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Die Katholiken fragen sich, wer sie noch braucht

Von dpa
25.05.2022Lesedauer: 2 Min.
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz BĂ€tzing
Georg BÀtzing spricht wÀhrend eines Pressestatements zu Beginn der Dritten Synodalversammlung der deutschen Katholiken. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Bildarchiv/dpa-bilder)
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Inmitten einer Kirchenkrise wird am Donnerstag in Stuttgart der 102. Deutsche Katholikentag fortgesetzt. Unter anderem diskutieren der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg BĂ€tzing, und SPD-GeneralsekretĂ€r Kevin KĂŒhnert ĂŒber das Thema "Wer braucht noch die Kirche?".

Der Katholikentag mit 1500 Veranstaltungen findet erstmals seit vier Jahren wieder in PrĂ€senz statt. Allerdings werden bis Sonntag viel weniger Teilnehmer erwartet als sonst, etwa 25.000. Darunter sind allein 7000 Mitwirkende. Zum Katholikentag 2018 in MĂŒnster waren noch 90.000 Menschen gekommen. Ein Grund fĂŒr den RĂŒckgang dĂŒrfte die Corona-Pandemie sein. Die PrĂ€sidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, sagte jedoch, die niedrigeren Anmeldezahlen hĂ€tten auch damit zu tun, dass die katholische Kirche durch eine "krisenhafte Situation" gehe.

Der frĂŒhere BundestagsprĂ€sident Norbert Lammert (CDU) verwies am Mittwochabend darauf, dass neuerdings erstmals eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht mehr Mitglied in einer der beiden großen Kirchen sei. Viele Menschen trĂ€ten aus der Kirche aus, weil sie der Meinung seien, dass sie ihren Glauben auch ohne sie leben könnten. An den Bischofskonferenz-Vorsitzenden BĂ€tzing gewandt, sagte Lammert: "Sie werden meinem Eindruck nicht völlig widersprechen wollen, dass neben denen, die seit langem keine Bindung zur Institution Kirche mehr hatten, jetzt zunehmend die gehen, die eine solche Bindung hatten."

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BĂ€tzing verteidigte am Mittwochabend die umstrittene Beförderung eines Pfarrers, der Jahre zuvor zwei Frauen belĂ€stigt haben soll. Der Vorfall liege schon viele Jahre zurĂŒck, und der Priester habe Reue gezeigt und sich entschuldigt, sagte BĂ€tzing der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig betonte er: "Jede Art von BelĂ€stigung, von Übergriffigkeit, sowohl verbal als auch körperlich, ist ein No-Go. Und das akzeptiere ich in keinster Weise."

Durch die "Zeit"-Beilage "Christ & Welt" war am Dienstag bekanntgeworden, dass BĂ€tzing in seinem Limburger Bistum einen Pfarrer trotz VorwĂŒrfen sexueller BelĂ€stigung zum Bezirksdekan berufen hatte. Der Priester soll im Jahr 2000 eine evangelische Pfarrerin in Ausbildung sexuell belĂ€stigt haben, spĂ€ter auch eine angehende Gemeindereferentin.

Auf die Frage, warum er ausgerechnet diesen Pfarrer befördert habe, antwortete BĂ€tzing: "Kann ich einen Priester, der vor 15 Jahren einen Fehler begangen hat, den er einsieht, fĂŒr den er Reue zeigt, fĂŒr den er um Entschuldigung gebeten hat und eine Strafe gezahlt hat - kann ich die unendlich lange vorhalten?" Der hochbeliebte Pfarrer sei von der großen Mehrheit der Seelsorgerinnen und Seelsorger in seinem Bezirk fĂŒr die Funktion des Dekans vorgeschlagen worden. Als Bischof sei er diesem Votum letztlich gefolgt. "Es ist kein Fauxpas. Sondern ich habe im AbwĂ€gen der Gesamtsituation diese Entscheidung getroffen."

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