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Besucher-Boom in Kiel: Liegt es am milden Wetter?

Liegt es am Wetter?  

Wie sich der milde Winter auf den Tourismus in Kiel auswirkt

28.01.2020, 13:54 Uhr
Besucher-Boom in Kiel: Liegt es am milden Wetter?. Menschen unterwegs am Ufer: Auch in den Wintermonaten sind Spaziergänge in Kiel eine beliebte Unternehmung. (Quelle: Sven Raschke)

Menschen unterwegs am Ufer: Auch in den Wintermonaten sind Spaziergänge in Kiel eine beliebte Unternehmung. (Quelle: Sven Raschke)

In Kiel lässt der Winter auf sich warten, dafür kommen offenbar viele Touristen in die Landeshauptstadt am Meer. Liegt es am Wetter? Hotel-Experten sind sich uneinig.

Ungewöhnlich häufig blauer Himmel, Sonnenschein und an Schnee ist überhaupt nicht zu denken. Der milde Winter in Kiel lädt zu Strand- und Fördespaziergängen ein. Aber ist er auch verlockend genug, dass er den Tourismus in der Landeshauptstadt ankurbelt?

Die neuesten Zahlen scheinen das zunächst zu bestätigen. "Die Übernachtungen konnten im November gegenüber dem Vorjahres-November um stolze 12,3 Prozent gesteigert werden", sagt Eva-Maria Zeiske, Sprecherin vom Stadtmarketing Kiel. Auch für den zurückliegenden Dezember rechnet sie nach den letzten Rückmeldungen mit einem deutlichen Plus von mindestens 8 Prozent. Das sei zwar enorm – allerdings ist Zeiske vorsichtig damit, das Wetter für den Zuwachs hauptverantwortlich zu machen.

Was die Dänen nach Kiel lockt

"Wir führen das eher auf die Gesamtvermarktung Kiels als Weihnachtsstadt des Nordens zurück", erklärt Zeiske. So habe man viel in Werbung für die Weihnachtsmärkte investiert – gerade auch im Ausland und besonders in Dänemark. "Unser Nachbarland ist ein ganz wichtiger Quellmarkt für unsere Weihnachtsmärkte", so Zeiske. "Denn in Dänemark sind Weihnachtsmärkte nicht so üblich. Obwohl die Dänen sie lieben."

Zudem fällt laut Stadtmarketing ein großer Teil der Hotelbuchungen auf den Geschäftstourismus – und auf den hätten Wind und Wetter keinen so großen Einfluss. So hört man es auch von den Hotelbetreibern. "Die Temperatur spielt keine Rolle im Winter, da das den Geschäftsreisenden egal ist", erklärt Melanie Kußauer von den B&B Hotels. "Und Touristen kommen im Winter nicht." Auch andere Hotels können keine wetterbedingten Veränderungen in den Buchungszahlen feststellen.

Haus mit Logo "Hotel": Kieler Hotels haben in diesem Winter viele Gäste aufgenommen.  (Quelle: Sven Raschke)Haus mit Logo "Hotel": Kieler Hotels haben in diesem Winter viele Gäste aufgenommen. (Quelle: Sven Raschke)

Trotzdem möchte Stadtmarketing-Sprecherin Zeiske einen Effekt nicht ausschließen. "Bei Privatvermietern trifft das auf jeden Fall zu. Die werden auf lange Sicht profitieren", so Zeiske.

Sie könne sich auch vorstellen, dass sich viele Leute bei Spontan-Buchungen für ein Wochenende aufgrund des guten Wetters kurzfristig lieber für Kiel als fürs Wegfliegen entscheiden. Mit Zahlen könne sie das aber nicht belegen.

Plus bei Winter-Kreuzfahrten

Eine Nachfrage beim Reisebüro Zugvogel in Russee kann die Einschätzung nicht bestätigen. Weniger Urlaubsbuchungen – zumindest vonseiten der Kieler – scheint es wegen des verträglichen Klimas daheim nicht zu geben. Reisebüro-Mitarbeiterin Julia Haberer: "Bei unseren Kunden hat der milde Winter keinen Einfluss." Urlaub sei eben Urlaub. Und den in anderen Weltregionen zu verbringen, etwas ganz anderes, als zu Hause zu bleiben.

Leicht spürbar sind die immer wärmer werdenden Winter laut Zeiske beim Kreuzfahrttourismus. "Da gibt es mittlerweile auch ein, zwei Winterangebote im Dezember", so Zeiske. Der klassische Segelsport bleibt dagegen bis auf Weiteres unberührt – jedenfalls im kommerziellen Bereich. Das findet in der Wintersaison in Kiel überhaupt nicht statt. Und das wird sich auch in absehbarer Zukunft nicht ändern, wie eine Nachfrage bei Segelreisen-Kiel.de ergibt.

Kieler Bucht: Einheimische nutzen sie auch in der kalten Jahreszeit gerne für Erholung. (Quelle: imago images/Archivbild/penofoto)Kieler Bucht: Einheimische nutzen sie auch in der kalten Jahreszeit gerne für Erholung. (Quelle: Archivbild/penofoto/imago images)

"Natürlich sind bei besserem Wetter auch im Winter mehr Segler, Surfer und Kyter auf dem Wasser", sagt Zeiske. "Aber das sind eher die Einheimischen."

Eine Umstellung wegen kommender milder Winter ist für die Tourismusbranche laut Zeiske nicht notwendig. "Ich denke schon, dass die Erwärmung aus touristischer Sicht gut für Kiel sein wird, weil besonders deutsche und dänische Reisende sich häufiger für uns entscheiden werden, als weit weg zu fliegen. Aber wir sind noch nicht so weit, dass wir aktiv umdenken müssten – wie etwa etwa die Skigebiete." Man sei zwar bemüht, die Nebensaison zu beleben. Aber, so Zeiske: "Grundsätzlich ändert sich nichts, dafür ist es dann doch nicht warm genug."

Verwendete Quellen:
  • Gespräche mit Eva-Maria Zeiske und Melanie Kußauer
  • Reisebüro Zugvogel
  • Segelreisen-Kiel.de
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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