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Umstrittene Moderatorin schie├čt gegen "Bild"-Zeitung

Von t-online, MaM

Aktualisiert am 02.11.2021Lesedauer: 4 Min.
Nemi El-Hassan: Sie sollte die WDR-Sendung "Quarks" moderieren, doch der Sender k├╝ndigte ihr.
Nemi El-Hassan: Sie sollte die WDR-Sendung "Quarks" moderieren, doch der Sender k├╝ndigte ihr. (Quelle: Fabrizio Bensch/Reuters-bilder)
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Die Journalistin Nemi El-Hassan ├Ąu├čert sich zu den gegen sie erhobenen Antisemitismusvorw├╝rfen. Sie sieht sich als Opfer einer Kampagne ÔÇô und greift auch den WDR an.

Die Journalistin Nemi El-Hassan sollte eigentlich das neue Gesicht der WDR-Fernsehsendung "Quarks" werden. Doch daraus wird zumindest vorerst nichts. Nach Antisemitismusvorw├╝rfen, vorgebracht unter anderem von der "Bild"-Zeitung, entschied sich der Fernsehsender vorl├Ąufig gegen El-Hassan als neue Moderatorin, noch bevor sie die Stelle antreten konnte. Nun ├Ąu├čert sie sich in einem Beitrag der "Berliner Zeitung" zu den Geschehnissen.

Die Journalistin schildert in ihrem Text, sie habe in den vergangenen Wochen Gef├╝hle von "Panik" und Hilflosigkeit erlebt, die ihr "die Luft zum Atmen" genommen h├Ątten. Es sei ein "in seiner Absolutheit brutaler Kontrollverlust", schreibt El-Hassan, "wenn die Bild-Zeitung es sich zur Aufgabe gemacht hat, dich in aller ├ľffentlichkeit zu demontieren".

Informationen "mutwillig verschwiegen"

Die "Bild" hatte im September einen Beitrag mit dem Titel "Islamismus-Skandal beim WDR" ver├Âffentlicht, in dem Fotos von El-Hassan bei einer El-Kuds-Demonstration zu sehen waren. F├╝r die Teilnahme an dieser Demonstration, bei der in der Vergangenheit immer wieder antisemitische Parolen gerufen wurden, hatte El-Hassan um Entschuldigung gebeten.

"Die Fotos verkn├╝pfte das Blatt mit aus dem Kontext gerissenen Videoschnipseln eines Wortbeitrags von mir, den ich vor Jahren im Auftrag der Bundeszentrale f├╝r politische Bildung aufgezeichnet hatte", schreibt El-Hassan nun weiter. Bei dem Beitrag, in dem sie den Begriff "Dschihad" erkl├Ąrte, habe es sich um einen "redaktionell abgenommenen Beitrag" gehandelt, "betreut durch eine der renommiertesten Islamwissenschaftlerinnen Deutschlands".

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Auch bez├╝glich eines weiteren Beitrags, woraufhin der WDR ihr die neue Stelle verweigerte, wirft El-Hassan der "Bild" vor, Informationen "mutwillig verschwiegen" und "unterschlagen" zu haben. Die Journalistin spricht davon, dass Antisemitismusvorw├╝rfe gezielt "im Kampf gegen Muslime" instrumentalisiert w├╝rden ÔÇô ein Vorgehen, dass, so El-Hassan, in rechten Kreisen ├╝blich sei. Die Kampagne gegen sie sei in rechten Foren von langer Hand vorbereitet worden.

Dort verfolge man das Ziel, m├Âglichst viele Menschen muslimischen Glaubens aus der ├ľffentlichkeit hinauszudr├Ąngen. Dabei gehe es den Rechtsextremen nat├╝rlich nicht um den Schutz j├╝dischen Lebens, vielmehr sei der Antisemitismus-Vorwurf nur Mittel zum Zweck.

Die Journalistin wirft der "Bild" vor, die Zeitung habe sie gezielt brechen wollen. "Es gibt eine Grenze zwischen kritischer journalistischer Arbeit und einer gezielten Kampagne zur Demontage einer Person. Diese Grenze wurde in meinem Fall ├╝berschritten", erkl├Ąrt El-Hassan.

