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Obdachlose in Nürnberg: Die Menschen schauen einfach weg


Die Menschen schauen weg

Björn Bischoff

Aktualisiert am 11.08.2022Lesedauer: 3 Min.
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Ein Obdachloser schläft auf dem Boden (Symbolbild): Oft sind sie an heißen Tagen der Sonne schutzlos ausgeliefert.
Ein Obdachloser schläft auf dem Boden (Symbolbild): Oft sind sie an heißen Tagen der Sonne schutzlos ausgeliefert. (Quelle: IMAGO/McPHOTO/H. Baesemann)
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Das schaut Nürnberg auf
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In deutschen Städten gibt es immer mehr Obdachlose. Sie leiden an heißen Tagen wie diesen besonders. Die meisten Menschen schauen weg – auch in Nürnberg.

In Nürnberg herrscht in diesen Tagen extreme Hitze. Hohe Temperaturen werden in Zukunft wohl vermehrt auf die Region und ganz Deutschland zukommen. Wie geht es Menschen ohne Obdach und Schutz, wenn die Temperaturen weit über 30 Grad klettern? t-online berichtet von Nürnbergs Straßen.

Die Hitze macht träge. Auch die Menschen in der Königstorpassage. An diesem Mittwochmittag herrscht kaum Gedränge bei Temperaturen um die 36 Grad. Wer kann, zieht sich in den Schatten zurück. Viel trinken, raten Mediziner. Doch was machen Menschen, die keine Wohnung mit Klimaanlage und Kühlschrank haben, nicht mal eben Zugang zu kaltem Trinkwasser? Wo gibt es für sie etwas zu trinken?

"Rumfragen, dann bekommt man es mit", sagt Jon*, dessen Name die Redaktion auf seinen Wunsch geändert hat. Er ist 52 Jahre alt und lebte vor vier Jahren für einige Zeit auf der Straße. Durch die Hilfe eines Bekannten und den Job beim Sozialmagazin Straßenkreuzer schaffte er den Absprung. Heute laufen Hunderte von Menschen an ihm im Untergeschoss des Bahnhofs vorbei, wo er das Magazin verkauft. Oft schauen sie an ihm vorbei.

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Jon aus Nürnberg: "Wenn jemand alkoholisiert ist, ist es immer schwierig"

Deshalb bleibe den Obdachlosen oft nichts anderes übrig, als sich selbst zu helfen. Sie geben sich untereinander Tipps, wo es öffentliche Brunnen oder entsprechende Einrichtung gibt. Nicht nur an heißen Tagen. Obdachlosigkeit bringt viele Probleme mit sich. Jon erzählt von Süchtigen, von Aggression. Wenn jemand alkoholisiert ist, sei es immer schwierig, sagt er.

Was tut die Stadt? Die Planungen und Konzepte bei starker Hitze für obdachlose Personen orientieren sich aktuell primär am winterlichen Kälteschutz, heißt es auf Nachfrage bei der Stadt Nürnberg. Diese Einrichtungen und Unterkünfte stehen ganzjährig zur Verfügung – also auch zum Schutz bei extremer Hitze. Bei Bedarf ließen sich Einrichtungen und Unterkünfte auch erweitern, heißt es.

Trinkwasser und alkoholfreie Getränke erhalten obdachlose Menschen in allen Einrichtungen – egal, welcher Träger sie betreibt. Daneben befinden sich in Nürnberg mehrere öffentliche Trinkwasserbrunnen wie zum Beispiel am Hallplatz, der Wöhrder Wiese oder dem Aufseßplatz.

Doch Ende Juli waren die Nachfragen nach Schutzeinrichtungen rückläufig. Was normal für die Sommermonate ist. Die Gründe dafür? Unterschiedlich, heißt es von der Stadt. Viele Menschen suchen nach Arbeit und bekommen über Jobs in der Landwirtschaft oder beim Bau Unterkünfte vom Arbeitgeber gestellt. Auch schlafen viele obdachlose Menschen im Sommer draußen oder ziehen weiter in andere Städte.

Und wie kommen diese Informationen über die Hilfsangebote überhaupt bei den Menschen an, die sie dringend brauchen? Das geschieht unter anderem über die Streetworker, über die Unterkünfte, Kirchen, Polizei oder Rettungsdienste. Auch über Homepage oder Flyer könnten sich Betroffene niederschwellig informieren, erklärt die Stadt Nürnberg auf Nachfrage von t-online. Doch es gibt noch andere Wege.

2.300 Obdachlose in Nürnberg

Wie viele Menschen betrifft Obdachlosigkeit in Nürnberg überhaupt? Die Stadt Nürnberg geht von etwa 2.300 obdachlosen Menschen im Stadtgebiet aus. Neuere Zahlen des Statistischen Bundesamts stehen aus, doch die Entwicklung ist wie in allen Großstädten Deutschlands steigend.

Da sie kaum Schutz haben: Wie sehr leiden Obdachlose im Sommer an Sonnenstich oder Dehydrierung? Darüber habe die Stadt keine genaueren Erkenntnisse, teilt sie mit. Die eingegangenen Anfragen für Personen ohne Krankenversicherung haben sich auf bekannte Diagnosen wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch oder psychiatrische Zustände bezogen, heißt es weiter. Ein zusätzlicher Sonnenstich sei dadurch aber nicht ausgeschlossen.

Die Hitze wird in den kommenden Tagen bleiben. Und auch wenn obdachlose Menschen viele Hilfsangebote haben, so bitten doch mehrere Stellen in Deutschland trotzdem um weitere Hilfe: Wer einen Obdachlosen in der prallen Hitze sieht, solle fragen, ob er nicht lieber in den Schatten gehen mag. Auch eine Flasche Wasser helfe.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen vor Ort
  • Anfrage bei der Stadt Nürnberg
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