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R├╝diger Selig: "Leopard war keine Alternative f├╝r mich"

Von t-online
Aktualisiert am 06.04.2012Lesedauer: 5 Min.
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Das Interview f├╝hrte Michael Wiedersich

Im Interview mit t-online.de spricht er ├╝ber seine ersten Erfolgserlebnisse als Profi, seinen Sprinttrainer Erik Zabel und den Kopfstein-Klassiker Paris-Roubaix, an dem er trotz geprellter Handgelenke und einem gen├Ąhten Ellenbogen teilnimmt.

Herr Selig, wie ist die Saison bislang f├╝r Sie verlaufen?
Durchwachsen. Die Form passt schon und wird nach und nach besser. Die Rundfahrten in Katar und im Oman waren ein guter Einstieg f├╝r mich. Durch die schnellen Rennen konnte man dort viel lernen.

Eine Steigerung zur letzten Saison ist durchaus zu sehen. Sie fahren nun auch in einer anderen Liga. Letztes Jahr noch U23-Fahrer, Vierter bei der WM der U23-Klasse, jetzt beim ProTour-Team Katusha vom Hans-Michael Holczer, was hat sich ge├Ąndert?
Die Rennen sind auf jeden Fall h├Ąrter, l├Ąnger, intensiver, machen aber auch viel Spa├č.

Nach den Etappenrennen in Katar und Oman sind Sie in Belgien gefahren, wie war es?
Belgien ist ein cooles Land, das ich sehr sympathisch finde. Die Rennen dort werden sehr offen gefahren, nach dem Start geht es gleich los, da gibt es nicht viel Taktik, sondern da wird so lange gefahren, bis keiner mehr kann. Ich denke, n├Ąchstes Jahr werde ich die Strecken schon besser kennen als in dieser Saison. Bei den Rennen in Belgien sind Streckenkenntnisse sehr wichtig. Das sieht man ja auch bei den anderen deutschen Rennfahrern wie Andreas Klier oder Robert Wagner, die kennen sich da sehr gut aus und wissen dann auch, wann man vorne fahren muss.

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Bei den Etappenank├╝nften in Katar und dem Oman konnten Sie sich mit vorderen Platzierungen zeigen. In Katar wurden Sie auf der 3. Etappe Siebter, auf der 5. Etappe F├╝nfter und im Oman einmal Zw├Âlfter. In Belgien gab es diese Platzierungen nicht, was war los?
In Katar war ich richtig vorne dabei. Das war mal zum Antesten. Dort konnte ich mich zeigen, damit man sieht, okay, der hat Druck und kann Platzierungen einfahren. In Belgien stand dann die Arbeit f├╝r das Team im Mittelpunkt.

Nun stehen in den n├Ąchsten Wochen die gro├čen Klassiker an, werden Sie da eingesetzt?
Fest steht f├╝r mich die Teilnahme bei Paris-Roubaix. Gleich im ersten Jahr bei den Profis darf ich an diesem Highlight teilnehmen, da freue ich mich sehr drauf. Das wird ein hartes Rennen. Darauf bereiten wir uns hier in der N├Ąhe von Berlin ein wenig vor. Da gibt es ein paar lange Strecken, wo man nur ├╝ber Kopfsteinpflaster fahren kann, das ├╝ben hier schon einmal ein wenig. Das liegt mir auch, denke ich.

Wie sieht der Rennplan bis Paris-Roubaix und die unmittelbare Vorbereitung auf den Klassiker aus?

Nach den Drei Tagen von de Panne und dem Schelde-Preis, der f├╝r mich mit einem Sturz und geprellten Handgelenken ungl├╝cklich endete, sind wir die entscheidenden Streckenteile von Paris-Roubaix zusammen mit unserem Sportlichen Leiter Torsten Schmidt abgefahren. Dabei konnte ich dann noch etwas von meinen erfahrenen Teamkollegen wie Luca Paolini lernen.

