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Forschung aus Mainz: Verschwörungstheorien bleiben nach Corona-Krise

"Grenze des Sagbaren verschoben"  

Forscherin: Verschwörungstheorien bleiben nach Corona-Krise

17.06.2020, 07:50 Uhr | dpa

Forschung aus Mainz: Verschwörungstheorien bleiben nach Corona-Krise. Ein Demonstrant trägt eine Warnweste mit der Aufschrift "Corona Diktatur stoppen": In Deutschland kursieren einige Verschwörungstheorien zum Coronavirus. (Quelle: dpa/Christoph Schmidt/Archiv)

Ein Demonstrant trägt eine Warnweste mit der Aufschrift "Corona Diktatur stoppen": In Deutschland kursieren einige Verschwörungstheorien zum Coronavirus. (Quelle: Christoph Schmidt/Archiv/dpa)

In der Corona-Krise kursieren zahlreiche Verschwörungstheorien. Warum manche daran glauben, das erforscht eine Mainzer Wissenschaftlerin. 

Die vielen im Zuge der Corona-Krise kursierenden Verschwörungserzählungen werden nach Ansicht der Sozialpsychologin Pia Lamberty auch über die Pandemie hinaus wirken. "Ich befürchte, dass von den Narrativen etwas zurückbleibt", sagte die Wissenschaftlerin der Johannes Gutenberg-Universität der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. "Die Grenze des Sagbaren hat sich verschoben." Das reiche bis hin zur Bagatellisierung des Holocausts, wenn auf Demonstrationen gegen Corona-Auflagen Menschen einen Judenstern trügen.

Lamberty forscht seit Jahren zu Verschwörungstheorien weltweit. Es dürfe nicht vergessen werden, dass es schon immer die Neigung zu Verschwörungen gegeben habe, zumal in Verbindung mit Epidemien oder Krankheiten. Das habe sich während der Pest gezeigt, da sei unter anderem behauptet worden, Juden hätten Brunnen verseucht. Auch während der Spanischen Grippe oder Ausbrüchen von Ebola oder des Zikavirus habe es Verschwörungsgeschichten gegeben. Impfgegner sähen sich als Opfer eines Impfzwangs, seien auch mit nachgeahmten Judensternen auf Demos gewesen.

Die Mainzer Psychologin Pia Lamberty: "Die Grenze des Sagbaren hat sich verschoben."  (Quelle: dpa/privat)Die Mainzer Psychologin Pia Lamberty: "Die Grenze des Sagbaren hat sich verschoben." (Quelle: privat/dpa)

Diese NS-Vergleiche im Zusammenhang mit Verschwörungstheorien seien etwas Besonderes in Deutschland, sagte Lamberty. "Das habe ich in dem Maße woanders nicht gesehen." Dass auch Corona-Verschwörungstheorien gerade hier, wo die Pandemie bislang vergleichsweise glimpflich verlief, Konjunktur haben, wundert die Wissenschaftlerin nicht.

Gerade dass sich die Krise in Grenzen halte, mache es einfacher, das Virus als gar nicht so schlimm darzustellen. In Italien sei es fast unmöglich, das neue Virus zu leugnen. In Deutschland glaubten auch mehr Menschen an Verschwörungstheorien über die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA als in den Vereinigten Staaten selbst.

Doch warum neigen Menschen zu Verschwörungstheorien? "Es ist eine Form des Umgangs mit einer Bedrohung, sie wird entweder heruntergespielt oder personalisiert", sagte Lamberty. Der Glaube, dass die Regierung das Coronavirus erfunden habe, mache die Situation greifbarer. Außerdem erhöhten Verschwörungstheorien die Urheber, sagte die Autorin und Sozialpsychologin.

"Sie verfügen scheinbar über Geheimwissen, glauben Dinge zu kennen, von denen andere nichts wissen." Der Urheber von Verschwörungstheorien erscheine als Widerstandskämpfer gegen Verschwörer. "Man ist in der eigenen Wahrnehmung heroischer", sagte Lamberty.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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