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Was Massenaustritte f├╝r das K├Âlner Erzbistum bedeuten

Von Carlotta Cornelius

21.05.2022Lesedauer: 5 Min.
Die Turmspitzen des K├Âlner Doms: 2021 sind in Deutschlands mitgliederst├Ąrkstem Erzbistum so viele Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten, wie nie zuvor.
Die Turmspitzen des K├Âlner Doms: 2021 sind in Deutschlands mitgliederst├Ąrkstem Erzbistum so viele Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten, wie nie zuvor. (Quelle: Future Image/imago-images-bilder)
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2021 erreichte die Zahl der Kirchenaustritte im K├Âlner Erzbistum Rekordh├Âhe. Ein Trend, der nicht ohne Folgen bleibt.

Noch nie sind so viele Menschen aus der Kirche ausgetreten wie jetzt. Allein das Erzbistum K├Âln verzeichnete im vergangenen Jahr einen Verlust von 19.340 Kirchenangeh├Ârigen ÔÇô fast doppelt so viele wie im Rekordjahr 2019.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Bereits jetzt rechnet das Bistum damit, dass bis 2030 ein Viertel der Gl├Ąubigen aus der katholischen Kirche austreten wird. Das macht sich auch finanziell bemerkbar: schon 2022 mit einem gesch├Ątzten Jahresfehlbetrag von 27,5 Millionen Euro.

Doch was bedeutet das f├╝r die weit ├╝ber Tausend kirchlichen Tr├Ągereinrichtungen in K├Âln? In der evangelischen Kirchengemeinde in Zollstock f├╝hrte der Austrittstrend bereits zu einer Kitaschlie├čung ÔÇô und die Sorgen wachsen.

Erzbistum K├Âln: Seelsorge besonders betroffen

Solch ein Szenario k├Ânnte auch in katholischen Einrichtungen eintreten. "Die finanziellen Auswirkungen der Kirchenaustritte machen sich eher zeitverz├Âgert bemerkbar", sagt Monsignore (Msgr.) Markus Bosbach, Leiter der Hauptabteilung f├╝r die Entwicklung Pastoraler Einheiten im Erzbistum. Am gravierendsten tr├Ąfen die Ver├Ąnderungen den seelsorgerischen Bereich in den Gemeinden vor Ort. "Wir sp├╝ren insgesamt einen gro├čen Druck auf das System", sagt er.

Msgr. Markus Bosbach: "Die finanziellen Auswirkungen von Kirchenaustritten machen sich eher zeitverz├Âgert bemerkbar", sagt er.
Msgr. Markus Bosbach: "Die finanziellen Auswirkungen von Kirchenaustritten machen sich eher zeitverz├Âgert bemerkbar", sagt er. (Quelle: Erzbistum K├Âln)
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Was den Abbau von kirchlichen Einrichtungen angehe, k├Ânne er heute noch keine verl├Ąssliche Prognose machen. So soll das finanzielle Defizit in diesem Jahr noch durch R├╝cklagen ausgeglichen werden.

"Wir verteilen die zur Verf├╝gung stehenden Finanzmittel auf ganz verschiedene Bereiche kirchlichen Tuns", sagt Bosbach. "Bei zur├╝ckgehender Finanzkraft bedeutet das die Notwendigkeit einer Diskussion ├╝ber pastorale Schwerpunkte. Wenn wir etwa katholische Kitas im heutigen Umfang erhalten wollen, m├╝ssen wir anderswo das Engagement deutlich zur├╝ckfahren", erkl├Ąrt Bosbach.

Austrittstrend "Folge l├Ąngerer Entfremdung"

Die finanziellen Auswirkungen sind nicht der einzige Aspekt, der Bosbach Sorge bereitet. Schon jetzt m├╝ssen wegen eines Mangels an Personal und Priestern immer mehr Gemeinden zusammengelegt werden. Bis 2030, sch├Ątzt das Erzbistum, werde sich die Zahl von Priestern, Diakonen und Referenten von derzeit 1.000 beinahe halbieren.

