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Hochwasser in NRW: Schaulustige und Diebe erschweren Aufräumarbeiten

Unkoordinierter Andrang  

Schaulustige und Diebe erschweren Arbeiten in Krisengebieten

Von Florian Eßer

21.07.2021, 18:47 Uhr
Hochwasser in NRW: Schaulustige und Diebe erschweren Aufräumarbeiten. Aufräumarbeiten nach der Flutkatastrophe: Von unkoordinierten Hilfsaktionen rät die Polizei ab. (Quelle: imago images/Hannes P. Albert)

Aufräumarbeiten nach der Flutkatastrophe: Von unkoordinierten Hilfsaktionen rät die Polizei ab. (Quelle: Hannes P. Albert/imago images)

Schaulustige erschweren die Arbeit  in den vom Hochwasser verwüsteten Regionen – und manchmal auch jene, die nur helfen wollen. Die Polizei rät daher von unkoordinierten Hilfsaktionen ab.

Noch immer sind die Aufräumarbeiten in den Krisengebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im vollen Gange. Menschen aus ganz Deutschland zeigen sich mit den Betroffenen der Flutkatastrophe solidarisch und wollen helfend zur Tat schreiten. Viele fahren selbst in die verwüsteten Regionen, um vor Ort mit an zu packen, Schlamm zu schaufeln und bei der Bergung von Hab und Gut zu helfen. Ein lobenswerter Zusammenhalt, der aber auch manchmal die Arbeit der Einsatzkräfte erschwere.

Hilfe soll mit Krisenstäben abgesprochen werden

"Wir lehnen es natürlich nicht ab, dass sich die Menschen gegenseitig unterstützen, im Gegenteil", sagt Max Wilmes, Sprecher der Polizei Köln: "Was wir in den letzten Tagen an Solidarität sehen, ist herzerwärmend." Allerdings sei es wichtig, dass die freiwilligen Helfer nicht auf eigene Faust in die vom Hochwasser getroffenen Gebiete fahren, sondern sich mit den jeweiligen Krisenstäben besprechen: "Es ist unsere Bitte, mit den offiziellen Stellen abzuklären, wo Hilfe benötigt wird."

Leider kämen nicht alle Menschen dieser Bitte nach und behinderten teilweise die Arbeiten vor Ort. So würden die Helfer mit ihren Fahrzeugen teilweise die Zufahrtsstraßen blockieren, von denen derzeit ohnehin nicht viele passierbar sind: "Je mehr Menschen kommen, desto weniger Platz ist für schweres Gerät", erklärt Wilmes. "Außerdem werden Rettungswege verstellt, sodass die Einsatzkräfte nicht durchkommen."

Polizei Köln: "Bitte bringen sie sich nicht selbst in Gefahr"

Auch rät die Polizei davon ab, selbständig Gebäude zu betreten, um diese etwa von Schutt zu befreien. Es seien Fachleute und Spezialisten im Einsatz, um die Häuser auf ihre Statik zu überprüfen – vor dieser Kontrolle könne es lebensgefährlich sein, sich in womöglich einsturzgefährdeten Gebäuden aufzuhalten:

"Wir richten den wichtigen Appell an die Menschen, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen", erklärt Wilmes. Nicht nur stelle dies ein erhebliches Risiko für die Helfer selbst dar – wenn sich jemand bei den Aufräumarbeiten verletze, binde dies wiederum Rettungskräfte, die dadurch nicht mehr an anderer Stelle helfen könnten.

In den sozialen Medien werden aber auch zahlreiche Aufrufe veröffentlicht, die Forderungen der Einsatzkräfte zu ignorieren. In einer öffentlichen Facebook-Gruppe heißt es etwa: "Lasst euch nicht wegschicken, sucht einen anderen Weg" oder "Wir fahren trotzdem hin!"

Die Stadt Euskirchen hat eine Hotline für Hilfsangebote eingerichtet: Täglich von 8 bis 20 Uhr können Personen, die Hilfe leisten wollen diese in eine Datenbank aufnehmen lassen. Die Nummer lautet: 0151 22497634
Auch im Rhein-Sieg-Kries kann auf einer Homepage mittels eines Formulars Hilfe angeboten werden.

Der unkoordinierte Andrang sorge allerdings mitunter für Chaos, so Polizeisprecher Wilmes: "Manchmal merkt man es ja selber nicht – deswegen ist die Kommunikation mit den Krisenstäben so wichtig."

Schaulustige und Diebe erschweren die Arbeit zusätzlich

Ein weitaus größeres Problem aber seien sogenannte Katastrophentouristen, die nicht zum Helfen in die Krisenregionen kommen, sondern zur eigenen Unterhaltung. "Wir hatten Schaulustige vor Ort, die Motorrad- oder Autoausflüge in die Flutgebiete machen und Menschen fotografieren, die in den Trümmern zu retten versuchen, was sie noch besitzen", berichtet Wilmes.

Zudem kämen auch Kriminelle in die betroffenen Städte und Dörfer, um sich materiell an der Katastrophe zu bereichern – immer wieder kursieren Meldungen von Plünderungen durch das Internet. Wie der Sprecher der Polizei erklärt, würden sich einige dieser Meldungen bewahrheiten: "Wir haben inzwischen Tatverdächtige angetroffen und auch festgenommen. Teilweise werden verbarrikadierte Schaufenster aufgebrochen." Auch würden vermeintliche Schrotthändler durch die Straßen fahren und Habseligkeiten mitnehmen, die zum Trocknen an den Straßenrand gestellt werden. "Immer wieder erreichen uns Meldungen verdächtiger Fahrzeuge."

Mehrere Festnahmen nach Plünderungen

Am Dienstagabend stoppten Polizisten so etwa einen Kleintransporter in Swisttal-Odendorf und nahmen die beiden Insassen mit aufs Revier: Neben Schutt und Werkzeug hatten die beiden 25 und 28 Jahre alten Männer auch eine Schachtel Schmuck in ihrem Besitz, bei der es sich ersten Ermittlungen zufolge um Plünderungsgut handelt.

Auch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch stellten Einsatzkräfte einen Einbrecher in der Innenstadt von Euskirchen: Der 37-Jährige machte sich am Mobiliar und den Waren einer Buchhandlung zu schaffen, woraufhin ihn die Beamten gegen 0.30 Uhr festnahmen. Bereits zuvor soll er in ein angrenzendes Geschäft eingebrochen sein – in seinem Rucksack fanden die Polizisten laut Mitteilung diverses Diebesgut. Der Mann solle nun einem Haftrichter vorgeführt werden.

Verwendete Quellen:

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