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Köln: "Wir haben sehr viele Trans-Schüler bei uns"


Kölner Lehrer über LGBTQ: "Wir haben sehr viele Trans-Schüler"

Von Florian Eßer

Aktualisiert am 30.11.2021Lesedauer: 3 Min.
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Wolfgang Rachl: Der Lehrer am Richard-Riemerschmid-Berufskolleg setzt sich gegen Diskriminierung ein.Vergrößern des Bildes
Wolfgang Rachl: Der Lehrer am Richard-Riemerschmid-Berufskolleg setzt sich gegen Diskriminierung ein. (Quelle: Kölnische Rundschau/Thomas Banneyer)

Wolfgang Rachl ist Lehrer an einem Berufskolleg in der Kölner Südstadt. An seiner Schule hat er ein "Safe Space" geschaffen – und will damit gegen Diskriminierung kämpfen.

Seit 2013 ist das Richard-Riemerschmid-Berufskolleg im Rahmen der Kampagne "Schule für Vielfalt" aktiv, die sich gegen Homophobie und andere Arten der Diskriminierung einsetzt. So nimmt die Schule unter anderem am "Run of Colour" der Kölner Aidshilfe teil und bemüht sich darum, dass sich im Schulklima alle Menschen, gleich ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Orientierung, wohl und sicher fühlen können.

Lehrer Wolfgang Rachl leitet das Projekt seit 2017. Im Interview erzählt er von den Anfängen des Projektes und davon, wie es sich im Laufe der Zeit auf das Schulklima ausgewirkt hat.

Herr Rachl, wie ist das Projekt zustande gekommen?

Wolfgang Rachl: Die Beteiligung ist aus einer Initiative der Schülervertretung heraus entstanden, weil es den Schülerinnen und Schülern ein Bedürfnis war, sich dahingehend zu engagieren und als Schule daran teilzunehmen. Wir sind das erste Berufskolleg in Nordrhein-Westfalen gewesen, das bei diesem Projekt mitmacht. Vorher hatte es sich auf andere Schulformen wie Real-, Gesamtschulen und Gymnasien begrenzt.

Als ich die Leitung des Projektes vor vier Jahren übernommen habe, war es mir wichtig, mich verstärkt um das Schulklima und die Atmosphäre zu kümmern. Daher wollte ich das Thema tiefer in den Schulalltag integrieren und Aktionen während des Unterrichts organisieren.

Worum geht es bei dem Projekt?

Jeder und jede soll sich an unserer Schule sicher fühlen und niemand soll ausgegrenzt werden. Die Schule ist der richtige Ort für solche Projekte, weil die Persönlichkeitsentwicklung und die sexuelle Orientierung in diesem Alter noch eine sehr große Rolle spielt.

Die Schülerinnen und Schüler kommen im Alter von 16 oder 17 Jahren zu uns und da sind solche Findungsprozesse noch nicht abgeschlossen. Daher ist es besonders in diesem Alter wichtig, einen Safe Space zu schaffen, in dem man so angenommen wird, wie man eben ist.

Das ist genau das, was ich und das Kollegium mit diesem Projekt fördern wollen. Es dreht sich also darum, dem Thema im Schulgebäude, aber auch im Alltag und im außerschulischen Leben eine Omnipräsenz zu verleihen. Mittlerweile sind auch die Kolleginnen und Kollegen für diese Dinge sensibilisiert, sodass sie angemessen mit solchen Problemen und Themen umgehen können. Das funktioniert ziemlich gut. Auch unsere Schulleiterin unterstützt das Projekt auf ganzer Linie.

Wie wirkt sich das Projekt auf den Schulalltag aus?

Ich habe das Gefühl, dass das Thema im Alltag sehr viel präsenter geworden ist. Auf die Schülerinnen und Schüler wirkt es sich insofern aus, dass die einen es einfach mehr wahrnehmen und andere sich bestätigt und wohler fühlen – und genau das ist das Ziel.

Man glaubt gar nicht, wie viele Schülerinnen und Schüler sich noch im jungen Erwachsenenalter hinsichtlich ihres Geschlechtes und ihrer sexuellen Präferenz orientieren.

Wir haben zum Beispiel sehr viele Trans-Schüler bei uns oder welche, die sich geschlechtlich nicht festlegen. Mittlerweile gibt es viel mehr junge Erwachsene bei uns, die sich trauen zu sagen: Ich möchte nicht Leonie genannt werden, sondern Leon. Und das tragen wir dann auch so ins Klassenbuch ein.

Wie fühlt es sich an, für den Einsatz gewürdigt zu werden?

So eine Würdigung wie der Ehrenamtspreis "Köln Engagiert" bestätigt natürlich, dass das Engagement der Schüler auch von außen gesehen wird. Und das motiviert sie noch einmal total. Wir haben das zum Beispiel bei den Anmeldezahlen für den diesjährigen "Run of Colour" der Kölner Aidshilfe gesehen, an dem nun noch mehr Schülerinnen und Schüler teilnehmen wollten. Und das ist schön zu sehen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Projektes?

Ich wünsche mir im Grunde, dass das Projekt weiterhin so gut läuft. Es ist immer noch wichtig, dass das Thema weiter in den Unterricht etabliert wird, weil es eigentlich alle Schülerinnen und Schüler betrifft.

Daher liegt es mir am Herzen, dass sich die gesamte Schulgemeinschaft auch damit identifizieren kann. Viele von ihnen wurden im Laufe des Projektes offener.

Wie jede andere Schule auch haben wir ein sehr heterogenes und vielfältiges Publikum, bei uns ist es aber vielleicht noch etwas bunter, weil wir einen gestalterischen Schwerpunkt haben. Da gibt es schon viele bunte Vögel, die bei uns so angenommen werden, wie sie sind, ohne sie moralisch zu hinterfragen.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Wolfgang Rachl
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