Köln

MEINUNGKarneval und Corona

Lasst uns echte, tolerante Kölsche sein

Von Peter Brings

10.11.2021, 16:06 Uhr

Peter Brings mit seiner Band beim Karnevalsauftakt 2019 (Archivbild): "Et kütt wie et kütt!" Oder? (Quelle: Future Image/imago images)

Karneval steht vor der Tür, für Kölschrocker Peter Brings die wichtigste aller Jahreszeiten – trotz Corona. Doch ob man feiern geht oder nicht, das sollte eine individuelle Entscheidung bleiben.

Morgens beim Brötchenholen, beim Gassigehen, beim Laubfegen vorm Haus ... Die Türe ist noch nicht ins Schloss gefallen, schon ist sie wieder da: die Frage der Fragen! Je näher der Elfte im Elften rückt, desto dringlicher ihr Klang: "Tach Herr Brings, wat is denn jetzt? Kütt der Karneval oder nit? Wat is mit Sessionseröffnung in der Altstadt, wat is mit Kneipen-Karneval ... is' der Papst überhaupt noch katholisch?"

Ich schwanke immer zwischen dem Willen, einen Vortrag zu halten, was da alles gehen könnte, wenn denn alle an einem Strang ziehen würden ... Aber ich belasse es dann doch beim kurzen "Et kütt wie et kütt!" Was genau kommt denn jetzt auf uns zu? Ich lese von Kneipen, ohne die der Karneval der letzten 20 Jahre gar nicht denkbar gewesen wäre, dass sie am 11.11 geschlossen bleiben. Straßen oder Kneipenkarneval ohne das Lapidarium?

Die Bedenken der Wirte und ihrer Teams sind voll verständlich. Andere wiederum sagen: "Wir feiern. Weniger Gäste in den Kneipen. Ob geimpft oder 3G-Plus, alle müssen sich testen lassen!" Ergibt auch Sinn. Also Tassen hoch im Gaffel am Dom.

Die Karnevalssession ist die beste Medizin gegen Winterdepressionen

Was uns als Band angeht: Wir werden spielen. Sind ja seit letztem Wochenende schon im Umland und in der Stadt unterwegs. Das traditionelle, große Zelt der Nippeser Naaksühle war ausverkauft, wie wir es nicht anders kennen. Selbst bei "Alaaf im Pott" in der Essener Grugahalle waren alle Plätze voll. Das war ganz klar Balsam für die kölsche Seele. Nicht weil wir Auftritte haben, sondern weil sich die Hoffnung verfestigt, dass es diesmal was wird mit der Session.

Session im Rheinland ist, was uns vom Rest der Republik unterscheidet. Da ist im Januar und Februar nämlich einfach nur Winter. Bei uns ist Fastelovend. Die beste Medizin gegen Winterdepressionen, die es überhaupt gibt.

Eines kristallisiert sich aber dieses Mal sehr deutlich heraus: Es ist eine sehr persönliche und zu 100 Prozent individuelle Entscheidung, ob man loszieht oder nicht. Feiern mit einem flauen Gefühl im Magen bringt nichts. Überreden ist da auch fehl am Platze. Das zeigen ja schon die nie endenden Dispute über Impfen oder Nicht-Impfen.

Warum dem Karneval eine Sonderstellung überziehen?

Also lasst uns echte, tolerante Kölsche sein. Der Karneval wird dieses Jahr kommen. Wir Kölsche werden versuchen, uns unsere DNA wieder einzupflanzen. Unter den Möglichkeiten, die die Pandemie uns lässt. Es wäre wirklich schade, wenn er in einer nicht enden wollenden Diskussion über Corona erstickt würde.

In allen Clubs der Stadt wird längst wieder getanzt und Party gemacht. Und jedes zweite Wochenende kommen 50.000 Leute im Stadion zusammen. Warum also dem Karneval eine Sonderstellung überziehen? Jeder Jeck muss das mit sich selbst ausmachen. "Denn mer sin all, all, all nor Minsche ..."

Euer Pitter

Verwendete Quellen:
  • Eigene Gedanken und Beobachtungen des Autors
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