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Deutsche Firmen wollen bei britischen Windparks mitanpacken

Von dpa
17.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Offshore-Windpark
Windr├Ąder des Offshore-Windparks "Baltic 2" sind in der Ostsee vor der Insel R├╝gen zu sehen. (Quelle: Jens B├╝ttner/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Am Ausbau der Windkraft vor der britischen K├╝ste d├╝rfen sich nach einer Auktion auch deutsche Unternehmen beteiligen. Der Karlsruher Energiekonzern EnBW und die britische BP bekamen nach Angaben vom Montag den Zuschlag f├╝r einen fast drei Gigawatt starken Windpark vor der schottischen Ostk├╝ste. Sie zahlen laut Crown Estate Scotland, das den Meeresboden verwaltet, eine Optionsgeb├╝hr von 85,9 Millionen Pfund (rund 103 Mio Euro).

Das Vorhaben sei eines von insgesamt 17, die bewilligt wurden, teilte der schottische Ableger des k├Âniglichen Liegenschaftsverwalters mit. Die maximale Gesamtleistung der Projekte liege bei rund 25 Gigawatt. Auch der Konzern Baywa war laut Crown Estate mit einem Angebot erfolgreich. Die M├╝nchner planen demnach eine schwimmende Windkraftanlage mit einer Leistung von 960 Megawatt und zahlen eine Optionsgeb├╝hr in H├Âhe von 33 Millionen Pfund.

F├╝r die EnBW bedeutet der Windpark eine deutliche Erweiterung seiner Energieerzeugung auf dem Meer. Der Konzern hat bisher vier Windparks vor K├╝sten mit einer Leistung von insgesamt einem Gigawatt in Betrieb genommen. Weitere sind in Planung.

Das neue Projekt kann den Angaben nach rein rechnerisch mehr als drei Millionen Haushalte mit Windstrom versorgen. Die rund 860 Quadratkilometer gro├če Fl├Ąche liege knapp 60 Kilometer vor der K├╝ste von Aberdeen. Ihr Vorteil sei eine geringe Wassertiefe von 65 bis 75 Metern, die die EnBW nach Aussage von Michael Class, Leiter Erzeugung Portfolioentwicklung, aus der Nordsee kenne. Je nach dann verf├╝gbarer Turbinenleistung k├Ânnten 150 bis 190 Windr├Ąder im Boden verankert werden. Ab 2026/2027 soll der Windpark "Morven" entstehen, was in der schottisch-g├Ąlischen Sprache "Kind des Meeres" bedeute.

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Eine Entscheidung ├╝ber die endg├╝ltige Investition wird erst noch getroffen. EnBW-Technikvorstand Georg Stamatelopoulos zufolge lassen sich die Kosten derzeit noch nicht beziffern. Kalkulieren k├Ânne man in etwa mit 2000 Euro pro Kilowattstunde.

"Morven" ist eine weitere Kooperation von BP und EnBW. Im vergangenen Jahr hatten sie Zuschl├Ąge f├╝r zwei Projekte in der Irischen See bekommen, die eine Gesamtleistung von bis zu drei Gigawatt haben sollen. Zusammen sind sie laut EnBW-Chef Frank Mastiaux das bisher gr├Â├čte Offshore-Projekt in der Unternehmensgeschichte.

Dass der Karlsruher Konzern vor der britischen K├╝ste so aktiv ist, begr├╝ndete Stamatelopoulos mit der Vorreiterrolle des Vereinigten K├Ânigreichs auf dem Offshore-Markt. Ein bew├Ąhrtes Verg├╝tungsmodell und ein regulatorischer Rahmen g├Ąben Sicherheit, dass Investitionen rentabel seien. Verglichen mit Deutschland seien die Ausbauziele und gerade die anstehenden Projekte deutlich gr├Â├čer.

Der britische Premierminister Boris Johnson will das Vereinigte K├Ânigreich in ein "Saudi-Arabien der Windkraft" verwandeln. Bis 2030 will seine Regierung 40 Gigawatt Offshore-Windkraft bereitstellen, das sind 10 Gigawatt mehr als zuvor geplant. Dann sollen alle Haushalte "gr├╝nen" Strom erhalten. Dies sei ein wichtiges Sprungbrett f├╝r das geplante Ziel, bis 2050 bei den Emissionen Netto-Null zu erreichen, hei├čt es vom Wirtschaftsministerium in London.

EnBW-Vorstand Stamatelopoulos versicherte: "Wir vernachl├Ąssigen Deutschland nicht." Die EnBW baute 2010 den ersten deutschen Offshore-Windpark Baltic 1 in der Ostsee. Dort und in der Nordsee betreibt sie je zwei Windparks. Neben hier geplanten Projekten fasst das Unternehmen international Fu├č, zum Beispiel auch in Frankreich.

Der Chef von Crown Estate Scotland, Simon Hodge, sagte: "Die heutigen Ergebnisse bedeuten einen fantastischen Vertrauensbeweis in Schottland F├Ąhigkeit, seine Energiebranche umzugestalten." Nur wenige Monate nach der Ausrichtung der UN-Klimakonferenz COP26 bedeuteten die Auktionen einen gro├čen Schritt hin zu einer gr├╝neren Wirtschaft. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon nannte die Pl├Ąne eine "wahrlich historische" Chance auf dem Weg zu Netto-Null. Sie k├╝ndigte Milliardeninvestitionen in "gr├╝ne" Jobs an.

Die Gew├Ąsser um Schottland sind bisher f├╝r gro├če ├ľl- und Gasvorkommen bekannt. Doch die schottische Regierungspartei SNP, die sich 2021 mit den Gr├╝nen verb├╝ndet hat, will den Anteil fossiler Energien senken und erneuerbare Energien f├Ârdern. Experten sind sicher, dass Tausende Arbeitskr├Ąfte aus der ├ľlindustrie erfolgreich umgeschult werden k├Ânnen. Eine Entwicklung, die sich auch bei EnBW vollzieht, und als Argument angebracht wurde, wie Stamatelopoulos sagte.

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