Antragsformular zum Kirchenaustritt: 2021 traten besonders viele Menschen aus der Kirche aus.
Antragsformular zum Kirchenaustritt: 2021 traten besonders viele Menschen aus der Kirche aus. (Quelle: Fotostand/imago-images-bilder)

"Prognosen sehen den Zuwachs an Pastoralen Diensten bei rund acht Personen pro Jahr. Dies wird nicht ausreichend sein, um den R├╝ckgang auszugleichen", hei├čt es aufseiten des Erzbistums. Bereits jetzt gebe es nicht genug Pfarrer, um alle Seelsorgebereiche zu leiten, erkl├Ąrt Bosbach. Dass ein Pfarrer f├╝r mehrere Bereiche zust├Ąndig ist, ist g├Ąngige Praxis.

"Der Austrittstrend hat viele Gr├╝nde, ist aber oft die Folge l├Ąngerer Entfremdung", sagt er. Zuletzt hatte dies eine aktuelle Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (SIEKD) herausgestellt. Fehlt der Pfarrer, fehlt auch die kirchliche Ansprache und Teilhabe f├╝r die Gl├Ąubigen vor Ort, was zu weiterer Entfremdung und in der Folge zu weiteren Kirchenaustritten f├╝hrt.

Katholische Kirche: Die Ansprache ist nicht mehr da

Eine selbsterf├╝llende Prophezeiung, die auch Annemarie Hoffmann [Name ge├Ąndert, Anm. d. Red.] seit Jahren in ihrer Gemeinde bei K├Âln beobachtet. "Es k├╝mmert sich keiner mehr", sagt sie.

"Der Priester war immer der, der die F├Ąden in der Hand hatte und f├╝r die Seelsorge zust├Ąndig war." Heute springe der Dechant aus einer benachbarten Stadt lediglich ersatzweise ein. Eine L├Âsung, um den Posten langfristig zu besetzen, gebe es nicht.

Eine Seniorin sitzt allein in einer Kirche (Symbolbild): "Heute haben wir nicht mal mehr einen Priester", sagt Annemarie Hoffmann.
Eine Seniorin sitzt allein in einer Kirche (Symbolbild): "Heute haben wir nicht mal mehr einen Priester", sagt Annemarie Hoffmann. (Quelle: imagebroker/imago-images-bilder)

"Ich kann die Austritte sehr gut verstehen, wenn keine Ansprache mehr da ist", erkl├Ąrt Hoffmann. "Fr├╝her ging das viel ├╝ber die Kinder und Jugendlichen, etwa ├╝ber die kirchlichen Pfadfindergruppen. Heute haben wir nicht mal mehr einen Priester."

Kita in Porz: "Die kirchlichen Feiertage werden weiter gefeiert"

Hinzu k├Ąme, dass gerade junge Leute h├Ąufiger umz├Âgen. "Ich habe eine Heimatgemeinde und wohne seit 50 Jahren hier. Mir ist alles vertraut", erz├Ąhlt Hoffmann, die ├╝ber ihr Ehrenamt stark in die Gemeinde eingebunden ist. "Wenn ich jetzt umziehen w├╝rde, w├╝sste ich nicht, ob ich in der neuen Gemeinde Kontakt finden w├╝rde."

In der katholischen Kita in Porz, in der Maike Breuer (19) einen Teil ihrer Ausbildung zur Erzieherin gemacht hat, sei das weniger ein Problem, berichtet sie. "Bei uns m├╝ssen die Kinder nicht Mitglied in der katholischen Kirche sein, aber die kirchlichen Feiertage wie Ostern oder Weihnachten werden weiterhin ganz normal gefeiert."

Maike Breuer (19) l├Ąsst sich in K├Âln zur Erzieherin ausbilden: "Es passieren sehr viele Dinge, wo man sich fragen muss, ob man da wirklich hintersteht."
Maike Breuer (19) l├Ąsst sich in K├Âln zur Erzieherin ausbilden: "Es passieren sehr viele Dinge, wo man sich fragen muss, ob man da wirklich hintersteht." (Quelle: Privat/T-Online-bilder)

Manchmal nehme die Kita auch an dem monatlichen Kindergottesdienst in der benachbarten Kirche teil, einige Kinder helfen bei der Gottesdienstvorbereitung. "Die Kinder wissen noch nicht so viel, um sich kritisch mit dem Thema Kirche auseinanderzusetzen", sagt Breuer. In ihrer Generation sp├╝re sie die Auswirkungen der Skandale dagegen deutlich. "Es passieren sehr viele Dinge, wo man sich fragen muss, ob man da wirklich hintersteht."

