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Kölnerin bangt um im Iran inhaftierte Mutter: "Die Isolationshaft hat Spuren hinterlassen"

"Das hat Spuren hinterlassen"  

Kölnerin saß 200 Tage in iranischer Isolationshaft

Von Florian Eßer

19.05.2021, 15:14 Uhr
Kölnerin bangt um im Iran inhaftierte Mutter: "Die Isolationshaft hat Spuren hinterlassen" . Ein Foto aus der Zeit vor ihrer Festnahme: Die Kölner Architektin Nahid Taghavi. (Quelle: Archivbild/Privatbestand Mariam Claren)

Ein Foto aus der Zeit vor ihrer Festnahme: Die Kölner Architektin Nahid Taghavi (l.) mit ihrer Tochter Mariam Claren. (Quelle: Archivbild/Privatbestand Mariam Claren)

Die 66-Jährige Kölnerin Nahid Taghavi wird im Iran weiterhin gefangen gehalten und wartet auf den Prozess. Zwischendurch war sie in Isolationshaft. t-online hat mit ihrer Tochter in Köln gesprochen.

Im Falle der im Iran inhaftierten Kölnerin Nahid Taghavi gibt es Neuigkeiten: Wie Mariam Claren, die Tochter der Inhaftierten, erklärt, wurde ihre Mutter nach 43 Tagen in Isolationshaft am vergangenen Sonntag zurück in den Frauentrakt des Evin-Gefängnisses verlegt. Taghavi war im Oktober des letzten Jahres in Teheran von der Iranischen Revolutionsgarde verhaftet worden, als sie in ihrem Heimatland Verwandte besuchte.

"Die positive Neuigkeit ist, dass meine Mutter nun wieder im Frauentrakt untergebracht ist", erklärt Tochter Mariam Claren, "sie hat aber nun insgesamt 200 Tage in Isolation verbracht und das hat Spuren hinterlassen."

So sei die Diabetikerin, die zudem unter Bluthochdruck leidet, körperlich sehr geschwächt und leide unter Schlafstörungen. Wie Claren weiter erzählt, hätten die Bedingungen in der Isolationshaft maßgeblich zur Verschlechterung ihres Zustandes beigetragen. So hätte sie in Isolation weder Zugang zu Medikamenten noch zu vitaminreicher Nahrung gehabt. Dass ihre Mutter nun wieder im Frauentrakt ist, wo bessere Bedingungen herrschen, freut Tochter Mariam Claren zwar, doch betont diese, dass die Situation "immer noch hochdramatisch" sei: "Eigentlich wäre es nun richtig, dass meine Mutter auf Kaution freigelassen wird, damit sie von Ärzten durchgecheckt werden kann", so Claren, "aber das wird nicht passieren."

Menschenunwürdige Bedingungen

Aufgrund des großen öffentlichen Drucks auf die iranische Regierung war Taghavi im März bereits schon einmal in den Frauentrakt verlegt worden. Nach nur 20 Tagen aber ging es für die 66-Jährige zurück in die Isolation. Das Perfide: Die Diabetikern hatte darum gebeten, einen Arzt aufsuchen zu dürfen, was ihr von der Gefängnisleitung auch erlaubt worden ist. Als sie dann aber von Mitgliedern der Revolutionsgarde abgeholt wurde, fuhren sie Taghavi nicht zum Arzt, sondern zurück in das Gefängnisabteil A2, das von der Revolutionsgarde selbst verwaltet wird.

Hier werden die Gefangenen unter menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten, dürfen etwa nur für 20 Minuten pro Tag an die frische Luft, wobei sie eine Augenbinde zu tragen haben, und müssen ohne Kopfkissen auf dem harten Boden ihrer Zellen schlafen.

Gerichtsverfahren startet am 13. Juni

Am 28. April hatte das Gerichtsverfahren gegen die 66-Jährige beginnen sollen, der die "Gefährdung der Staatssicherheit" vorgeworfen wird – was genau sich Nahid Taghavi aber hat zu Schulden kommen lassen, ist derzeit nicht bekannt: "Das kann alles oder nichts sein", so Claren, "für die Revolutionsgarden aber ist der Vorwurf eine Legitimation, keine Auskunft geben zu müssen."

Ihren Anwalt hat Taghavi das erste Mal am Tag des anberaumten Prozessbeginns gesehen. Also gleich vor Gericht, ohne die Möglichkeit, sich mit ihrem Rechtsbeistand auszutauschen. Auch hatte ihr Anwalt bis dahin noch keine Einsicht in die Prozessakten nehmen dürfen. Deswegen erwirkte er eine Verschiebung des Gerichtsverfahrens, das nun am 13. Juni vor dem Revolutionsgericht beginnen wird.

Hintergrund Revolutionsgericht: Das Gericht wurde am Ende der 70er-Jahre eingerichtet, nachdem der letzte persische Schah, Mohammad Reza Pahlavi, im Zuge der Islamischen Revolution aus dem Land vertrieben wurde. Seitdem werden vor dem Sondergericht Prozesse gegen jene geführt, die im Verdacht stehen, die iranische Regierung stürzen zu wollen.

Ein solcher Verdacht kann schnell entstehen, wie Mariam Claren erzählt. Ein anderer Gefangener sei inhaftiert worden, weil er auf einem Foto bei Facebook mit einem israelischen Bier in der Hand zu sehen war. Für die Revolutionsgarde Grund genug, den Mann der Zusammenarbeit mit dem israelischen Geheimdienst Mossad zu bezichtigen.

"Wir versuchen, positiv zu bleiben"

Was ihre Mutter angeht, hofft Claren nun, dass sie die Möglichkeit bekommt, sich mit ihrem Anwalt auszutauschen. Denn auch wenn mit einem fairen Prozess gegen Nahid Taghavi nicht zu rechnen ist, will ihre Familie, "dass sie so gut wie möglich verteidigt wird und mit Würde durch diesen Prozess gehen kann."

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Mariam Claren

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