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Kiel: Hofladen erzielt mit "Biobox" Rekord-Einnahmen

Während der Corona-Krise  

Biobox in Kiel erzielt Rekord-Einnahmen

07.11.2020, 10:00 Uhr
Kiel: Hofladen erzielt mit "Biobox" Rekord-Einnahmen. Sylvia Manske steht vor ihrem Höfeladen: Während der Corona-Krise hat sie ihr Unternehmen vergrößert. (Quelle: Sven Raschke)

Sylvia Manske steht vor ihrem Höfeladen: Während der Corona-Krise hat sie ihr Unternehmen vergrößert. (Quelle: Sven Raschke)

Die Corona-Krise macht vielen Unternehmen einen Strich durch die Rechnung. In Kiel zeigt sich ein Unternehmen unbeeindruckt von der Lage – für einen kleinen Hofladen könnte es kaum besser laufen.

Nicht jedes Business leidet unter der Corona-Krise. Der Höfeladen Wittschap macht als einziger Kieler Lieferant von Biokisten gerade das beste Geschäft seiner zehnjährigen Geschichte. Auf dem angeschlossenen Hof, direkt auf der Grenze zwischen Melsdorf und Kiel gelegen, wird angebaut, was dann wöchentlich an Haushalte in Kiel und Umgebung geliefert wird – das Ganze mit Biosiegel und dem Anspruch fair, regional und saisonal. Warum das gerade in Zeiten des Lockdowns so gut funktioniert, hat Betreiberin Sylvia Manske bei einem Besuch im Hofgeschäft erklärt.

Grünkohl, Schwarzkohl, Kohlrabi, Rosenkohl, Spitzkohl – diverse Kohlvarianten sind es vor allem, die gerade auf den Wittschap-Feldern geerntet werden. Zum Biokisten-Angebot, das sich die Kunden auf Wunsch frei zusammenstellen können, gehören aber auch andere Produkte. Nicht nur von diversen anderen Höfen aus Schleswig-Holstein und Hamburg – Äpfel etwa aus Löptin oder Feldsalat aus Hamburg – sondern auch Paprika aus Spanien oder Clementinen aus Italien.

Beispiel für eine Biokiste: Kunden können sich das Angebot selbst zusammenstellen. (Quelle: Sven Raschke)Beispiel für eine Biokiste: Kunden können sich das Angebot selbst zusammenstellen. (Quelle: Sven Raschke)

Wie das mit der Idee des Saisonal-Regionalen zusammenpasst? "Nun, wenn ich ein Vollsortiment anbieten will, dann brauche ich diese Dinge, um die Leute zu halten", begründet Silvia Manske. "Die Kunden wollen einfach das ganze Jahr Gurke oder Paprika haben. Da ist es besser, wenn sie es hier mit Bio- oder besser noch Demeter-Siegel kaufen als im Supermarkt."

Auch die Lieferungen der Produkte direkt zur Haustür der Kunden – ein Trend, über den von Umweltfreunden oft geschimpft wird, wenn er von Amazon und Co. ausgeht – rechtfertigt Manske: "Ich erreiche so viel mehr Publikum. Und dadurch, dass ich es quasi als Sammeltaxi mache, finde ich es auch ökologisch vertretbar." Ein Faktor, der bei der Biokiste außerdem wegfällt, ist die Retoure, die etwa bei bestellter Kleidung einen erheblichen Teil ausmacht.

Die erste Kiste ging an den Ex-Freund

Ihre erste Biokisten-Tour hat Sylvia Manske 2010 gemacht. Damals hatte sie den Hofladen frisch übernommen. Die Biokiste war als zweites Standbein neben dem Ladenverkauf gedacht. "Ich war mega stolz auf die drei ausgelieferten Kisten", erinnert sich Manske. "Eine ging an meinen Ex-Freund, eine an meine Nachbarin und eine sogar an eine fremde Kundin!"