Verwaltungsreform soll Ressourcen einsparen

Dass sich immer mehr Erwachsene von der katholischen Kirche entfremdet f├╝hlen, macht sich bislang vor allem auf personeller Ebene bemerkbar. Das Erzbistum will dieser und k├╝nftigen finanziellen Auswirkungen von Kirchenaustritten und demografischem Wandel begegnen. Neben einem wirtschaftlichen Rahmenplan hat es auch eine umfassende Verwaltungsreform auf den Weg gebracht.

Unter dem Titel #ZusammenFinden sollen bis Ende 2022 die 178 Seelsorgebereiche im Erzbistum zu 60 Pastoralen Verwaltungseinheiten zusammengef├╝hrt werden. Bereits jetzt sind mehrere Gemeinden zu je einem Seelsorgebereich zusammengefasst.

Karnevalsgottesdienst im K├Âlner Dom (Archivbild): "Wir wollen den Orten erm├Âglichen, auch weiter Gemeinde zu sein", sagt Msgr. Markus Bosbach.
Karnevalsgottesdienst im K├Âlner Dom (Archivbild): "Wir wollen den Orten erm├Âglichen, auch weiter Gemeinde zu sein", sagt Msgr. Markus Bosbach. (Quelle: NurPhoto/imago-images-bilder)

"Wir stellen schon seit vielen Jahren einen R├╝ckgang der kirchlichen Aktivit├Ąt fest. Nicht erst seit der j├╝ngeren Krise, die das sicherlich noch einmal verst├Ąrkt hat. Und nat├╝rlich stellen wir auch einen R├╝ckgang der Finanzkraft fest", sagt Bosbach. "Wir brauchen einen anderen Bezugsraum, in dem die Gemeinden gemeinsam in die Zukunft gehen, ihre Ressourcen planen und dann auch einsetzen k├Ânnen."

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Gemeinden sollen von unten nach oben organisiert werden

Auf ein zentralistisches System mit je einer gro├čen Gemeinde solle es jedoch nicht hinauslaufen, das Leben in den Gemeinden auch zuk├╝nftig erhalten bleiben.

"Wir wollen den Orten erm├Âglichen, auch weiter Gemeinde zu sein, wo die Menschen miteinander ihren Glauben leben und feiern", erkl├Ąrt Bosbach. "Wenn es in einem Kirchenort keine Vitalit├Ąt mehr gibt, braucht man da aber auch keine k├╝nstliche Energie mehr reinzupumpen."

Besprechung in einem Ordensstift: Bislang ist das K├Âlner Erzbistum von oben nach unten organisiert. Msgr. Markus Bosbach will das ├Ąndern.
Besprechung in einem Ordensstift: Bislang ist das K├Âlner Erzbistum von oben nach unten organisiert. Msgr. Markus Bosbach will das ├Ąndern. (Quelle: Michael Westermann/imago-images-bilder)

Eigenst├Ąndigkeit ist das Stichwort. Anstatt einer Verwaltung von oben will Bosbach die Gemeinden von unten herauf organisieren. Ideen, wie das aussehen k├Ânne, gebe es bereits. So sei anstelle einer hauptamtlichen Leitung auch ein Team von verantwortlichen Ehrenamtlichen denkbar, erkl├Ąrt er. "Aber das geht nur da, wo es auch Ehrenamtler gibt. Menschen, die f├╝r einen Ort brennen", so Bosbach.

K├Âlner Erzbistum: Die Krippe als Baustelle

Auch wenn die Pl├Ąne noch nicht vollst├Ąndig ausgearbeitet sind, setzt Annemarie Hoffmann gro├če Hoffnungen auf das Projekt. "Die Verwaltungsleitungen haben wirklich viel zu tun", sagt sie, das Pfarrb├╝ro und die Ehrenamtler seien ├╝berfordert. "Nat├╝rlich muss sich die Kirche damit auseinandersetzen und die Zeit gebe ich ihr, solange sie nichts kaputt macht."

Das Handtuch schmei├čen wollen Hoffmann und die anderen Ehrenamtlichen in ihrer Gemeinde noch nicht, doch die Freude an der Arbeit lasse nach. So hat sich Hoffmann f├╝r den Aufbau der Krippe im vergangenen Jahr etwas Besonderes ├╝berlegt: Den Stall inszenierte sie als Baustelle, das Christuskind schlief in einer Schublade. Ein Sinnbild, in dem sich das Erzbistum dieser Tage wiederfindet.

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