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"Die Volksmusik wird kaputt geredet"

Von t-online, dpa
Aktualisiert am 02.10.2014Lesedauer: 2 Min.
Die Wildecker Herzbuben Wolfgang Schwalm (li.) und Wilfried Gliem
Die Wildecker Herzbuben Wolfgang Schwalm (li.) und Wilfried Gliem (Quelle: dpa-bilder)
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Die Wildecker Herzbuben beklagen, dass die deutsche Volksmusik in der Krise stecke: "Volksmusik ist auf dem absteigenden Ast. Sie wird gerne kaputt geredet. Für einige ist es das Schlimmste, was es gibt", bedauert Sänger Wilfried Gliem (68). Seiner Skepsis zum Trotz hat das schwergewichtige Duo mit seinen rot-weißen Schwälmer Trachten in diesen Tagen einen echten Grund zum Feiern: Ihr populärster Hit "Herzilein", der sich millionenfach verkaufte, wird am 4. Oktober 25 Jahre alt.

Laut Gliem wird die Volksmusik immer wieder an den Pranger gestellt. Auch der Musikverkauf gehe für viele Künstler zurück, abgesehen von Stars wie Helene Fischer und Andrea Berg.

Musik-Experte hält dagegen

Erst kürzlich hatte Gliem mehr Volksmusik im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gefordert. Die Programm-Macher müssten alle Zuschauer gleichermaßen bedienen. Derweil kann der Musik- und Radio-Experte Jürgen Christ von der Musikhochschule Karlsruhe die Aufregung nicht verstehen und hält dagegen: "Die Volksmusik-Branche darf sich nicht beklagen. Sie ist in Vollprogrammen noch stark vertreten."

Trotz ihres Klagelieds über den Untergang der Volksmusik haben die Wildecker Herzbuben ordentlich zu tun. So sind Gliem und sein Partner Wolfgang Schwalm (60) im Oktober wieder auf Tournee. Erst im Mai brachten sie ihr neuestes Album ("Sommer, Sonne, Herzilein") heraus.

"Schwebten fortan auf der Erfolgswelle"

Die Karriere des Duos startete vor 25 Jahren mit ihrem Hit "Herzilein", der ihr erster Song überhaupt war. Das Lied ebnete ihnen den Weg in eine lukrative Musikkarriere mit Auszeichnungen und Tourneen. "Es gab einen Riesen-Hype um dieses Lied. Es hat unser Leben auf den Kopf gestellt. Wir schwebten fortan auf einer Erfolgswelle", so Gliem, der im osthessischen Wildeck wohnt. "Damals auf dem Boden zu bleiben, war schon aufgrund unseres Gewichts kein Problem."

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Umso kurioser ist, dass die Herzbuben nur durch Zufall an den eingängigen Song kamen. Keiner wollte ihn singen. Angeboten worden sei er zuvor unter anderem Peter Alexander und Gottlieb Wendehals (Werner Böhm). Erst Sänger G.G. Anderson, der bei der Schallplattenfirma Hansa unter Vertrag stand, sagte: "Das ist was für die beiden Dicken aus meiner Band." Der Rest ist Geschichte. "Die Single ging direkt ab wie eine Rakete", schwärmt Gliem. Wenige Monate später schoben sie 1990 das Album "Herzilein" nach.

Schwalm gab seinen Job in einem Elektrogroßhandel auf und setzte voll auf Volksmusik. Doch im Laufe der Jahrzehnte gelang den Schunkelstars nie wieder solch ein Gassenhauer. "Wir wissen nicht, was einen Hit zum Hit macht - sonst würden wir Millionen scheffeln. Aber wenigstens hatten wir überhaupt einmal solch einen Knaller. Das gelingt ja nicht jedem", freut sich Gliem. "Die Leute mögen es, weil es Gemütlichkeit ausstrahlt. Es ist unterhaltsam, macht die Menschen glücklich und kommt überall gut an: vom Kindergarten bis zum Altenheim."

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