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Shopping mit Impfnachweis: Diskussionen und weniger Umsatz

Mainz  

Shopping mit Impfnachweis: Diskussionen und weniger Umsatz

08.12.2021, 06:27 Uhr | dpa

Shopping mit Impfnachweis: Diskussionen und weniger Umsatz. Einkaufen

Ein Passant geht vor einem Einkaufszentrum. Foto: Thomas Frey/dpa/Symbolbild (Quelle: dpa)

Die neuen Zutrittsregeln für Geschäfte und Gastronomie werden im Weihnachtsgeschäft für Händler und Security oft zur Belastung: "Diskussionen über die 2G-Regel sind an der Tagesordnung", heißt es in vielen Läden. Viele Kunden würden dabei auch aggressiv, manche drohten sogar Schläge an. "Es funktioniert", sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Rheinland-Pfalz, Thomas Scherer, über die Kontrollen des Status geimpft und genesen. Allerdings drückten die Zugangsregeln aufs Geschäft.

Der rheinland-pfälzische Dehoga-Präsident Gereon Haumann fordert, den zusätzlich notwendigen negativen Schnelltest für Gastronomie und Hotellerie zu streichen. "2G in allen Lebensbereichen" und "im Lebensmitteleinzelhandel 3G", verlangt er. "Das Plus bei 2G muss weg." 3G bedeutet Zutritt auch für Ungeimpfte mit negativem Schnelltest. Den brauchen sie in Supermärkten und anderen Geschäften des täglichen Bedarfs wie Blumen- und Buchläden aber bisher nicht.

Maximilian Heitkämper von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz empfiehlt den Kunden für das Weihnachtshopping "ein bisschen mehr Zeit mitzubringen und Vorbereitungen im Vorfeld zu treffen". Dazu gehöre, einen Termin für den Schnelltest festzumachen, wenn man etwa zwischendurch einen Kaffee trinken oder etwas Essen gehen wolle.

"Jeder sollte sich möglichst schnell um eine Booster-Impfung kümmern, das macht den Unterschied", betont Heitkämper. Damit entfällt der zusätzliche Test im Café, Restaurant, Schwimmbad oder Fitnessstudio. Von den Selbsttests für Zuhause gebe es derzeit viel zu wenige und die Preise seien massiv gestiegen.

Die Mainzer Weihnachtsbändchen als Beleg für den Status geimpft oder genesen hält Heitkämper auch für eine gute Idee. Die könnten sogar landesweit oder über Rheinland-Pfalz hinaus Schule machen. "Jede Stadt hätte die Möglichkeit, dies einzuführen", sagte Scherer. In Kaiserslautern und einigen anderen Städten werde dies bereits überlegt. In der Landeshauptstadt gelten die farbigen Armbändchen, die für den Weihnachtsmarkt eingeführt worden sind, und sich nicht so leicht abreißen und weitergeben lassen, auch in den Geschäften als Nachweis für die 2G-Regel.

Viele für die Kontrollen abgestellte Verkäufer oder eigens angeheuerte Security-Leute müssen unterdessen weiter mit so manchem Kunden diskutieren und sich auch mal anpöbeln lassen. "Die Aggressionskurve ist gestiegen", sagt ein Verkäufer in einem Mainzer Möbelgeschäft. In der Regel gelinge es aber, aufgebrachte Kunden zu beruhigen.

Der Einzelhandel sei nach der seit Samstag geltenden Corona-Bekämpfungsverordnung nur zu Stichpunkt-Kontrollen verpflichtet, betonte Scherer. "Einige Ordnungsämter behaupten aber, dass jeder Kunde kontrolliert werden muss." Dies sei weder vorgeschrieben noch gut machbar.

"Wir merken einen gewissen Druck und werden auch mal Ventil für den Frust über die Regeln", berichtet Heitkämper von der Verbraucherzentrale. So mancher, der Beratung suche, aber nicht den 2G-Nachweis erbringen könne, stelle dann auch schon mal den Fuß in die Tür.

"Nicht wenige versuchen zu schummeln", berichtet die Mitarbeiterin einer Security-Firma, die vor Geschäften, auf dem Weihnachtsmarkt und im Fußballstadion digitale Impf-Nachweise kontrolliert. Manche schickten etwa einem Kumpel einem Screen-Shot des eigenen Impfnachweises aufs Handy und versuchten so, ihm Zutritt zu verschaffen. Damit kämen sie aber bei den für die Kontrollen eingesetzten Scannern nicht mehr durch.

Die neuen Regeln und abgesagte Weihnachtsmärkte führten dazu, dass viele auf das Weihnachtsshopping und einen Bummel verzichteten, sagte Scherer. "Die Kunden sind zurückhaltend. Die Frequenzen in den Innenstädten gehen zurück", sagte Scherer. Für viele Händler mache das Weihnachtsgeschäft aber 30 bis 40 Prozent ihres Jahresumsätze aus und sie drohten nach den Lockdowns in der Pandemie erneut oder noch stärker in eine finanzielle Schieflage zu geraten. Eine Umfrage unter Händlern am ersten Adventswochenende habe bei vielen bis zu 50, 60 Prozent Rückgänge ergeben. Und am zweiten Adventswochenende sei es sicherlich nicht besser gewesen.

Nachhaltige Umsatzeinbußen befürchten auch die Friseure: "30 Prozent der Menschen sind nicht geimpft und die fehlen den Friseuren", sagt der Vorsitzende des Landesverbands Friseure & Kosmetik Rheinland, Guido Wirtz. "Die Nicht-Geimpften gehen jetzt in die Schattenwirtschaft und das ist nicht gut", kritisierte der Innungsmeister. Das Kalkül, Ungeimpfte so zum Impfen zu bringen, gehe sicherlich nur teilweise auf.

Einige Händler wie etwa Haushaltswarengeschäfte hätten sich für diese Kunden einen besonderen Service ausgedacht, so Scherer. "Sie bringen die Waren direkt vor die Ladentür." Dafür hätten manche extra Bestellscheine entworfen.

Die Auswirkungen der 2G-plus-Regelung in der Gastronomie seien "katastrophal", sagt Dehoga-Präsident Haumann. Am Wochenende habe es flächendeckend 70 bis 90 Prozent Stornierungen im Gastgewerbe in Rheinland-Pfalz gegeben.

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