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WM 2018 – Russland-Aus: Wenn Uruguay-Fans russische Polizisten trösten


Nach Aus im Elfer-Krimi  

Wenn Uruguay-Fans russische Polizisten trösten

Aus Moskau berichtet Benjamin Zurmühl

09.07.2018, 10:50 Uhr
WM 2018 – Russland-Aus: Wenn Uruguay-Fans russische Polizisten trösten. Ein weiblicher Uruguay-Fan beim WM-Viertelfinale: Beim Aus der Russen wurden Polizisten von südamerikanischen Anhängern im Zug getröstet. (Quelle: imago images/Sven Simon)

Ein weiblicher Uruguay-Fan beim WM-Viertelfinale: Beim Aus der Russen wurden Polizisten von südamerikanischen Anhängern im Zug getröstet. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Russische Polizisten fallen bei der WM nicht durch Emotionen auf. Sie sind eher nah am Stein als am Wasser gebaut. Doch es gibt Momente, in denen die Fassade bröckelt.

Spontane Reisen während der WM sind teuer, auch in Russland. Besonders in der K.o.-Phase wird so manches Spiel für die Fans zum finanziellen Tiefschlag. Viele Flüge und Züge am Tag vor und nach der jeweiligen Partie sind früh ausgebucht. Somit müssen viele Anhänger auf Züge ausweichen, die spät am Abend fahren.

Im Zug nach Moskau: Russische Polizisten (r.) gucken das Spiel per Livestream auf dem Handy. Andere Fahrgäste schauen ebenfalls zu. (Quelle: privat)Im Zug nach Moskau: Russische Polizisten (r.) gucken das Spiel per Livestream auf dem Handy. Andere Fahrgäste schauen ebenfalls zu. (Quelle: privat)

Auf dem Weg nach Moskau

Das galt auch für einige Fans aus Uruguay, die nach dem Viertelfinal-Aus am Freitagnachmittag erst am späten Samstagabend aus Nischni Nowgorod zurück nach Moskau reisten. Vier Stunden dauert die Fahrt mit dem russischen Schnellzug. Das Spiel zwischen England und Schweden konnten die meisten noch am Bahnhof oder in der Nähe verfolgen, doch während das letzte Halbfinale mit Gastgeber Russland lief, waren sie bereits auf dem Weg nach Moskau.

Doch eine WM wäre nicht eine WM, wenn sie nicht für die kuriosesten Begegnungen sorgen würde. Denn im Zug saßen nicht nur viele Uruguayer, sondern auch ein paar russische Polizisten. Den Großteil der Fahrt setzten sie auf den Liveticker. Doch als es aufs Elfmeterschießen zuging, machte einer von ihnen einen Stream auf dem Smartphone an.

"I'm sorry"

Schnell versammelte sich der ganze Wagon um den kleinen, vielleicht fünf Zoll großen, Bildschirm und schaute gespannt zu. Die letzten Minuten liefen von der Uhr und es kam zum Elfmeterschießen. Inzwischen hatten sich am anderen Ende des Zugs ein paar Fahrgäste um ein anderes Smartphone versammelt. Ihr Stream war etwas schneller.

Bevor überhaupt Ivan Rakitic für den entscheidenden Elfmeter Kroatiens zum Punkt lief, kam der erste Uruguayer vom anderen Ende des Wagons, klopfte dem am Gang sitzenden Polizisten auf die Schulter, und sagte: "I'm sorry". Auch wenn er und sein Kollege den Ausgang des Elfmeters schon kannten, schauten beide gespannt auf den Bildschirm. Als gäbe es noch irgendeinen kleinen Hoffnungsschimmer für Russland. Doch es änderte sich nichts. Rakitic beförderte den Ball ins Netz, Russland war ausgeschieden.

Des einen Freud, des anderen Leid: Der entscheidende Elfmeter von Ivan Rakitic. (Quelle: Reuters)Des einen Freud, des anderen Leid: Der entscheidende Elfmeter von Ivan Rakitic. (Quelle: Reuters)

Die Polizisten ließen niedergeschlagen die Köpfe hängen und setzten ihre Mützen wieder auf, die sie zum Haare raufen während des Elfmeterschießens abgenommen hatten. Trost gab es nun auch von einem kleinen uruguayischen Mädchen. Sie war zwar weder der englischen noch der russischen Sprache mächtig, doch ein mitfühlender Blick reichte, um ein kleines Lächeln in das Gesicht einer der Polizisten zu zaubern. Es stecken also doch Emotionen in den uniformierten Steinklötzen.

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