Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextSchröder verzichtet auf Gazprom-PostenSymbolbild fĂŒr einen TextUngarn ruft Notstand ausSymbolbild fĂŒr einen TextSchlaganfall? Meghans Vater in KlinikSymbolbild fĂŒr einen TextAttentatsplan gegen George W. BushSymbolbild fĂŒr einen TextRockstar muss in TherapieSymbolbild fĂŒr einen TextLauterbach will Einreiseregeln lockernSymbolbild fĂŒr einen TextSperrungen fĂŒr Urlauber zum G7-GipfelSymbolbild fĂŒr einen TextUnter TrĂ€nen: Tennisstar beendet KarriereSymbolbild fĂŒr einen TextNĂ€chster DĂ€mpfer fĂŒr Flughafen BERSymbolbild fĂŒr einen TextAmira Pochers BrĂŒste nach Show kleinerSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserHummels' Partnerin provoziert mit Liebes-GestĂ€ndnis

Was ĂŒber den Neonazi-AnfĂŒhrer Leon R. bekannt ist

Von Andreas Raabe

Aktualisiert am 06.04.2022Lesedauer: 5 Min.
Laut der Recherchegruppe Exif zeigt das Bild zwei der Festgenommenen im Eisenacher "Flieder Volkshaus": Leon R. (m.) und Bastian A. (mit Hitlergruß).
Laut der Recherchegruppe Exif zeigt das Bild zwei der Festgenommenen im Eisenacher "Flieder Volkshaus": Leon R. (m.) und Bastian A. (mit Hitlergruß). (Quelle: Exif-Recherche)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Am frĂŒhen Morgen stĂŒrmten schwerbewaffnete Polizisten bundesweit Schlupfwinkel militanter Neonazis. Mehrere MĂ€nner wurden festgenommen, Leon R. soll ihr AnfĂŒhrer sein. Wer ist dieser Mann?

Bei der bundesweiten Razzia gegen Neonazi-Netzwerke sticht ein Name besonders hervor: Leon R. aus Eisenach. Der 24-JĂ€hrige soll RĂ€delsfĂŒhrer der rechtsextremen Kampfsportgruppe Knockout 51 sowie AnhĂ€nger der US-amerikanischen Neonazi-Terrorgruppe "Atomwaffen Division" sein und wird der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verdĂ€chtigt.

R. gilt schon seit Jahren als eine zentrale Figur der thĂŒringischen Neonazi-Szene. Der Kampfsportler ist Wirt in der Kneipe Bull’s Eye in Eisenach, die als Treffpunkt von Rechtsextremen bekannt ist. TatsĂ€chlich wurde das Bull’s Eye bei der großangelegten Razzia am Mittwoch durchsucht. Ein weiterer wichtiger Ort der Eisenacher Neonazi-Szene ist das "Flieder Volkshaus", Sitz der örtlichen NPD. Auch hier eine Durchsuchung.

Im "Volkshaus" entstand laut der Recherchegruppe "Exif" im Januar dieses Jahres ein Foto, das R. im Kreise seiner Kameraden vor einer Hakenkreuzfahne posierend zeigt. Neben R. soll ein zweiter, am Mittwoch Festgenommener stehen: Bastian A. – er hebt die Hand zum Hitlergruß.

"Es geht ihnen darum, den Körper zur Waffe zu machen"

Leon R. sei AnfĂŒhrer der von Eisenach aus agierenden Kampfsportgruppe Knockout 51, wirft die Bundesanwaltschaft ihm nun vor. Die Zahl 51 steht dabei fĂŒr das Autokennzeichen von Eisenach: EA. Und Knockout fĂŒr das, was die MĂ€nner sich auf die Fahnen geschrieben haben: Menschen, die ihnen nicht gefallen, Gewalt anzutun.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Angreifer erschießt 19 Kinder an Grundschule in Texas
Polizisten an der Grundschule von Uvalde: Nach SchĂŒssen sind in dem Ort mindestens zwei Menschen gestorben.


SpĂ€testens seit MĂ€rz 2020 sei die Vereinigung laut Bundesanwaltschaft auf die Begehung von erheblichen Straftaten ausgerichtet. Hierzu wĂŒrden vor allem Körperverletzungsdelikte gehören, die vor allem gegen Angehörige aus dem politisch linken Spektrum begangen wĂŒrden, aber auch gegen die Polizei und alle, die nach der rechtsextrem und rassistisch geprĂ€gten Weltsicht der Gruppierung bekĂ€mpft werden dĂŒrfen.

