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Niedersachsens Wirtschaftsstimmung: Gedrückt bis gemischt

Hannover  

Niedersachsens Wirtschaftsstimmung: Gedrückt bis gemischt

15.10.2021, 13:05 Uhr | dpa

Niedersachsens Wirtschaftsstimmung: Gedrückt bis gemischt. Bauarbeiter

Bauarbeiter stehen auf dem Neubau eines Mehrfamilienhauses. Foto: Demy Becker/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Niedersachsens Wirtschaft ist trotz gelockerter Corona-Regeln nicht sehr zuversichtlich für die kommenden Monate. Nur 19 Prozent der Betriebe erwarten laut der jüngsten Konjunkturumfrage eine günstigere Entwicklung - deutlich weniger als im Vorquartal (25 Prozent). Etwas positiver wurde die aktuelle Lage beurteilt.

Dagegen stellen sich 22 Prozent der Unternehmen in nächster Zeit auf schlechtere Geschäftsbedingungen ein, wie der Kammer-Dachverband IHKN am Freitag in Hannover mitteilte. Zuletzt hatten sich noch 17 Prozent so geäußert. Eine Mehrheit von 60 (Vorquartal: 58) Prozent der befragten Firmen im Land sieht derweil keine größeren Veränderungen.

Insgesamt bleibt die Situation angespannt. Besonders der Industrie machen Lieferketten-Probleme zu schaffen, wichtige Zulieferungen wie Mikrochips sowie manche Metall- und Baurohstoffe sind Mangelware. Das bedeutet eine teure Unterauslastung von Kapazitäten und Kurzarbeit. Gleichzeitig fehlt vielen Betrieben Fachpersonal. Und die Inflation - speziell bei Energie jetzt auf einem Höchststand seit vielen Jahren - droht, Konsum und Investitionen abzuwürgen. Dabei hatte sich die Nachfrage nach dem harten Corona-Jahr 2020 gerade etwas erholt.

Die Eintrübung der Stimmung beim Blick nach vorn führte dazu, dass der Gesamtindex für das niedersächsische Konjunkturklima um drei Punkte auf 111 Zähler sank. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute schraubten ihre Konjunkturprognose für ganz Deutschland in diesem Jahr gerade ebenfalls herunter. Sie erwarten anstelle eines Wachstums von 3,7 Prozent - wie noch im Frühjahr angenommen - jetzt eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um schätzungsweise 2,4 Prozent.

"Die Lage nach 18 Monaten Corona ist nicht so gut, wie sie sein könnte", meinte auch IHKN-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt. "Viele Unternehmen würden gern mehr produzieren, haben aber keine Vorprodukte. Und viele suchen Personal, meistens Fachkräfte, manchmal Hilfskräfte, die einfach mit anpacken. Das bremst die Wirtschaft." Vor allem der im Nordwesten wichtige Tourismus und die Gastronomie bekommen nicht mehr genügend Leute, was zumindest einen Teil des dank Corona-Entspannung wieder besseren Geschäfts zunichtemachen kann.

Bezieht man sich lediglich auf die Einschätzung der Umstände hier und heute, fallen viele Antworten aus den befragten Firmen etwas positiver aus. 37 Prozent halten die momentane Geschäftslage für gut und 11 Prozent für schlecht, während 52 Prozent mehr oder weniger zufrieden sind. Für die Industrie insgesamt sei ein Aufschwung spürbar, so die Kammern. Ausgerechnet der für Niedersachsen besonders bedeutende Automobilbau bilde allerdings eine Ausnahme: "Ganze Werke stehen wieder still" - geradewegs wie zu Beginn der Pandemie.

In der Bauwirtschaft, die sogar 2020 relativ gut überstanden hatte, herrschten gemischte Gefühle: "Die Geschäftslage könnte kaum besser sein, wäre da nicht der Materialmangel und insbesondere der Personalmangel." Im Einzelhandel hänge die Stimmung vom Sortiment ab. Im Verkehr sei das Geschäft schwierig, auch in Deutschland fehlten Fahrer. Mit Blick auf die Koalitionssondierungen verwies Bielfeldt auf Bedenken, ein höherer Mindestlohn könne "in Teilen der Wirtschaft zu Verwerfungen im Lohngefüge und Kostensteigerungen führen".

Am Arbeitsmarkt hellt sich das Bild aus Expertensicht weiter auf. Der Erholungskurs werde sich 2022 fortsetzen, glaubt das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Der erwartete Rückgang der Arbeitslosigkeit dürfte in Niedersachsen mit 8,9 Prozent etwas unter dem Wert mancher anderen Länder liegen - für Bremen etwa werden 11,5 Prozent weniger Arbeitslose angenommen. Eine Ursache: Es sei gelungen, während der akuten Virus-Krise die Folgen für den Jobmarkt in Niedersachsen stärker zu begrenzen.

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