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Wuppertal-Kolumne "Scheuges Talfahrt": Karnevalsprinz blamiert sich

MEINUNGKolumne "Scheuges Talfahrt"  

Oben hui und unten pfui – Verfehlungen eines Karnevalsprinzen

Eine Kolumne von Jürgen Scheugenpflug

16.10.2020, 13:44 Uhr
Wuppertal-Kolumne "Scheuges Talfahrt": Karnevalsprinz blamiert sich. Jürgen Scheugenpflug lehnt gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig.  (Quelle: Uli Kopka)

Jürgen Scheugenpflug lehnt gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig. (Quelle: Uli Kopka)

Für t-online schreibt der Wuppertaler Kabarettist Jürgen Scheugenpflug exklusiv die Kolumne "Scheuges Talfahrt". Diesmal: Die Folgen pikanter Karnevalsbilder.

Es ist schon eine verrückte Zeit. Da steht zu lesen, dass der Handel hofft, dass sich Kunden die Kauflaune nicht verderben lassen. Das ist durchaus ein legitimes Ansinnen, aber nicht unbedingt für jeden. Nehmen wir mal die Kulturschaffenden, deren Einkünfte seit März diesen Jahres gegen Null tendieren. Deren nicht als systemrelevant entlarvte Protagonisten würden, gingen sie mal ausgiebig shoppen, antizyklisch vorgehen. Will heißen: sie würden Geld ausgeben, dass sie nicht oder nicht mehr haben. Denn selbst die Kreditkarte will, wenn auch leicht verzögert, irgendwann beglichen werden. Und das ist dann ziemlich blöd.

Jetzt ist es nicht so, als würde der Handel hungern. Das geben auch die Vorsitzenden der Interessengemeinschaften Barmen und Elberfeld zu und sagen fast übereinstimmend: "Wir haben nicht gemerkt, dass es ruhiger wird". Und das, obwohl die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Tal deutlich in die Höhe schnellt. Doch zack, schon steht Weihnachten vor der Tür. Da wären Weihnachtsmärkte wichtig fürs Geschäft. Und das wiederum treibt den Kulturschaffenden, bei denen es sehr ruhig ist, bittere Tränen in die glanzlosen Augen.

Denen stellt sich eine andere Frage: Was kaufen wir unseren Kindern zu Weihnachten und was essen wir Preiswertes? Denn die Aussichten sind noch schlechter als in den vergangenen Monaten. Deshalb gilt beim Thema Kauflaune: "Pack mal nem nackten Mann inne Täsch".

Karnevalist verschickt pikante Bilder

Was mich ohne Umschweife zu einem sehr schönen Thema bringt. Bereits im März diesen Jahres hatte der noch amtierende Karnevalsprinz Thomas II. ein paar Selfies geschossen. Unglücklicherweise wurden diese kürzlich bekannt gemacht. Also die Fotos. Und auf diesen war der Prinz im offiziellen Ornat obenrum, unten herum aber unbekleidet. "Ich habe die Fotos nach Aschermittwoch in meiner Wohnung vor dem Spiegel aufgenommen und sie nur meinem Ex-Freund zugeschickt", erklärte sich Thomas II.

Aber der Freund hatte dann die glorreiche Idee, die Studien an Herrn Michaelis, den Chef des Carneval Comitee Wuppertal, weiterzuleiten. Und der schon etwas ältere Podcast des Wuppertaler Frohsinns, Wilfrid Michaelis, war dann ganz schön empört und kündigte der Tollität. Fristlos. Mit folgenden Worten: "Du bist im Prinzenornat in unmöglicher, schamverletzender, fast pornografischer Pose und damit eines Prinzen der Stadt Wuppertal unwürdiger Art abgebildet". Also kurz: ein Sittenstrolch. Das finde ich persönlich etwas pingelig. Deshalb meine Frage: Gibt es das im Karneval sonst nicht? Ist nicht Karneval per se schamverletzend und bisweilen unwürdig? Frauenfeindlich oder gar rassistisch?

Warum Debatte in der Öffentlichkeit austragen

Ist es nicht noch schmachvoller, die Geschichte in der Öffentlichkeit auszutragen? Außerdem lässt die Würdigung des CCW-Chefs den Schluss zu, dass es nicht so sehr um das unten herum geht, sondern um die Präsentation in Jacke und den Hut (oder wie das in Karnevalssprache heißt). Aber, Herr Michaelis, das Shooting wäre nackt doch nur halb so lustig gewesen! Vielleicht lassen Sie uns gelegentlich Abzüge der Fotos zukommen, damit wir beim traditionellen Jahresrückblick der Talfahrt 2020 Werbung für den Karneval machen können. Denn unter den Umständen bekommt auch der Ausdruck Tollität etwas mehr Gegenständlichkeit.

In Kreisen der Politik ist es derzeit im Tal ziemlich ruhig. Zeit, um Wunden zu lecken oder Erfolge zu feiern. Selbst bei der CDU sind keine windigen Hinterzimmer-Gespräche bekannt geworden. Zumindest keine, die auch nur annähernd so lustig wären, wie der Fauxpas des Prinzen. Vielleicht auch gut so, denn die Vorstellung, dass einer unserer wackeren Politprofis in der Zweiknopf-Variante seines Boss-Jacketts, aber unten ohne ... Das ginge wirklich zu weit, Ehrenwort.  

Jürgen Scheugenpflug ist seit 1989 als Kabarettist, Moderator, Autor, Sänger und Kolumnist tätig. 2007 rief er die "Bergische Akademie für Kabarett & Comedy" ins Leben. Aktuell ist er Leiter der bundesweiten Comedy-Serie "Comedy im Bett" und als künstlerischer Leiter der Kleinkunstbühne "Schatzkiste" in Wuppertals Nachbarstadt Remscheid tätig. 

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