"Es geht ihnen darum, den Körper zur Waffe zu machen", sagt der Extremismusexperte Axel Salheiser, der als Wissenschaftler an der Uni Jena seit vielen Jahren zu rechtsextremen Strukturen forscht. Er spricht von einer "aggressiven und gewalttĂ€tigen Raumnahme vor Ort in Eisenach" durch die Gruppe um Leon R. – und das seit Jahren.

Junge MĂ€nner, ausgebildet zum Straßenkampf

Zusammen mit Leon R und Bastian A. wurden am Mittwoch zwei weitere MĂ€nner festgenommen: Maximilian A. und Eric K. Sie alle sollen FĂŒhrungspositionen in der Vereinigung besetzen, wirft ihnen die Bundesanwaltschaft vor.

Bei der Gruppierung handele es sich um eine rechtsextremistische Kampfsportgruppe, die unter dem Deckmantel des gemeinsamen körperlichen Trainings junge, nationalistisch gesinnte MĂ€nner anlocke, diese bewusst mit rechtsextremem Gedankengut indoktriniere und fĂŒr StraßenkĂ€mpfe ausbilde.

Die Trainings fĂ€nden unter der Leitung von Leon R. in Eisenach regelmĂ€ĂŸig im "Flieder Volkshaus" statt, schreibt die Bundesanwaltschaft.

Im Visier der Nazi-JĂ€ger um Lina E.

Zuletzt geriet der Name Leon R. wegen eines Prozesses um Linksextremismus im sĂ€chsischen Dresden in die Schlagzeilen. R. sagte dort als Zeuge gegen eine Gruppe mutmaßlicher Linksextremisten aus, die von Leipzig aus ÜberfĂ€lle auf Neonazis in Ostdeutschland geplant und ausgefĂŒhrt haben sollen.

Dabei sollen sie die Rechtsextremen unter anderem mit Schlagstöcken und Reizgas maltrĂ€tiert und verletzt zurĂŒckgelassen haben. Laut Bundesanwaltschaft soll diese Gruppe von der Leipziger Studentin Lina E. angefĂŒhrt worden sein.

Bundesweite Razzia gegen Neonazi-Szene: Polizei vor der Kneipe Bull's Eye in Eisenach.
Bundesweite Razzia gegen Neonazi-Szene: Polizei vor der Kneipe Bull's Eye in Eisenach. (Quelle: News5 / Schuchardt/leer)

Offenbar widmeten die Nazi-JĂ€ger dem Netzwerk um Leon R. ganz besondere Aufmerksamkeit. Er soll bei gleich zwei ihrer Attacken im Fadenkreuz gestanden haben: Einmal bei einem Überfall auf seine Kneipe Bull's Eye in Eisenach und einmal, als ihn Vermummte vor seinem Wohnhaus aufsuchten.

Pikanterweise gilt ausgerechnet Leon R. darum der Bundesanwaltschaft als wichtigster Zeuge in dem Linksextremismus-Prozess. Offenbar haben die Ermittler im Lina-E.-Prozess auf die GlaubwĂŒrdigkeit eines Zeugen gesetzt, gegen den sie selbst gleichzeitig wegen der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung ermittelte.

Kern der deutschen Neonazi-Bewegung

"Es ist schon bemerkenswert, dass der Generalbundesanwalt nun seinen eigenen Zeugen einfliegen lĂ€sst", sagt auch Felix Steiner von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in ThĂŒringen zur Festnahme von Leon R. "Aber es zeigt auch die große Bedeutung des Netzwerkes in Eisenach fĂŒr die gesamtdeutsche Neonazi-Szene."

In Eisenach habe sich in den letzten zehn Jahren eine militante rechtsradikale Jugendszene entwickeln können, in deren Zentrum unter anderem Leon R. gestanden habe. "Die haben sich immer weiter radikalisiert", sagt Steiner, "und gehören inzwischen zum Kern der deutschen Neonazi-Bewegung."

