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Corona treibt Lehrer ans Limit ÔÇô "Wir sind wirklich fertig"

Von Fabian Schmidt

Aktualisiert am 16.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Unterricht w├Ąhrend der Pandemie in einer Grundschule (Symbolbild): In einer K├Âlner Brennpunktschule kommen mehr als die H├Ąlfte der Sch├╝ler in die Notbetreuung.
Unterricht w├Ąhrend der Pandemie in einer Grundschule (Symbolbild): In einer K├Âlner Brennpunktschule kommen mehr als die H├Ąlfte der Sch├╝ler in die Notbetreuung. (Quelle: localpic/imago-images-bilder)
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Seit den Osterferien findet an den Schulen in NRW offiziell wieder Distanzunterricht statt. Doch gerade an Schulen in sozialen Brennpunkten hei├čt das nicht, dass die Sch├╝ler nun zu Hause sind. Ein K├Âlner Lehrer berichtet ├╝ber die schlechte Testsituation und Notbetreuung.

Seit der Woche nach den Osterferien gilt in ganz Nordrhein-Westfalen eine Testpflicht f├╝r Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler. Zweimal pro Woche m├╝ssen sie sich testen, wenn sie zur Schule kommen. Zwar hatte das Schulministerium kurz vor Ende der Ferien entschieden, angesichts steigender Infektionszahlen zun├Ąchst in den Distanzunterricht zur├╝ckzukehren ÔÇô doch an manch einer Schule bedeutet das nicht, dass nun die Sch├╝ler zu Hause bleiben. Denn: Eine Notbetreuung muss angeboten werden.

Ein Lehrer aus K├Âln erz├Ąhlt t-online, was das an der Grundschule bedeutet, an der er unterrichtet: Bis zu 60 Prozent aller Sch├╝ler seien dort f├╝r die Notbetreuung angemeldet. Der Mann, der anonym bleiben m├Âchte, arbeitet an einer Brennpunktschule im linksrheinischen Teil der Stadt. Distanzunterricht bedeutet f├╝r ihn und die anderen Lehrkr├Ąfte dort vor allem eines: mehr Arbeit. Denn schlie├člich muss neben der Betreuung der Kinder vor Ort auch der Unterricht f├╝r die Kinder zu Hause organisiert werden.

Die zwei Wochen vor den Osterferien hatten die weiterf├╝hrenden Schulen des Landes ge├Âffnet ÔÇô seit drei Wochen war zu diesem Zeitpunkt bereits an den Grundschulen Wechselunterricht geboten. F├╝r die ├ľffnung der weiterf├╝hrenden Schulen hatte das Schulministerium nach eigenen Angaben 3,3 Millionen Selbsttests an diese geschickt ÔÇô als "Einstieg in eine Teststrategie", wie es aus dem Ministerium hei├čt. F├╝r die Grundschulen gab es nichts. Auf die Einf├╝hrung der Testpflicht war man dort am Tag nach den Osterferien also noch weniger vorbereitet.

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Selbsttests f├╝r Grundsch├╝ler ungeeignet?

Wie geeignet die Selbsttests f├╝r alle Grundsch├╝ler ├╝berhaupt sind, ist fraglich, wenn es nach den Schilderungen des K├Âlner Lehrers geht: "Da gibt es Kinder, die mit den Testst├Ąbchen Star Wars spielen", berichtet er. Bei anderen sei das St├Ąbchen statt im daf├╝r vorgesehenen R├Âhrchen zuerst auf dem Tisch gelandet.

Auf die Frage, ob der Selbsttest f├╝r junge Grundschulkinder geeignet sei, hei├čt es aus dem Schulministerium, dass kein anderer Test in der erforderlichen Menge so schnell verf├╝gbar gewesen w├Ąre. Man werde aber "weiterhin darauf achten, dass die Testverfahren m├Âglichst noch alters- und kindgerechter durchgef├╝hrt werden k├Ânnten".

Der von der Stadt K├Âln angek├╝ndigte sogenannte Lolli-Test, der gerade f├╝r j├╝ngere Kinder das Testen einfacher machen und zudem sensitiver sein soll, kam nach den Osterferien noch nicht zum Einsatz ÔÇô auf Anfrage erkl├Ąrte eine Pressesprecherin der Stadt, dass dieser erst beim Wechselunterricht zum Einsatz komme. Da bei dem Test jeweils die Proben von den gleichen Sch├╝lern in einem Pool getestet w├╝rden, ergebe diese Testung bei wechselnden Sch├╝lergruppen in der Notbetreuung wenig Sinn.

Ein verwaistes Klassenzimmer im Lockdown (Symbolfoto): Seit Monaten schauen Eltern, Sch├╝ler und Lehrer besorgt auf die Situation.
Ein verwaistes Klassenzimmer im Lockdown (Symbolfoto): Seit Monaten schauen Eltern, Sch├╝ler und Lehrer besorgt auf die Situation. (Quelle: Political-Moments/imago-images-bilder)

Druck auf die Lehrer

Der K├Âlner Lehrer sieht Brennpunktschulen wie seine in der Pandemie besonders benachteiligt: In anderen Stadtteilen w├╝ssten die Kinder bei den Tests schon eher, was auf sie zukomme, da viele von ihnen schon einmal getestet oder von ihren Eltern aufgekl├Ąrt wurden. Unter seinen Sch├╝lern hingegen h├Ątten die meisten angegeben, noch nie auf das Coronavirus getestet worden zu sein ÔÇô darunter sogar Kinder, deren Eltern bereits positiv waren.

"Ich komme mir beruflich missbraucht vor", sagt er mit Blick auf seine Verantwortung f├╝r die ordnungsgem├Ą├če Ausf├╝hrung der Tests. Der Druck auf die Lehrkr├Ąfte sei in der Pandemie enorm gestiegen. "Wir sind wirklich fertig."

Doch die R├╝ckkehr in den Wechselunterricht sieht der Grundschullehrer auch nicht als L├Âsung: "Die Schulen erst bei einer Inzidenz von 200 schlie├čen: Ganz ehrlich, das ist ein Todesurteil." Die Leidtragenden seien letztendlich die Kinder. "Wenn ein Elternteil positiv ist und stirbt, ist das traumatisierend." Was es brauche, seien geschlossene Schulen mit einer Notbetreuung, wie sie es im vergangenen Jahr gegeben habe, als nur Kinder kommen durften, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten.

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Von Michael Hartke
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