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Autonome Fahrgemeinschaft: VW und Bosch verbĂŒnden sich

Von dpa
25.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Autonomes Fahren
Ein Mitarbeiter von Bosch fĂ€hrt auf der A81 in einem Auto, das als Prototyp fĂŒr autonomes Fahren genutzt wird. (Quelle: Daniel Naupold/dpa/Symbolbild/dpa-bilder)
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Auf dem Weg zum selbstfahrenden Auto wollen der VW-Konzern und Bosch die nĂ€chsten Schritte gemeinsam angehen. In einer Kooperation soll eine Softwareplattform entstehen, die zunĂ€chst teil- und hochautomatisierte Funktionen "massentauglich" macht. Dies könne die Basis fĂŒr komplexere Anwendungen bis hin zum vollautomatisierten Fahren schaffen, kĂŒndigten beide Partner an.

"Erste Funktionen sollen schon im kommenden Jahr fĂŒr Kunden nutzbar sein", sagte VW-Finanzvorstand Arno Antlitz am Dienstag. Vorerst geht es um das Level-2-Niveau - also ohne stĂ€ndiges Steuern des Fahrers - sowie Level 3, wobei der Computer etwa auf der Autobahn fĂŒr lĂ€ngere Zeit ĂŒbernimmt. Zudem prĂŒfe man "Entwicklungsziele und ZeitplĂ€ne" in Richtung Level 4 - dann kann der Fahrer zum bloßen Passagier werden.

Bei den Niedersachsen kĂŒmmert sich die Softwaretochter Cariad um das Thema. Ziel ist es, Programmcodes und Automatisierungstechnologien öfter selbst herzustellen statt von Zulieferern einzukaufen. In der ersten Etappe sollen die Systeme aus der Zusammenarbeit mit Bosch in Modellen des VW-Konzerns eingesetzt werden - mit Funktionen, "bei denen Fahrer die HĂ€nde zeitweise explizit vom Lenkrad nehmen können", wie es hieß. SpĂ€ter will Bosch sie auch fĂŒr andere Anbieter öffnen.

Cariad-Chef Dirk Hilgenberg erklĂ€rte, es gehe nicht allein um Technik fĂŒr die Oberklasse: "Wir wollen sie fĂŒr jeden verfĂŒgbar machen. Und wir meinen wirklich: fĂŒr jeden." Zum Start werde ein wesentlicher Schwerpunkt zwar das Projekt Artemis sein, in dem Audi mit Porsche und Bentley einen "Tesla-Fighter" entwickelt. Bald danach sollen weitere VW-Konzerntöchter jedoch ebenfalls eingebunden werden.

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Über 1000 Expertinnen und Experten von Bosch und Volkswagen beginnen den Angaben zufolge nun mit der Umsetzung. Zur Investitionshöhe und zu möglichen Folgen fĂŒr andere Lieferanten wie Continental wollten sich beide Partner nicht nĂ€her Ă€ußern.

Bis Ende 2026 steckt der VW-Konzern rund 30 Milliarden Euro allein in Digitalisierung und Automatisierung. Aus Firmenkreisen verlautete, Cariad sehe sich "nicht als reinen Vermittler zwischen Konzern und Zulieferern. Wir können uns nicht mehr nur darauf verlassen, Lösungen zuzukaufen und Software von Dritten mĂŒhsam in unsere Architektur zu integrieren, ohne in die Lösung hineinschauen zu können."

Man bleibe allerdings offen fĂŒr Kooperationen, ZukĂ€ufe oder externe Beschaffung. Im Laufe des Jahres dĂŒrfte es "weitere Neuigkeiten in diesen Feldern" geben. Die Zusammenarbeit mit Bosch sehen die Wolfsburger als ErgĂ€nzung zum bestehenden US-Partner Argo AI - dort geht es um vollkommen autonome Fahrzeuge (Level 5) ganz ohne Fahrer.

Bosch-Manager Mathias Pillin hĂ€lt die große Menge nutzbarer Daten aus der VW-Flotte fĂŒr geeignet, um KĂŒnstliche Intelligenz (KI) grĂŒndlich auf die Übernahme zusĂ€tzlicher Aufgaben im Auto trainieren zu können: "Wir haben so Zugriff auf eine riesige Sammlung von MobilitĂ€tsdaten, die wir erweitern und verbessern werden."

Software und Sensorik lernen durch Verarbeitung von Umgebungs- und Verkehrsdaten laufend fĂŒr höhere Automatisierungsstufen dazu. Bei der frĂŒheren Partnerschaft mit Daimler habe nicht der Markt privater Pkw, sondern eher die Anwendung in Robotaxis im Vordergrund gestanden.

Hilgenberg meinte mit Blick auf den US-Rivalen Tesla, der bei Fahrzeugvernetzung und Steuerungstechnik als fĂŒhrend gilt: "Die Partnerschaft wird uns helfen, erheblich an Tempo zu gewinnen." Bei der AusrĂŒstung von Batteriezellfabriken fĂŒr Elektroautos bereiten Bosch und VW derzeit ein mögliches Gemeinschaftsunternehmen vor.

Software fĂŒr das automatisierte und - eines Tages - autonome Fahren gilt nach der E-MobilitĂ€t als nĂ€chstes "großes Ding" in der Branche. Erwartet wird ein Multi-Milliarden-Markt. VW-Chef Herbert Diess hatte im Sommer eine neue Strategie fĂŒr die kommenden Jahre vorgestellt. Diese bĂŒndelt das Thema - wie bisher die Auto-Hardware - auf großen Plattformen und markenĂŒbergreifend. "Der SchlĂŒssel zum kĂŒnftigen Erfolg wird das autonome Fahren sein", bekrĂ€ftigte Diess am Dienstag.

Bis 2030 taxiert Volkswagen die branchenweiten Einnahmen aus allen AutoverkÀufen, die mit neuen Softwarefunktionen zusammenhÀngen, auf bis zu 1,2 Billionen Euro. Hilgenberg schÀtzt, dass schon Mitte des Jahrzehnts 60 Prozent der Privatwagen Systeme mindestens des erweiterten Levels 2 an Bord haben, dann schrittweise der Levels 3/4.

VW-Finanzchef Antlitz unterstrich: "Dieser neue Einnahme-Pool entsteht zusÀtzlich zum GeschÀft mit dem Verkauf von Verbrenner- und Elektrofahrzeugen." Auch der Ausbau von MobilitÀtsdiensten lasse sich mit mehr eigener Software gut verschrÀnken, im Wechselspiel mit Sharing-Angeboten oder datengetriebenen Versicherungsleistungen.

Nach und nach sollen die digitalen Assistenten ĂŒberdies UnfĂ€lle vermeiden. "Damit wird der Straßenverkehr sicherer und komfortabler", sagt Bosch-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Markus Heyn. Mit bisher erhĂ€ltlichen "Autopiloten" kam es jedoch auch schon zu einigen Crashs in den USA.

Nach Jahren vollmundiger AnkĂŒndigungen, in denen so manche Frist verstrich, sehen Branchenkenner inzwischen bessere Chancen fĂŒr einen Durchbruch der Systeme. So zeigte sich gerade auf der Messe CES in Las Vegas: Die Technik, die autonomes Fahren möglich machen könnte, steht vor dem Einzug in Wagen verschiedener Hersteller.

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