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Wuppertal-Kolumne "Scheuges Talfahrt": Versagt die Stadt bei der Innenstadtentwicklung?

MEINUNGKolumne "Scheuges Talfahrt"  

Ein "gewaltiger Wandel" in der Wuppertaler Innenstadt – nur wo?

Von Jürgen Scheugenpflug

27.11.2020, 15:38 Uhr
Wuppertal-Kolumne "Scheuges Talfahrt": Versagt die Stadt bei der Innenstadtentwicklung?. Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig.  (Quelle: Uli Kopka)

Jürgen Scheugenpflug lehnt sich gegen eine Statue: Der Kabarettist kennt die Gepflogenheiten von Wuppertal in- und auswendig. (Quelle: Uli Kopka)

Für t-online schreibt der Wuppertaler Kabarettist Jürgen Scheugenpflug exklusiv die Kolumne "Scheuges Talfahrt". Diesmalige Themen: Die Ideen eines Bezirksbürgermeisters und eine "Oma" aus dem Zoo.

Es ist nicht sehr ergiebig, was sich in diesen Wochen im Tal abspielt. Zumindest politisch ordnen sich die gewählten Volksvertreter erst noch ein. Die einen kommen, die anderen gehen. Die Alten aber nicht wirklich. So als leuchtendes Beispiel Hans-Hermann Lücke, zu vierten Mal wiedergewählter Bezirksbürgermeister von Barmen. Seit 2008 wirbelt der rüstige Christdemokrat als Bezirksbürgermeister durch den Werth. Mit sehr überschaubarer, quasi lückenhafter Erfolgsbilanz. "Ein schöneres Amt habe ich noch nie gehabt", erklärt er der WZ in einem zu Herzen gehenden Interview.

Und warum? "Als Bezirksbürgermeister komme ich viel in Kontakt mit anderen Menschen... Und fertig mit dem, was ich tun möchte, bin ich noch lange nicht". Fertig womit, Herr Lücke? Haben Sie überhaupt jemals angefangen? Doch da hat er schon was im Auge. Nämlich die Innenstadtentwicklung. "Der Wandel ist gewaltig", fällt ihm spontan ein. "Wir müssen uns um ein neues Profil der Innenstadt bemühen. Das könnte aus drei unterschiedlichen Punkten bestehen: Bildung, Kultur, Gesundheit." So so. Was aber speziell Lückes Bemühungen in der Vergangenheit angeht, ähnelt die Innenstadt von Barmen der von Cottbus 1993.

Arztpraxen sollen in Innenstadt locken

Da hat die über 12-jährige, ehrenamtliche Tätigkeit, rein gar nichts geändert. Und was bitte könnte die von Lücke erwähnte Bildung, Kultur oder Gesundheit da ändern? Die alten Kinosäle im Concordia-Komplex, die er als Alternative für Studenten der Bergischen Uni anbieten möchte, stehen seit Urzeiten leer und riechen wohl auch so. Welcher Student möchte in derartigen Gemäuern Hörsäle besuchen? Immerhin hat Lücke eine grandiose Idee in Bezug auf die Gesundheit. Die hohe Anzahl an Arztpraxen locke Menschen in die Innenstadt, die sich anschließend im Cafè bei einem Heißgetränk stärken. Ja, wo denn? Das dort ansässige Extrablatt und eine Handvoll Backstuben bieten den Geschwächten Asyl und kredenzen vielleicht ein Heißgetränk.

Und das ist nach H.H. Lücke Innenstadtentwicklung! Einzig sinnvoll gewesen wäre, mal jemand ranzulassen, der wirklich innovative Ideen entwickelt. Aber das hat Lücke erfolgreich verhindert. Bye the way: Auf der Webseite von Lücke erfährt man lediglich, was er seit zwölf Jahren ist. Sonst gähnende Leere. Beim klicken auf den Button "Zum CDU Kreisverband Wuppertal" erscheint: Die Seite wurde nicht gefunden. Offenbar ist die Web-Seite von Lücke so alt und unbearbeitet, wie die City von Barmen. Einer der wenigen Lichtblicke ist die Beleuchtung des Werthes. Aber der sehr ansprechende Lichterzauber wurde wohl kaum von Lücke, sondern von der ISG Barmen initiiert.

Pingiun "Oma" gestorben

Und noch lange nicht genug der Alpträume. Der grüne Zoo Wuppertal trauert um den weltältesten Pinguin. "Oma", wie das Tier gerufen wurde, ist tot. Sie starb nicht etwa an Corona, sondern musste eingeschläfert werden. Mit sagenhaften 46 Jahren fraß sie zum Schluss nicht mehr genügend und bewegte sich kaum noch. RIP, Oma.

Lang her ist auch das Wirken des großen Sohnes der Stadt. Friedrich Engels würde am 28. November 200 Jahre alt. Also in Pinguinjahren fast so alt wie Oma. Zu diesem schönen Geburtstag wollte die Stadt mit einem neuen Engelshaus/Zentrum gratulieren. Leider lief alles wie immer, nämlich schief. Und so sind die Verantwortlichen für dieses Fiasko froh, dass Corona den Mantel des Schweigens über dieses weitere Beispiel des Versagens geworfen hat. Denn auch ohne das hinterhältige Virus hätten mindestens zehn Chinesen ohne Kontrabass vor einer kahlen Baustelle gestanden und sich was erzählt. Dass dieses kleine Missgeschick gerade in „Lückes Barmen“ geschah, ist sicher nur ein Zufall, Ehrenwort. 

Jürgen Scheugenpflug ist seit 1989 als Kabarettist, Moderator, Autor, Sänger und Kolumnist tätig. 2007 rief er die "Bergische Akademie für Kabarett & Comedy" ins Leben. Aktuell ist er Leiter der bundesweiten Comedy-Serie "Comedy im Bett" und als künstlerischer Leiter der Kleinkunstbühne "Schatzkiste" in Wuppertals Nachbarstadt Remscheid tätig. 

Die in Gastbeiträgen geäußerten Ansichten geben die Meinung der Autoren wieder und entsprechen nicht notwendigerweise denen der t-online-Redaktion. 

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