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Köln – Fahrer klagt: "Die Zustände bei der KVB sind nicht mehr haltbar"


Fahrer klagt über Arbeitsbedingungen
"Die Zustände bei der KVB sind nicht mehr haltbar"


21.07.2022Lesedauer: 3 Min.
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Ein Busfahrer fährt einen der neuen Elektrobusse der Kölner Verkehrsbetriebe (Archivbild): "Die Busfahrer sitzen direkt an der Front", sagt KVB-Fahrer Michael Schmidt.Vergrößern des Bildes
Ein Busfahrer fährt einen der neuen Elektrobusse der Kölner Verkehrs-Betriebe (Archivbild): "Die Busfahrer sitzen direkt an der Front", sagt KVB-Fahrer Michael Schmidt. (Quelle: Bonnfilm/imago-images-bilder)

Die KVB stellt Buslinien ein. Der offizielle Grund: ein hoher Krankenstand aufgrund von Corona. Von wegen, meint KVB-Fahrer Michael Schmidt.

Als er vor 13 Jahren anfing, bei der KVB zu arbeiten, war Michael Schmidt (Name geändert, Anm. d. Red.) voller Tatendrang. "Früher, da waren die Leute stolz darauf, bei der KVB arbeiten zu dürfen. Das ist vorbei", sagt der langjährige Straßenbahnfahrer.

Heute sei die Motivation der Fahrer auf dem Nullpunkt, die Arbeitsbelastung werde immer größer. "Ich fahre gern Straßenbahn, aber die Zustände bei der KVB sind mittlerweile nicht mehr haltbar."

Auslöser für Schmidts Wut war ein "Express"-Artikel: Demzufolge sei ein hoher Krankenstand aufgrund von Corona der Grund für den Ausfall mehrerer Buslinien im Stadtgebiet. Davon betroffen sind die Linien 171,172,173 und 179. Inzwischen berichtete auch der "Kölner Stadt-Anzeiger" (KStA).

KVB in Köln: Krankenstand "deutlich erhöht"

"Ich habe mit einigen Kollegen gesprochen und sie gefragt: Was haltet ihr denn von der Aussage, dass Corona uns dahinrafft? Da haben die alle angefangen zu lachen", erzählt Schmidt. Tatsächlich sei der Krankenstand bei der KVB deutlich erhöht, teilt Unternehmenssprecherin Gudrun Meyer auf Anfrage von t-online mit.

Das sei aber auch schon vor Corona der Fall gewesen, kontert Schmidt. "Wir hatten schon einen Krankenstand von zwölf Prozent, und da sind nicht so viele Linien ausgefallen wie jetzt."

Vergleichszahlen zu den Vorjahren möchte die KVB auf Anfrage von t-online nicht nennen. Fahrer Michael Schmidt führt die Ausfälle auf die hohe Arbeitsbelastung unter den Kollegen zurück, etwa aufgrund von langfristigem Personalmangel.

Sparzwang macht KVB zunehmend unattraktiv

Der scheint der KVB tatsächlich zu schaffen zu machen. Auszubildende zu finden, sei auch während Corona kein Problem gewesen, sagt Meyer, zumal die KVB auch Berufseinsteigern ein unbefristetes Arbeitsverhältnis bietet. Fertig ausgebildete Busfahrer, die bereits einen Führerschein der Klasse D hätten, seien auf dem Arbeitsmarkt dagegen hart umkämpft und schwieriger zu gewinnen.

In Städten wie Düsseldorf, Berlin oder in Süddeutschland seien die Arbeitsbedingungen attraktiver, berichtet Schmidt. "Wir haben bei der KVB drei verschiedene Tarifverträge. Wenn wir auf derselben Gehaltsstufe sind, habe ich ungefähr drei- bis vierhundert Euro mehr netto als Fahrer, die nach mir angefangen haben." Das führe er allerdings nicht auf die KVB, sondern den auferlegten Sparzwang durch die Stadt zurück.

"Aus meiner Sicht hat in erster Linie die Stadt Köln Schuld an der aktuellen Situation", sagt er. "Um zu sparen, werden Fahrzeiten gekürzt, es werden Pausenzeiten gekürzt, der Stress für das Fahrpersonal wird immens groß. So kann man auf Dauer kein funktionierendes Verkehrsunternehmen führen."

Arbeitsbedingungen verschlechtern sich rapide

2021 verzeichnete die KVB bei neu eingestellten Fahrern eine Absprungquote von elf Prozent. So seien von 90 neu eingestellten Straßenbahnfahrern heute lediglich noch 76 bei den KVB beschäftigt, berichtet Meyer. Bei den Busfahrern lag die Absprungquote bei fünf Prozent.

Zusätzlich zu Personalmangel und Arbeitszeitverdichtung machen auch Übergriffe durch Fahrgäste und ein arbeitnehmerunfreundliches Schichtsystem den Job zunehmend unattraktiv, berichtet Schmid.

Nachtschichten seien nicht das Problem, meint er. Tatsächlich seien die Früh- und Nachtschichten unter den Fahrern am begehrtesten. Weit schwieriger sei, dass Urlaub in Ferienzeiten kaum noch bewilligt werde, die Fahrer teilweise nur zehn Stunden Pause zwischen zwei Schichten hätten. Wendezeiten, in denen die Fahrer etwa die Gelegenheit haben, auf die Toilette zu gehen, seien verkürzt worden.

Fahrer haben kaum noch Zeit für die Familie

Freie Tage rollieren jede Woche, zusätzlich seien einige Samstage als freie Tage gestrichen worden. "Wenn ich diese Woche Montag und Dienstag frei habe, habe ich nächste Woche Dienstag und Mittwoch frei und so weiter", erklärt Schmidt.

Das sei insbesondere für Kollegen mit Familie problematisch. "Wir haben ja nicht nur die alten Böcke hier, die erwachsene Kinder haben, sondern auch noch die jungen Leute, die kleine Kinder haben. Wenn die Samstage als freie Tage gestrichen werden, wann sollen die mit ihren Kindern was unternehmen?"

Aufseiten der KVB sei man für das Thema sensibilisiert, wolle Beruf und Familie für die Angestellten besser vereinbar machen. "Wir kooperieren mit dem pme Familienservice, um eine Kinderbetreuung in Notfällen und in den Ferien zu gewährleisten", sagt KVB-Sprecherin Meyer. "Darüber hinaus bieten wir unseren Mitarbeitenden ab nächstem Jahr Kita-Plätze in einer Kölner Elterninitiative an."

"Ein Verkehrsunternehmen zu führen, kostet"

Ob die verbesserte Kinderbetreuung allein die Nachteile des rollierenden Schichtsystems ausgleichen wird, bleibt fraglich. KVB-Fahrer Schmidt ist sich sicher: Nur mit einem Ende des Sparzwangs werde sich auch die Situation der Fahrer verbessern.

"Ein funktionierendes Verkehrsunternehmen zu führen, kostet. Gerade jetzt, wo wir alle von der Verkehrswende reden, muss man auch das nötige Geld zur Verfügung stellen", sagt er. "Ohne das geht alles vor die Hunde."

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit KVB-Fahrer Michael Schmidt (Name geändert, Anm. d. Red.)
  • Anfrage bei den Kölner Verkehrs-Betrieben (KVB)
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