Danach dauerte es noch eine ganze Weile, bis das Liefergeschäft so richtig ins Rollen kam. Aber es kam. Anfang des Jahres hatte sich die Tour auf 50 bis 60 Lieferungen die Woche eingependelt. Dann kam Corona, und mit dem Virus eine Flut neuer Kunden. Die Zahlen haben sich seitdem in etwa verdoppelt. "Es war eine spannende Zeit", so Manske, "weil ich ständig neue Strukturen schaffen und neue Leute einstellen musste. Andere Biokistenlieferanten haben einen Aufnahmestopp gemacht. Aber das wollte ich nicht – auch wenn der Aufwand schon krass war."

Lockdown sorgt für Kundenzuwachs

Manske rechnet damit, dass viele der Neukunden auch nach der Krise dabei bleiben werden – und dass das Interesse mit dem zweiten Lockdown noch weiter steigt. Manske: "Direkt nach der Ankündigung  des Lockdowns hatten wir sogar mehr Kunden als sonst zum Weihnachtsgeschäft."

Die Gründe dafür sieht die Höfeladen-Betreiberin in der Sorge der Menschen: "Viele, besonderes Ältere, trauen sich ja nicht mehr so gern raus. Und Essen ist eines der wenigen Highlights, die man sich noch gönnen kann. Außerdem ist da sicher auch die Vorsicht, mehr als sonst im Vorratsschrank haben zu wollen."

Die Kundschaft von Sylvia Manske und ihren mittlerweile acht Mitarbeitern ist „super querbeet“, so Manske.  "Ich habe natürlich viele ältere, die die Bequemlichkeit schätzen." Daneben gebe es viele Familien und auch einige Studenten. Die meisten Besteller seien wohl etwa zwischen 35 und 60 Jahre alt.

Angebot überrascht die Kunden

Britta Friedrichsdorf (40) aus Kiel hatte im März mit Beginn der Corona-Maßnahmen ihre erste Biokiste bestellt, weil sie zu den Risikogruppen gehört und den Wochenmarkt deshalb vermeiden wollte. "Ich bin jetzt dabei geblieben, weil es sehr bequem ist. Ich habe jetzt ein Kilo Weißkohl hier liegen und bin ganz überrascht was man damit alles machen kann. Zum Beispiel zuletzt ein asiatisches Curry." Sie freut sich auch dass sie das "Supermarkt-Gewusel" vermeiden kann – und es bei der Biokiste keinen Verpackungsmüll gibt.

Die Kielerin Anke Helmert (73) ist seit Anfang an dabei. "Ich gehöre zu den allerersten", sagt sie. "Damals war der Hofladen noch nicht mal richtig fertig. Und ich bin bis heute treu geblieben." Oft hole sie die Kiste selbst ab und schaue sich dann im Laden nach weiteren Dingen um. "Es ist alles so schön frisch. Und es ist toll, dass man auch mal neue Dinge kennenlernt, die man sonst gar nicht kaufen würde. Und jetzt in der Corona-Zeit ist es toll, dass wir alles nach Hause geliefert bekommen."

Andreas Voß (53) aus Flintbek und seine Familie haben die Biokiste seit sechs Jahren abonniert. Ihm gefällt zum einen der lokale und biologische Anbau. "Das unterstütze ich gerne", so Voß. "Zum anderen bewegt uns die Biokiste dazu, neue Rezepte auszuprobieren. Rote Beete zum Beispiel kannte ich immer nur als eingelegte Beilage. Wir haben dann ein super Carpaccio damit gemacht. So lernt man Lebensmittel kennen, über die man sich vorher keine Gedanken gemacht hat."

Neben den Privatkunden beliefert der Höfeladen Wittschap mehrere Firmen und Kitas in Kiel mit Obst und Gemüse. Und, gefördert durch ein EU-Programm, vier Kieler Schulen. In Brüssel will man so erreichen, dass "die Akzeptanz der Kinder für Obst, Gemüse und Milch erhöht und eine Vorliebe für diese Produkte entwickelt" wird, wie es auf der Webseite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft heißt. Eine Entwicklung, die Sylvia Manske nur recht sein kann.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche

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