Neben vielen Körperverletzungsdelikten, die den MÀnnern von Knockout 51 vorgeworfen werden, sollen sie beispielsweise auch auf Corona-Demos Flagge gezeigt haben. Beobachter der Szene machten Mitglieder der Gruppe auch beim Sturm auf die Polizeikette wÀhrend einer Querdenker-Demo in Leipzig im November 2020 aus.

Tipps von der "Atomwaffen Division"

Hinzu komme die große Bedeutung der internationalen Verflechtungen unter anderem mit der US-amerikanischen rechten Terrorgruppe "Atomwaffen Division" (AWD), in deren digitalen Netzwerken Leon R. unterwegs war, was dieser selbst vor Gericht zugegeben hat.

Dort gab er an, dass er zwar Kontakt zu einer Person aufgenommen habe, die "in den USA verantwortlich dafĂŒr ist, die Videos fĂŒr die Bewegung zu schneiden", so auch fĂŒr die "Atomwaffen Division".

Der 24-JĂ€hrige sei sich aber nicht darĂŒber bewusst gewesen, dass diese Person auch selbst Mitglied in der Organisation ist. Letztlich legte er sich darauf fest, dass er den Mann nur wegen einer fachspezifischen Frage zu Videoschnitt konsultiert habe.

Das sehen die Ermittler etwas anders. Leon R. gilt nun als Beschuldigter im AWD-Komplex, der Bundesanwalt bringt ihn nach t-online-Informationen mindestens mit zwei Flugblattaktionen in Berlin und Frankfurt in Verbindung.

Recherchen von t-online brachten ihn schon 2019 in Zusammenhang mit der "Atomwaffen Division". Damals soll er ĂŒber ein rechtes Szeneforum Kontakt zu deren Mitgliedern gesucht haben.

In Eisenach: "Riesenerleichterung, dass die von der Straße sind"

Die Razzia und die Festnahmen seien ein herber Schlag gegen die Neonazi-Szene, der heute erfolgt sei, sagt Rechtsextremismusexperte Felix Steiner. FĂŒr Eisenach bedeute das erstmal, dass diese Personen "von der Straße sind", sagt Steiner. Und: "Es ist eine Riesenerleichterung fĂŒr alle vor Ort, die im Fokus dieser Gruppe standen, bedroht und angegriffen wurden."

Auch Axel Salheiser von der Uni Jena meint: "Eisenach hat sich zum Magnet der rechtsextremen Szene in Deutschland entwickelt." Das zeige zum Beispiel auch der Zuzug von Ă€lteren Rechtsextremen wie dem frĂŒheren Combat-18-Chef Stanley R. Der sei nach Eisenach gekommen, weil "hier die Bedingungen so gĂŒnstig sind", meint Salheiser.

Nur die "ĂŒblichen VerdĂ€chtigen"?

Die Razzia und die Festnahmen heute hĂ€tten zwar Signalwirkung, dass der Staat den Verfolgungsdruck erhöht, sagt Salheiser. Von einem entscheidenden Schlag gegen die Neonazi-Szene will er aber nicht sprechen: "Das Netzwerk dahinter ist sehr groß und teilweise so klandestin, also versteckt, das haben ja auch die Ermittlungen zum NSU gezeigt", erklĂ€rt Salheiser.

Weitere Artikel

Neonazis verprĂŒgelt
Zeuge im Lina E.-Prozess verstrickt sich in WidersprĂŒche
Mit angespanntem Bizeps vor einer Hakenkreuzfahne: Dieses Foto veröffentlichte die Recherchegruppe Exif passend zum Gerichtstermin von Leon R.

Streit um russischen Gasstopp
"Abstiegsszenario" fĂŒr Bayern? Expertin kontert Söders Vorstoß
Markus Söder und Claudia Kemfert (Montage): Die Ökonomin sieht die Bilanz des bayerischen MinisterprĂ€sidenten kritisch.

Es fehlten nur Stunden
Warum das weltgrĂ¶ĂŸte Flugzeug nicht gerettet wurde
Die Antonov AN-225 (Archivbild): Sie war das grĂ¶ĂŸte Flugzeug der Welt.


"Jetzt wurden nur die ĂŒblichen VerdĂ€chtigen festgenommen, die Spitze des Eisbergs." Die Strukturen wĂŒrden ĂŒberwintern, meint der Wissenschaftler: "Es gibt einfach noch sehr viele UnterstĂŒtzer."

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Von Christian Grube
EisenachPolizei

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website