Als weiblich gelesener Mensch werden wir dafür jedoch sexualisiert, zensiert und unterdrückt", heißt es auf Instagram.

"My Body my Choice"

Wer sich damit wohlfühlt, entblößt und schmückt sich. Juana, eine der Organisatorinnen der "Obenrum Frei"-Demo weiß, dass es schwerfallen kann, sich freizumachen. Ihrer Meinung nach zeige sich hier das Symptom eines strukturellen Problems. "Das Patriarchat wirkt so, dass sich Frauen, ohne dass es eine sexuelle Aufladung bekommt, so nicht im öffentlichen Raum bewegen können."

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Aus diesem Grund soll die Demo auch einen Ort schaffen, an dem sich Betroffene gegenseitig stärken können. So bekleben sie sich mit Glitzersteinchen um die Brust und nutzen die Farbpalette für Blumen und Regenbögen sowie Statements wie "My Body my Choice" auf ihren Körpern.

"Wir radeln für unsere Rechte"

In einem Redebeitrag macht Paula vom Femrat darauf aufmerksam, dass die Brust ein sekundäres Geschlechtsteil sei. So wie zum Beispiel der Bart. "Stellt euch mal vor, wir würden von Menschen mit Bart verlangen, noch nach der Pandemie Maske zu tragen oder sich den Bart abzurasieren, weil sie sonst zu sexuell aufreizend wären."

Dabei, so beschreibt sie es, liege es nicht in der Verantwortung von einzelnen Frauen, gegen derartige Geschlechterungerechtigkeit anzukämpfen. "Es kann nicht sein, dass ein fast schon so banaler Aspekt wie die persönliche Bekleidung nicht gleichberechtigt ist. Wir radeln für unsere Rechte."

Hannover: Aktivistinnen stellen Männer zur Rede

Um die Demonstrierenden, die sich mit stärkenden Worten und bunten Farben für das Fahrradfahren bereit machen, hat sich inzwischen eine Menschentraube gebildet. Ein älterer Mann zückt sein Smartphone und fotografiert Demo-Teilnehmende. Zwei Aktivistinnen stellen ihn zur Rede und verlangen, die Aufnahmen zu löschen. Auf den Bildern könnten auch Minderjährige zu sehen sein, sagt eine der beiden.

Ob er der Aufforderung nachkommt, ist nicht ersichtlich. Auf t-online Nachfrage gibt der zögerlich an, dass er aus anwaltlichen Gründen hier sei. Weiter erläutern wollte er das nicht. Zu solchen Szenen kommt es öfter.

Die weibliche Brust als Politikum: "Das ist einfach ein Unding"

Es sind fast nur Männer, die im Vorbeigehen die größtenteils jungen Demonstrierenden ungefragt filmen und fotografieren. Juana vom Femrat wundert das nicht: "Es bestätigt genau das, was wir ankreiden. Die weiblich gelesene Brust ist ein Politikum, das tabuisiert ist".

Wenn die weibliche Brust gezeigt wird, würden Kameras gezückt und Videos gemacht. "Das passiert männlich gelesenen Personen nicht. Das ist einfach ein Unding", so die Aktivistin. Für das hohe Medienaufkommen ist sie dankbar – auch wenn es genau das bestätigt, was sie vermutet habe. "Die weibliche Brust ist eben etwas, bei dem alle hinstarren".

Verwendete Quellen
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