Sie haben als Stagiaire (Radsport-Praktikant) im letzten Jahr beim Super-Team Leopard-Trek um die Schleck-Br├╝der, Fabian Cancellara und Jens Voigt erste Profi-Erfahrungen gesammelt. Jetzt stehen Sie beim russischen Team Katusha von Hans-Michael Holczer unter Vertrag. W├Ąren Sie lieber bei Leopard geblieben?
Leopard und Katusha nehmen sich nicht so viel, sie fahren auf jeden Fall in der gleichen Liga. Ich hatte mich riesig gefreut, dass ich f├╝r Leopard im letzten Jahr fahren durfte. Aber Leopard war jetzt keine Alternative f├╝r mich, dort ist ein anderes Teamgef├╝hl und mit dem neuen Teamchef Johan Bruyneel hatte ich auch keinen Kontakt. Mit Teamchef Hans-Michael Holczer und den anderen deutschen Sportlichen Leitern im Team bin ich, glaube ich, auf einem guten Weg, voran zu kommen im Profigesch├Ąft.

Hat denn Katusha f├╝r Sie in diesem Jahr die Teilnahme an einer der gro├čen Rundfahrten geplant?
Ich werde in kleineren Rundfahrten wie der Bayern-Rundfahrt, einigen deutschen Rennen und auch der Eneco-Tour oder der Tour of Beijing in China eingesetzt. Aber Rennen wie die Tour de France, Giro dÔÇÖItalia oder die Spanien-Rundfahrt kommen f├╝r mich noch zu fr├╝h. Man braucht ja auch noch einen Anreiz, ein Ziel vor Augen, wie zum Beispiel, in drei Jahren fahre ich die Vuelta.

Wenn man jetzt die drei Jahre weiter denkt, wo sehen Sie sich da?
Ich hoffe, immer noch im Profi-Peloton. Die Vuelta ist ein gro├čes Ziel, die Tour de France sehe ich noch nicht, aber es h├Ąngt auch alles ein wenig von meiner pers├Ânlichen Entwicklung ab.

Aber bei einer Tour de France sehen Sie sich schon?
Irgendwann schon. Unser Sprint-Trainer Erik Zabel h├Ąlt uns immer sehr gut vor Augen, dass die Tour das Gr├Â├čte ist, da will man schon einmal hin.

Haben Sie denn sehr viel Kontakt mit Erik Zabel, sprechen sie viel miteinander?
Ja, er ist ja Sprinttrainer in unserem Team und da ich ja zur Klassiker- und Sprint-Fraktion in unserem Team geh├Âre, ist da sehr viel Kontakt. Wir kommen hervorragend miteinander klar und ich kann sehr viel von ihm lernen.

Wie muss man sich die T├Ątigkeit von Erik Zabel vorstellen. Gibt er Ihnen Trainingsvorgaben, macht er Videoanalysen, wie geht er da vor?
Im ersten Trainingslager in der Toskana hatte er uns beispielsweise Videoaufnahmen von Etappenank├╝nften bei der Tour de France gezeigt. Anschlie├čend haben wir die Zielsprints ausgewertet und erkl├Ąrt bekommen, wie man einen Sprinterzug richtig er├Âffnet, wie man am besten die Kurven im Finale so f├Ąhrt, das man sich dabei nicht teamintern im Weg steht. Au├čerdem gab es n├╝tzliche Tipps f├╝r den Sprint wie Beobachtung der Gegner und der Windverh├Ąltnisse. Es ist schon sehr hilfreich, wenn man jemanden wie Erik Zabel an seiner Seite wei├č, der schon einige Male das Gr├╝ne Trikot der Tour de France gewonnen hat.

Die Jedermann-Szene im Radsport boomt nach wie vor, viele Rennen wieder der ┼ákoda Velothon in Berlin mit ├╝ber 13.000 oder die Cyclassics in Hamburg mit ├╝ber 20.000 Teilnehmern sprechen eine deutliche Sprache. Sicherlich sehen Sie bei Ihren Trainingsfahrten immer viele ambitionierte Hobby-Rennfahrer. Haben Sie einen Tipp, was diese noch besser machen k├Ânnen?
Mein Rat w├Ąre, dass die Jedermann-Fahrer gerade in Rennen ein besseres Gruppenverh├Ąltnis bilden, geordneter fahren und dies im Training auch ├╝ben. Vielleicht hilft es, sich einmal mit ein paar Profis zu treffen und sich dort ein paar Tipps abzuholen.

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