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Shopping mit Impfnachweis: Diskussionen und weniger Umsatz

Von dpa
08.12.2021Lesedauer: 3 Min.
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Ein Passant geht vor einem Einkaufszentrum. (Quelle: Thomas Frey/dpa/Symbolbild/dpa-bilder)
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Die neuen Zutrittsregeln fĂŒr GeschĂ€fte und Gastronomie werden im WeihnachtsgeschĂ€ft fĂŒr HĂ€ndler und Security oft zur Belastung: "Diskussionen ĂŒber die 2G-Regel sind an der Tagesordnung", heißt es in vielen LĂ€den. Viele Kunden wĂŒrden dabei auch aggressiv, manche drohten sogar SchlĂ€ge an. "Es funktioniert", sagt der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Handelsverbands Rheinland-Pfalz, Thomas Scherer, ĂŒber die Kontrollen des Status geimpft und genesen. Allerdings drĂŒckten die Zugangsregeln aufs GeschĂ€ft.

Der rheinland-pfĂ€lzische Dehoga-PrĂ€sident Gereon Haumann fordert, den zusĂ€tzlich notwendigen negativen Schnelltest fĂŒr Gastronomie und Hotellerie zu streichen. "2G in allen Lebensbereichen" und "im Lebensmitteleinzelhandel 3G", verlangt er. "Das Plus bei 2G muss weg." 3G bedeutet Zutritt auch fĂŒr Ungeimpfte mit negativem Schnelltest. Den brauchen sie in SupermĂ€rkten und anderen GeschĂ€ften des tĂ€glichen Bedarfs wie Blumen- und BuchlĂ€den aber bisher nicht.

Maximilian HeitkĂ€mper von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz empfiehlt den Kunden fĂŒr das Weihnachtshopping "ein bisschen mehr Zeit mitzubringen und Vorbereitungen im Vorfeld zu treffen". Dazu gehöre, einen Termin fĂŒr den Schnelltest festzumachen, wenn man etwa zwischendurch einen Kaffee trinken oder etwas Essen gehen wolle.

"Jeder sollte sich möglichst schnell um eine Booster-Impfung kĂŒmmern, das macht den Unterschied", betont HeitkĂ€mper. Damit entfĂ€llt der zusĂ€tzliche Test im CafĂ©, Restaurant, Schwimmbad oder Fitnessstudio. Von den Selbsttests fĂŒr Zuhause gebe es derzeit viel zu wenige und die Preise seien massiv gestiegen.

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Die Mainzer WeihnachtsbĂ€ndchen als Beleg fĂŒr den Status geimpft oder genesen hĂ€lt HeitkĂ€mper auch fĂŒr eine gute Idee. Die könnten sogar landesweit oder ĂŒber Rheinland-Pfalz hinaus Schule machen. "Jede Stadt hĂ€tte die Möglichkeit, dies einzufĂŒhren", sagte Scherer. In Kaiserslautern und einigen anderen StĂ€dten werde dies bereits ĂŒberlegt. In der Landeshauptstadt gelten die farbigen ArmbĂ€ndchen, die fĂŒr den Weihnachtsmarkt eingefĂŒhrt worden sind, und sich nicht so leicht abreißen und weitergeben lassen, auch in den GeschĂ€ften als Nachweis fĂŒr die 2G-Regel.

Viele fĂŒr die Kontrollen abgestellte VerkĂ€ufer oder eigens angeheuerte Security-Leute mĂŒssen unterdessen weiter mit so manchem Kunden diskutieren und sich auch mal anpöbeln lassen. "Die Aggressionskurve ist gestiegen", sagt ein VerkĂ€ufer in einem Mainzer MöbelgeschĂ€ft. In der Regel gelinge es aber, aufgebrachte Kunden zu beruhigen.

Der Einzelhandel sei nach der seit Samstag geltenden Corona-BekÀmpfungsverordnung nur zu Stichpunkt-Kontrollen verpflichtet, betonte Scherer. "Einige OrdnungsÀmter behaupten aber, dass jeder Kunde kontrolliert werden muss." Dies sei weder vorgeschrieben noch gut machbar.

"Wir merken einen gewissen Druck und werden auch mal Ventil fĂŒr den Frust ĂŒber die Regeln", berichtet HeitkĂ€mper von der Verbraucherzentrale. So mancher, der Beratung suche, aber nicht den 2G-Nachweis erbringen könne, stelle dann auch schon mal den Fuß in die TĂŒr.

"Nicht wenige versuchen zu schummeln", berichtet die Mitarbeiterin einer Security-Firma, die vor GeschĂ€ften, auf dem Weihnachtsmarkt und im Fußballstadion digitale Impf-Nachweise kontrolliert. Manche schickten etwa einem Kumpel einem Screen-Shot des eigenen Impfnachweises aufs Handy und versuchten so, ihm Zutritt zu verschaffen. Damit kĂ€men sie aber bei den fĂŒr die Kontrollen eingesetzten Scannern nicht mehr durch.

Die neuen Regeln und abgesagte WeihnachtsmĂ€rkte fĂŒhrten dazu, dass viele auf das Weihnachtsshopping und einen Bummel verzichteten, sagte Scherer. "Die Kunden sind zurĂŒckhaltend. Die Frequenzen in den InnenstĂ€dten gehen zurĂŒck", sagte Scherer. FĂŒr viele HĂ€ndler mache das WeihnachtsgeschĂ€ft aber 30 bis 40 Prozent ihres JahresumsĂ€tze aus und sie drohten nach den Lockdowns in der Pandemie erneut oder noch stĂ€rker in eine finanzielle Schieflage zu geraten. Eine Umfrage unter HĂ€ndlern am ersten Adventswochenende habe bei vielen bis zu 50, 60 Prozent RĂŒckgĂ€nge ergeben. Und am zweiten Adventswochenende sei es sicherlich nicht besser gewesen.

Nachhaltige Umsatzeinbußen befĂŒrchten auch die Friseure: "30 Prozent der Menschen sind nicht geimpft und die fehlen den Friseuren", sagt der Vorsitzende des Landesverbands Friseure & Kosmetik Rheinland, Guido Wirtz. "Die Nicht-Geimpften gehen jetzt in die Schattenwirtschaft und das ist nicht gut", kritisierte der Innungsmeister. Das KalkĂŒl, Ungeimpfte so zum Impfen zu bringen, gehe sicherlich nur teilweise auf.

Einige HĂ€ndler wie etwa HaushaltswarengeschĂ€fte hĂ€tten sich fĂŒr diese Kunden einen besonderen Service ausgedacht, so Scherer. "Sie bringen die Waren direkt vor die LadentĂŒr." DafĂŒr hĂ€tten manche extra Bestellscheine entworfen.

Die Auswirkungen der 2G-plus-Regelung in der Gastronomie seien "katastrophal", sagt Dehoga-PrÀsident Haumann. Am Wochenende habe es flÀchendeckend 70 bis 90 Prozent Stornierungen im Gastgewerbe in Rheinland-Pfalz gegeben.

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