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Kiel: Dealer gesteht vor Gericht und erhält milde Strafe

Angeklagter gesteht  

Mann handelt mit mehr als 100 Kilogramm Drogen

11.03.2021, 17:04 Uhr
Kiel: Dealer gesteht vor Gericht und erhält milde Strafe. Der Verurteilte und ein Anwalt sitzen im Gerichtssaal: Weil er geständig war, ist die Strafe des Kielers milder ausgefallen als erwartet. (Quelle: imago images/Sven Raschke)

Der Verurteilte und ein Anwalt sitzen im Gerichtssaal: Weil er geständig war, ist die Strafe des Kielers milder ausgefallen als erwartet. (Quelle: Sven Raschke/imago images)

Weil er mit mehr als 100 Kilo Drogen im Gesamtwert von 500.000 Euro gedealt hat, musste sich ein Kieler vor dem Landgericht verantworten. An den Ermittlungen waren sogar französche Hacker beteiligt. 

Angeklagt für den Handel mit 100 Kilogramm Marihuana, 1,8 Kilogramm Kokain und 1,7 Kilo Amphetaminen, bekannte sich ein Kieler am Mittwoch vor dem Kieler Landgericht für schuldig. Wegen seines Geständnisses fiel das Urteil für den 42-Jährigen milder aus als zunächst von der Staatsanwaltschaft gefordert: Das Gericht verurteilte den Mann noch am selben Verhandlungstag zu drei Jahren und acht Monaten Haft. Beweise für die insgesamt mehr als ein Dutzend Drogendeals, die nach Erkenntnissen der Ermittler zwischen März und Oktober vergangenen Jahres stattgefunden hatten, konnte die Polizei auch Dank französischer Hacker sammeln.

Rund 500.000 Euro Gewinn soll der Verurteilte nach Angaben der Staatsanwaltschaft durch seine illegalen Geschäfte im Raum Kiel und Hamburg gemacht haben. 450.000 Euro, so das Urteil des Gerichts weiter, sollen eingezogen werden – Geld, über das der Mann nach Angaben seines Anwalts allerdings gar nicht verfüge. Das Geld habe er nach eigener Aussage benötigt, um seinen Drogenkonsum zu finanzieren.

Nebenjobs reichten nicht, um eigenen Konsum zu finanzieren

Während seines Geständnisses rang der Mann sichtlich nach Fassung. Zwischenzeitlich unterbrach der Richter deshalb die Verhandlung. Er sei, so der Verurteilte, "im Osten aufgewachsen" und in den 1990ern nach Flensburg gezogen. Der Hauptschulabschluss mit 15 Jahren sei ihm noch gelungen. Danach aber habe er nacheinander zwei Lehren abgebrochen, "wegen leichtem Drogenkonsum hier und da" sowie "diverser Delikte", wie er dem Gericht mitteilte. Verschiedene Nebenjobs reichten offenbar nicht, um seinen anhaltenden Drogenkonsum zu finanzieren.

Zwischen 2003 bis 2004 landete er das erste Mal im Gefängnis, es folgte eine zehnmonatige Therapie in Schleswig, wo er 2006 seine spätere Ex-Frau kennenlernte. "Nach der Trennung bin ich hier und da wieder rückfällig geworden, hab Schulden aufgebaut, versucht, mit dem ein oder anderen Deal die Schulden abzubauen", so der Verurteilte. Schulden im "großen vierstelligen Bereich", wie er auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft mitteilte.

Sein Geständnis, so ließ er durch seinen Anwalt mitteilen, verbinde er mit Reue und Einsicht. Er habe unter den Monaten in Untersuchungshaft und der Trennung von Lebensgefährtin und Kindern sehr gelitten, auch gesundheitlich gehe es ihm nicht gut. Vor der Verhaftung, so der Verurteilte selbst, habe er sich nicht mehr von seinen beiden Töchtern verabschieden können. "Auf jeden Fall hat mich die U-Haft jetzt nachhaltig beeindruckt, dass ich keine Taten mehr begehen werde."

Französische Hacker-Firma ergatterte Handydaten

Auf die Spur gekommen waren die Ermittler dem Mann bereits 2019. Im selben Jahr begannen die Beamten mit der Überwachung seiner Telefongespräche und regelmäßigen Observationen sowie der Abhörung seines Fahrzeuges. So konnten sie die verschiedenen Drogengeschäfte, die teilweise in der Wohnung des Angeklagten abliefen, feststellen.

Probleme bereitete den Beamten zunächst die Verschlüsselung des Handys des Geständigen. Dieser habe ein spezielles Gerät verwendet, das mit herkömmlichen Methoden weder von Behörden überwacht noch bei Beschlagnahmung ausgelesen werden könne, so der ermittelnde Kriminaloberkommissar.

Einer französischen Firma sei es aber schließlich gelungen, die Herstellerfirma des Gerätes zu hacken und zahlreiche Daten mitzuschneiden. Diese habe die Firma anschließend an betroffene Länder übermittelt, so auch an die Landeskriminalämter in Deutschland. Hier konnte man nun den Verurteilten über Standortdaten, Chatverläufe und Fotos identifizieren. In den Chats selbst sei "relativ offen" über die Drogengeschäfte gesprochen worden.

Als Zuschauer im Verhandlungssaal anwesend waren auch der Vater und der Bruder des Verurteilten. "Es ist mir unangenehm, dass sie mich als schwarzes Schaf der Familie hier so sehen müssen, bin aber stolz dass sie hinter mir stehen", so der Mann. Auch seine Lebensgefährtin halte zum ihm. Zu seinen Töchtern habe er mittlerweile wieder Kontakt über Videochats. Nach seiner Haftstrafe werde er wahrscheinlich seinen alten Job als Bauhelfer wieder aufnehmen können. Die Fragen der Staatsanwaltschaft, ob er noch Schulden in Verbindung mit seinem Drogenkonsum habe oder ob die Gefahr bestehe, dass er wieder rückfällig werde, verneinte er.

Verwendete Quellen:
  • Anwesenheit bei der Verhandlung

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