El-Hassan: WDR hat zuk├╝nftigen Kampagnen "T├╝r und Tor" ge├Âffnet

Der WDR habe mit seinem Versuch, sich aus der Schusslinie zu bringen, indem er sich der "Bild" anschloss, zuk├╝nftigen Kampagnen "T├╝r und Tor ge├Âffnet", kritisiert El-Hassan weiter.

Auch sei der Diskurs dar├╝ber, wie sich Antisemitismus von israelkritischen Positionen abgrenzen lasse oder worin die deutsche Verantwortung gegen├╝ber Menschenrechtsverletzungen in Israel und Pal├Ąstina liege, in der Debatte "gezielt ignoriert" worden. "Die Reaktion des WDR zeigt exemplarisch, dass es schlecht steht um die vielfach ger├╝hmte Debattenkultur in diesem Land", kritisiert El-Hassan.

Es-Hassan will Schweigen ihrer Generation brechen

Die Journalistin erkl├Ąrt weiter, sie h├Ątte sich gew├╝nscht, anhand ihrer journalistischen Arbeit und beruflichen Qualifikationen beurteilt zu werden. Als ├ärztin und Journalistin habe sie sich in einem Auswahlverfahren durchgesetzt. Stattdessen sei sie in der ├ľffentlichkeit jedoch "qua Geburt zur Antisemitin" erkl├Ąrt worden.

"Ich bin und bleibe Pal├Ąstinenserin, ob das der deutschen ├ľffentlichkeit nun genehm ist oder nicht", hei├čt es in dem Gastbeitrag. Sie nehme f├╝r sich das Recht in Anspruch, die israelische Regierung zu kritisieren, schrieb El-Hassan.

Ihrer Generation mit pal├Ąstinensischen Wurzeln sei eingebl├Ąut worden zu Schweigen "wann immer es um Nahost geht", weil ihre Solidarit├Ąt mit den Menschen in Pal├Ąstina offensichtlich in Deutschland unerw├╝nscht sei. El-Hassan erkl├Ąrt, sie wolle das Schweigen brechen. "Ich bin nicht, wozu man mich machen will, und ich bin auch kein hilfloses Opfer. Ich habe eine Stimme. Und ich will f├╝r mich in Anspruch nehmen d├╝rfen, meine Sicht auf die Welt einzubringen, so wie alle anderen Menschen auch", schlie├čt die Journalistin.

WDR-Rundfunkrat diskutiert in K├Âln: Hat El-Hassan sich nun antisemitisch ge├Ąu├čert oder nicht?

Vergangene Woche hat der Rundfunkrat des WDR zum zweiten Mal ├╝ber den Antisemitismus-Vorwurf gegen El-Hassan diskutiert. "Es ist eine schwierige, schwierige Abw├Ągung", wiederholte Intendant Tom Buhrow am Freitag.

Einigkeit herrschte in der Diskussion nach wie vor dar├╝ber, dass Antisemitismus im WDR weder vor noch hinter der Kamera einen Platz haben d├╝rfe. Unterschiedlich bewertet wurde jedoch die Frage, ob die Meinungsbekundungen der Journalistin wirklich als antisemitisch eingestuft werden k├Ânnen.

J├╝rgen Bremer von der Deutschen Initiative f├╝r den Nahen Osten f├╝hrte aus, er habe zu dem Thema den ehemaligen israelischen Botschafter in Deutschland, Avi Primor, und den Historiker und Antisemitismusforscher Moshe Zimmermann befragt. "Sie kommen im Ergebnis zu dem Schluss: Man muss wirklich den Kontext beachten, in dem diese Posts von Frau El-Hassan gemacht worden sind", sagte Bremer. Die Posts, die ihr vorgehalten w├╝rden, seien auch von j├╝dischen Israelis geteilt worden.

Ganz anders ├Ąu├čerte sich Isabella Farkas, die f├╝r j├╝dische Gemeinden im Rundfunkrat sitzt. Sie verwies darauf, dass El-Hassan unter anderem einen Post ├╝ber den Ausbruch verurteilter Terroristen aus einem israelischen Gef├Ąngnis gelikt habe. "Ich war zu dem Zeitpunkt in Israel, das Land war in Schockstarre", berichtete sie. Mit Blick auf El-Hassan sagte sie: "Personen mit einer derartigen Gesinnung d├╝rfen in keinem Format des ├Âffentlich-rechtlichen Rundfunks einen Platz haben geschweige denn das Gesicht des WDR werden."

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