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WM-Rückblick 1966: Wembley-Tor? Schiri verstand seinen Assistenten nicht


WM-Rückblick: England 1966  

Wembley-Tor? Schiri verstand seinen Assistenten nicht

05.06.2018, 06:48 Uhr | sid, t-online.de

WM-Rückblick 1966: Wembley-Tor? Schiri verstand seinen Assistenten nicht. Diskussionen nach dem Wembley-Tor 1966: Schiedsrichter Gottfried Dienst (M.) erkundigt sich bei Tofik Bakhramov. Der verstand gar nicht seine Sprache. (Quelle: imago images/Fredi Hartung)

Diskussionen nach dem Wembley-Tor 1966: Schiedsrichter Gottfried Dienst (M.) erkundigt sich bei Tofik Bakhramov. Der verstand gar nicht seine Sprache. (Quelle: Fredi Hartung/imago images)

England holt sich 1966 vor heimischer Kulisse die WM-Krone. Das entscheidende Tor im Wembley-Stadion erhitzt noch heute die Gemüter. Kurios: Die Schiedsrichter hatten ein Verständigungsproblem.

Auf diesen Moment am 30. Juli 1966 im Londoner Wembley-Stadion hatten Millionen englischer Fußball-Fans lange warten müssen: Königin Elizabeth II. überreicht Englands Mannschaftskapitän Bobby Moore den Coupe Jules Rimet. Das Fußball-Mutterland war erstmals Weltmeister!

Mit 4:2 nach Verlängerung hatten die WM-Gastgeber Deutschland im Finale besiegt. Eine betrübliche Niederlage für die Truppe von Helmut Schön, der aber mit dem zweiten Platz in der Nachfolge von Sepp Herberger einen gelungenen WM-Einstand als Bundestrainer feierte.

Erstmals entscheidet ein Schiedsrichter über den Titel

Uwe Seeler schlich mit hängendem Kopf vom heiligen Wembley-Rasen. Ein wohl für alle Ewigkeit umstrittener Treffer in der 101. Minute hatte das Endspiel entschieden – das sogenannte Wembley-Tor.

Erstmals entschied ein Schiedsrichter-Assistent über die Vergabe des wichtigsten Titels im Welt-Fußball: Tofik Bachramow aus der Sowjetunion. Ein Schuss von Englands Stürmer-Star Geoff Hurst, vom deutschen Torwart Hans Tilkowski mit den Fingerspitzen noch berührt, war von der Latte nach unten auf die Torlinie geprallt und von Wolfgang Weber dann über den Querbalken ins Aus geköpft worden.

Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst stand knapp daneben, war aber dennoch unschlüssig: Hatte der Ball die Torlinie komplett überschritten? Der Referee lief zum 40 Meter entfernten Assistenten. Bachramow, der nur russisch und türkisch sprach, also Dienst nicht verstanden haben konnte, nickte mit dem Kopf, zeigte mit der Fahne zur Mittellinie: Tor für England. Das 4:2 in den Schlusssekunden war nur noch Ergebniskosmetik.

Schiri "weiß auch heute nicht, ob der Ball drin war"

Zig Millionen Worte sind von Zehntausenden Journalisten über dieses Tor geschrieben worden. Fernsehstationen in aller Welt haben in pausenlosen Wiederholungen die Bilder vom ab- und aufspringenden Lederball gesendet. Mathematiker, Physiker und sonstige Wissenschaftler wurden bemüht, Naturgesetze sollten erklären, bestätigen oder ablehnen. Klar aber wurde nichts, zu unterschiedlich waren die Ausgangspositionen.

"Ich weiß auch heute noch nicht, ob der Ball drin war. Und wenn sie mich nach 100 Jahren wieder ausgraben und ich komme neu auf die Welt, weiß ich es immer noch nicht", sagte der inzwischen verstorbene Gottfried Dienst fast 30 Jahre danach. 1966 gab es wochen- und monatelang Diskussionen, jede Menge Streit und Ärger: in Familien, in Büros, an Arbeitsplätzen.

Vor allem in Kneipen redete man sich an Theken und Stammtischen die Köpfe heiß. England aber war und blieb Weltmeister. Irgendwie gönnte man es denen auf der Insel auch, schließlich ging der Titel ins Mutterland des Fußballs.

Auch die Deutschen waren stolz

In England spielte man schon im 19. Jahrhundert in einer Liga um Titel und Punkte, als man jenseits des Kanals und anderswo fast nichts vom Fußball kannte oder wusste. Aber im Kampf um den WM-Titel hatte England vorher mehr als bescheiden abgeschnitten.

Zuerst machte man überhaupt nicht mit, dann scheiterte man vorzeitig. Einmal sogar (1950 in Brasilien) am Außenseiter USA - das riss tiefe Wunden. Nun war man am Ziel und ein Traum war in Erfüllung gegangen.

Auch die Deutschen waren stolz. Trotz oder gerade wegen dieser Niederlage empfing man die Mannschaft zu Hause wie einen Sieger. Helmut Schön hatte sich als würdiger Nachfolger eines Sepp Herberger entpuppt.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur sid

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