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Bestes Startwochenende: "Avengers: Endgame" bricht alle Rekorde


Bester Filmstart: So gut ist "Avengers: Endgame" wirklich

  • David Digili
Von David Digili

Aktualisiert am 29.04.2019Lesedauer: 4 Min.
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"Das Ende ist ein Teil des Wegs": "Iron Man/Tony Stark" wird von Robert Downey Jr. noch zerrissener als bisher gespielt.Vergr├Â├čern des Bildes
"Das Ende ist ein Teil des Wegs": "Iron Man/Tony Stark" wird von Robert Downey Jr. noch zerrissener als bisher gespielt. (Quelle: Disney / Marvel Studios)

Am Wochenende brach der neue Marvel-Streifen alle Rekorde und wurde zum Film mit dem besten Startwochenende. Weltweit spielte er bisher 1,2 Milliarden Dollar ein. Verdient?

Der mit Spannung erwartete Film ist kr├Ânender Abschluss der ersten zehn Jahre des "Marvel Cinematic Universe" ÔÇô und ein Film, wie es ihn so noch nicht gegeben hat.

"Ich glaube, dass Trauer noch ├╝bertroffen wird von einem Gef├╝hl der Zufriedenheit und der M├Âglichkeit, den Figuren ein Ende zu geben, das angemessen ist und ├╝berrascht und zum Weg passt, den sie zur├╝ckgelegt haben", sagte Regisseur Anthony Russo vor der Premiere in London im Interview mit t-online.de.

Der 49-J├Ąhrige und sein anderthalb Jahre j├╝ngerer Bruder Joe haben am vergangenen Mittwoch mit "Avengers: Endgame" den gr├Â├čten Film des Jahres in die Kinos gebracht. "Endgame" soll das gro├če Finale der ersten zehn Marvel-Kinojahre sein ÔÇô und was f├╝r eins ist es geworden.

Es ist der 22. Film im 2008 gestarteten "Marvel Cinematic Universe" um die Comic-Superhelden "Iron Man/Tony Stark" (noch intensiver, noch zerrissener, noch genialischer gespielt vom gro├čartigen Robert Downey Jr.), "Captain America" (Chris Evans) und Dutzende andere in einem un├╝berblickbaren Star-Ensemble, von Scarlett Johansson ├╝ber Don Cheadle bis Mark Ruffalo.

Mit einem Budget zwischen 350 und 400 Millionen US-Dollar ist es einer der teuersten Filme der Geschichte ÔÇô und soll und wird ein Vielfaches davon einspielen. An dieser Stelle ├╝brigens vorneweg: Es ist den Filmschaffenden gelungen, vor Kinostart Stillschweigen ├╝ber den genauen Inhalt des Films zu wahren (und von sonst allzu redseligen Darstellern wahren zu lassen), daher wird auch dieser Artikel spoilerfrei bleiben. Auszuz├Ąhlen, wer noch alles dabei ist, w├╝rde den Rahmen sprengen und dazu auch noch spoilern.

Es ist ein Film geworden ├╝ber Verlust und Trauer und Wut und Verzweiflung und ├╝ber den Umgang mit ihnen. In "Avengers: Infinity War" aus dem vergangenen Jahr, an den "Endgame" direkt ankn├╝pft, l├Âschte B├Âsewicht Thanos (Josh Brolin als computergenerierter lilafarbener Riese) die H├Ąlfte aller Lebewesen im Universum aus, auch ein Gro├čteil der Superhelden zerfiel zu Staub. Der erste Teil des mit 181 Minuten Spielzeit ├╝ppig angesetzten "Endgame" besch├Ąftigt sich nun mit den verbliebenen Heroen und ihren Gef├╝hlswelten. Daf├╝r l├Ąsst er sich beeindruckend viel Zeit. Dass den Russos das von oft allzu unruhigen Produzenten erlaubt wurde, ist das erste gro├če Geschenk des Films.


