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Köln und der chaotische Karnevalsauftakt: Wir müssen reden! | Kommentar


Köln, wir müssen reden!

Von Laura Schameitat, Köln

Aktualisiert am 14.11.2022Lesedauer: 3 Min.
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Zahlreiche Menschen versammelten sich in Köln: Zum Karnevalsauftakt gab es hier chaotische Szenen. (Quelle: t-online)
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Die chaotischen Szenen waren vorhersehbar. Die Polizei war überfordert, es kam zu gefährlichen Situationen. Es muss endlich eine ordentliche Planung her.

Von 11.11 Uhr bis 12.25 Uhr sind es "nach Adam Riese" gerade mal eine Stunde und 14 Minuten. So lange (oder eher: so kurz) dauerte es an diesem Elften im Elften, bis das Chaos in Köln Einzug hielt. Die Zülpicher Straße überfüllt, dann offiziell gesperrt, Polizeisperren wurden einfach überrannt. Ein t-online-Reporter vor Ort berichtete von weinenden Jecken, die angesichts der Enge in Panik gerieten und von Anwohnern, die in Anbetracht diverser Körperflüssigkeiten und schamlosen Drogenkonsums in ihren Hauseingängen die Contenance verloren.

Panik, Chaos, Wut? Für die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker war all das offenbar übertrieben. "Man mag das jetzt schön finden, wie hier gefeiert wird, oder nicht", bilanzierte sie bei einer spontan einberufenen Pressekonferenz am Nachmittag. Es sei doch letztlich so: Jeder feiere auf seine Art. "Wenn das so weitergeht heute und nichts Schlimmes passiert, bin ich letztlich zufrieden", ließ sie verlauten.

Je später der Abend, desto massiver die Gewalt

Schließlich hatten Ordnungsamt und Polizei die Lage nachmittags zwischenzeitlich wieder im Griff. Und am Heumarkt – dort, wo die ganze Nation dank TV-Übertragung hinschaut – lief alles so kitschig-friedlich-heimelig ab, wie der Karneval gerne wahrgenommen werden möchte. Hier ging das Sicherheitskonzept auf. Warum also lange über die lästige Meute im Kwartier Latäng reden? Die gehört halt irgendwie dazu, die feiert halt irgendwie "anders", aber die sind doch nicht der "echte Karneval".

Wer so argumentiert, verschließt die Augen vor der Realität und dem Zeitgeist. Denn dank sozialer Medien verbreiten sich die verstörenden Bilder von der Zülpicher Straße längst schneller als die schönen bunten Bildchen von der TV-Übertragung am Heumarkt. "Über dem Heumarkt lacht die Sonne und über Köln die ganze Welt" – oder zumindest ganz Deutschland.

Nachmittags konnte man zumindest noch von "Feierwütigen" sprechen, die im Studentenviertel die Sicherheitskräfte zurückdrängten. Abends waren es dann schon eher "Prügelwütige", die sich dort versammelten. Um 22 Uhr verzeichnete die Polizei eine Bilanz von 71 Anzeigen, davon ein Großteil wegen Körperverletzung, schwerer Körperverletzung oder Sexualdelikten. Über die Menge an Müll und Exkrementen ganz zu schweigen.

Warum kommt der 11.11. immer überraschend?

Als die Nachricht von der Zülpicher Straße auf dem Heumarkt ankam, ließ sich dann selbst das sonst so gefühlsduselige Festkomitee Kölner Karneval zu einem ungewohnt realistischen Kommentar hinreißen. Man müsse nun "wirklich mal über ein Alkoholverbot auf der Zülpicher Straße nachdenken", so Vorstandsmitglied Ralf Schlegelmilch gegenüber t-online.

Das Experiment "Alle durch einen Eingang" ist jedenfalls krachend gescheitert. Wie wäre es zum Beispiel mal mit frühzeitiger, vorausschauender Planung unter echter Einbeziehung der Wirte vor Ort? Die hatten das neue Sicherheitskonzept schließlich stark kritisiert. Da dies aber erst vor zwei Wochen vorgestellt wurde, war es für echte Nachbesserungen schon zu spät.

Und warum spricht man nicht einfach mal mit dem so ungeliebten jungen Publikum? Die Menschen, die an den Karnevalstagen die Zülpicher Straße besuchen, wurden in der ganzen Diskussion zwischen Stadt, Wirten und Anwohnern bisher ausgeklammert. In einem Gespräch mit der "Zielgruppe" könnte man zum Beispiel herausfinden, was es braucht, um die attraktive Alternativ-Veranstaltung zu schaffen, die in diesem Jahr nicht zustande kam.

Die wichtigste Lehre aus dem 11.11.2022 ist und bleibt also: Das Konzept muss so schnell wie möglich auf Wiedervorlage, und zwar nicht erst im Oktober 2023. Denn warum kommt der 11.11. eigentlich immer überraschend?

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Verwendete Quellen
  • Reporter vor Ort
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Von Tom Hoops
Henriette RekerKarnevalPolizei

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