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WM-Quali: Island in der Krise – das große Beben beim DFB-Gegner

Schwere Vorwürfe gegen Isländer  

Den deutschen Gegner erschüttert ein Beben

08.09.2021, 17:24 Uhr
WM-Quali: Island in der Krise – das große Beben beim DFB-Gegner. Islands Arnor Sigurdsson beim Hinspiel im Duell mit Ilkay Gündogan: Seit der Partie im März hat sich einiges getan. (Quelle: imago images/Uwe Kraft)

Islands Arnor Sigurdsson beim Hinspiel im Duell mit Ilkay Gündogan: Seit der Partie im März hat sich einiges getan. (Quelle: Uwe Kraft/imago images)

Bei der EM 2016 und der WM 2018 war Island der große Sympathieträger. Auch neutrale Fußballfans konnten den Nordeuropäern etwas abgewinnen. Doch das glänzende Image bekommt enorme Kratzer.

Wer an isländischen Fußball denkt, denkt an die sensationelle Teilnahmen an Welt- und Europameisterschaften, an ein "Huh" mit Tausenden "Wikingern" auf der Tribüne und an eine begeisternde Mannschaft, die alle Sympathien für sich gewann. Dass ein Land mit rund 350.000 Einwohnern mit Fußball-Großmächten wie Argentinien, Portugal oder England mithalten konnte, glich einem Wunder. 

Doch von der Euphorie rund um die "Strákarnir okkar" (zu deutsch: Unsere Jungs) ist praktisch nichts mehr übrig. Das liegt nicht an der verpassten EM-Teilnahme 2021 oder der schlechten Ausgangslage in der WM-Qualifikation, sondern an Missbrauchsvorwürfen, die dafür sorgten, dass erst Präsident Gudni Bergsson zurücktrat und ihm anschließend auch der Vorstand folgte.

Der Hintergrund 

Zwei Frauen beschuldigen einen Nationalspieler, sie 2017 sexuell genötigt und belästigt zu haben. Er soll eine von ihnen in einem Nachtclub am Nacken gepackt und ihr in den Schritt gefasst haben. Bei dem Spieler soll es sich laut übereinstimmenden Medienberichten um Kolbeinn Sigthorsson handeln. Der Verband bestätigte die Identität nicht, gab aber bekannt, dass der Rekordtorschütze der Isländer in den WM-Qualifikationsspielen gegen Rumänien, Nordmazedonien und Deutschland nicht zum Einsatz käme.

Er selbst äußerte sich bereits zu den Vorwürfen in einem Statement, bezeichnete sein Verhalten als "unangemessen", entschuldigt habe er sich auch bereits. Den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs wies er aber von sich. Sigthorsson weiter: "Ich bereue, was ich getan habe und übernehme die Verantwortung dafür. Ich wollte mich auch mit ihnen versöhnen. Sie forderten Schmerzensgeld und eine Entschuldigung, in die ich eingewilligt habe." Dazu habe er noch eine Summe von umgerechnet 20.000 Euro für den Kampf gegen sexuelle Gewalt gespendet.

Schweigegeld statt Aufklärungsarbeit

Der Verband sei über die Vorwürfe informiert gewesen, jedoch bestritt Präsident Bergsson vor rund zwei Wochen dieses Wissen, sodass eines der Opfer die Vorwürfe öffentlich machte. Die Frau behauptete sogar, dass sie mit Geld zum Schweigen gebracht werden sollte.

In der Folge wuchs der Druck, weshalb Präsident und Vorstand zurücktraten und der Verband nun ohne Führung dasteht.

Die Frau, die die Vorwürfe öffentlich machte, behauptete, sogar noch weitere Fälle zu kennen. Sie wisse von bis zu sieben aktiven und ehemaligen Nationalspielern, die in Verbindung mit sexuellen Übergriffen stünden. Sigthorsson sei kein Einzelfall. Der tolle Ruf der isländischen Auswahl ist plötzlich ruiniert.

Und so tritt am heutigen Mittwoch gegen Deutschland keine Mannschaft an, die international für ihren Zusammenhalt und ihre Leistung gefeiert wird – sondern ein Team, das jegliche Sympathien zu verlieren droht.

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