Denn startete "Infinity War" noch direkt mit Spektakel, l├Ąuft der Nachfolger nun langsam an, beleuchtet in behutsamer Weise die innere Zerrissenheit der Helden. Die Russos stellen die Frage, die sich jeder stellt, der einen schweren Schlag erleiden, eine ausweglose Situation meistern, einen schweren Fehler, ob selbst verschuldet oder unabsichtlich, verarbeiten musste: Wie damit umgehen? Kann man den Fehler ausb├╝geln, das eigene Versagen wiedergutmachen, die Katastrophe gar irgendwie ungeschehen machen? Sie geben selbst auch die Antwort: Das ist l├Ąngst nicht so leicht wie gedacht, rohe Gewalt hilft dabei schon gar nicht.

Und zeigen dann, wie die Helden mit ihrer scheinbar endg├╝ltigen, unwiderruflichen Niederlage umzugehen versuchen. Das Regisseur-Bruderpaar l├Ąsst sie zu widerwilligen Leitern einer Selbsthilfegruppe f├╝r andere Betroffene der "Dezimierung" werden, andere gr├╝nden Familien, leben resigniert in den Tag, verfallen dem Alkohol oder fl├╝chten sich in Gewaltexzesse. Bis durch eine schicksalhafte F├╝gung das bisschen verbliebene Hoffnung wieder aufflammt.


An dieser Stelle wird der Film zum St├╝ck ├╝ber Optimismus, ├╝ber Liebe und Vertrauen und Gl├╝ck und ihre Bedeutung ÔÇô und zum virtuosen, wilden Kunstwerk ├╝ber (nun doch ein Mini-Mini-Spoiler!) Zeitreisen. Szenarien, Orte und Ereignisse aus den bisherigen Filmen werden neu entdeckt, neu interpretiert. Das f├╝hrt zwangsl├Ąufig zu Momenten und Erinnerungen, die ergreifen, die bewegen, die ├╝berraschen und erbarmungslos die Tr├Ąnen in die Augen treiben (was der Autor dieser Zeilen selbst best├Ątigen kann. Mehrfach).

Dass der Film hier nicht komplett zum emotionalen R├╝hrst├╝ck verkommt, verhindern die Russos und die genialen Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely mit intelligenter Komik ÔÇô und vor allem mit irrsinnigen Wendungen und ├ťberraschungen, mit einem fast unheimlichen Gesp├╝r f├╝r exakt die Momente, in denen sie am allerwenigsten erwartet werden. Mal herzzerrei├čend tragisch, mal herrlich verr├╝ckt.

Und so steuert der bis hierhin schon furiose Film auf ein noch furioseres Finale zu, das es in seiner bombastischen ├ťberdimensioniertheit nicht nur im Superheldenkino noch nicht gegeben hat. Ein Film, der sich aller Bedeutungsschwere zum Trotz nie zu ernst nimmt, sich seines eigenen Wahnsinns bewusst ist und diesen gen├╝sslich zelebriert (und dabei "Zur├╝ck in die Zukunft" ordentlich einen mitgibt). Die Russos sind selbst seit ihrer Kindheit Marvel-Fans, und das zeigt sich auch in ihrem insgesamt vierten Film f├╝r das "Marvel Cinematic Universe". Denn jede Figur bekommt ihren Moment, ihren gro├čen Auftritt, eine manchmal letzte Verbeugung vor den Fans.

Dass dabei vereinzelt die Logik im Skript auf der Strecke bleibt, dass an der einen oder anderen Stelle zu radikal ├╝berdreht wird? Geschenkt. "Avengers: Endgame" ├╝berw├Ąltigt mit der ganzen Bandbreite, die die Gef├╝hlswelt hergibt. Ein opulentes, anspruchsvolles Spektakel, das seine Zuschauer fordert ÔÇô aber auch viel Wissen ├╝ber Ereignisse aus den bisherigen 21 Filmen voraussetzt. Die Russos behandeln das Publikum nicht wie kleine Kinder, denen alles noch mal erkl├Ąrt werden muss, sondern sie gehen davon aus, dass der Zuschauer mit genau der gleichen Begeisterung und dem gleichen Wissensstand in den Film geht wie sie selbst. Ein Film von Fans f├╝r Fans.

"Das Ende ist ein Teil des Wegs", sagt Tony Stark an einer Stelle des Films. Es h├Ątte furioser, bombastischer, aufw├╝hlender, ber├╝hrender nicht ausfallen k├Ânnen.

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