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CD-Kritik: Jan Delay mit "Hammer & Michel"

Galopper durch die Musikstile  

Jan Delays Versuch einer Rockplatte

11.04.2014, 08:38 Uhr | Philipp Maxrath / Intro, t-online.de

CD-Kritik: Jan Delay mit "Hammer & Michel". Jan Delay versucht sich jetzt als waschechter Rocker. (Quelle: Universal Music)

Jan Delay versucht sich jetzt als waschechter Rocker. (Quelle: Universal Music)

Verzerrte Gitarren auf einem Jan Delay-Album? Rock? Endlose Gitarrensoli? "Hammer & Michel" glänzt durch die Abwesenheit von HipHop-Beats und reduzierten Funk. Mit dem Album setzt Delay seine Reise durch die Pop-Stile konsequent fort.

Jan Delay hat in seiner Musikerkarriere schon viel erreicht. Schon als MC setzte er sich mit seiner HipHop-Kombo Beginner an die Spitze des Genres, bevor er mit seinen Soloalben "Searching for the Jan Soul Rebels", "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" und "Mercedes Dance" erst Reggae, dann Soul und schließlich Funk okkupierte. Hits wie "Oh Johnny", "Klar" und "Disko" zementierten seinen Platz an der Spitze der Charts. Dass er daneben auch der Rockmusik etwas abgewinnen kann, verschwieg er dabei nie. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass er sich für sein neues Album den harten Gitarren widmete. Dementsprechend ist "Hammer & Michel" ein Deutschrock-Album reinsten Wassers geworden. Delay vermeidet aber zähe Klischees und Plattitüden. Er setzt stattdessen auf die Kraft guten Entertainments.

Headbangen ist das neue Kopfnicken

Schon die Vorab-Single "Wacken" gab nicht zuletzt wegen seines auf dem Metal-Festival "Wacken Open Air" gedrehten Videos die Richtung vor. Wie mehrere Stücke des Albums besticht der Song durch Gitarrensoli und einen schmissigen Hardrocksound, für den Delays favorisierte Rockbands Mando Diao und Jet Paten standen. Mit "Ich muss hier raus, wenn ihr mich braucht ich bin auf Wacken" setzt der Hamburger ein Statement, das seine Sympathie für die Szene herausstreicht. Überhaupt offenbart "Hammer & Michel" über die ganze Albumlänge die Fan-Perspektive, aus der Delay die Rock-Szene betrachtet. Ein Song wie etwa die "Scorpions-Ballade" steht weniger für Distinktion, sondern mehr für Verbundenheit zum gemeinen Rock-Fan. Er bemüht sich sogar, emanzipatorische Vorteile von Rock gegenüber anderen Genres herauszustreichen: "Alder, es ist echt zu krass, ich komm nicht mehr klar. Denn die Faschos hören Tupac, die Bullen Bob Marley".

Mehr Unterhaltung als Innovation 

Die Konsequenz, mit der sich Jan Delay von Album zu Album wandelt, verdient jeden Respekt. Es gibt kaum Künstler, die in verschiedenen Genres ein derart hohes Niveau halten, ohne sich komplett in Klischees und Plattitüden zu verzetteln. Zwar ist "Hammer & Michel" mehr ein Album eines Rockmusik-Darstellers als das eines richtigen Rockers geworden. Allerdings wäre der Rapper auch schlecht beraten gewesen, zu aufdringlich Authentizität vorgaukeln zu wollen. Der Fokus liegt mehr auf Unterhaltung und Inszenierung als auf Innovation im gerade neu entdeckten Genre. Delays Gitarren-Riffs hat zwar man schon tausendmal gehört, sie gelingen aber auch noch in der tausendersten, pointiert eingespielten Version. Gepaart mit seinem Talent für Slogans und Hit-Sing-a-longs und seiner aufrichtigen Liebe zur Rockmusik macht das ein Album, dass sich bruchlos in die hochklassige Diskographie Jan Delays einreiht.

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