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Patricia Kelly: Darum war sie Weihnachten einmal im Gefängnis

INTERVIEWPatrica Kelly  

Darum feierte sie Weihnachten einmal im Gefängnis

Von Sebastian Berning

22.12.2020, 18:30 Uhr
Patricia Kelly: Darum war sie Weihnachten einmal im Gefängnis. Patricia Kelly: Die Musikerin ist großer Weihnachtsfan. (Quelle: Universal Music)

Patricia Kelly: Die Musikerin ist großer Weihnachtsfan. (Quelle: Universal Music)

Weihnachten ist Familienzeit – auch bei Patricia Kelly. Im Interview mit t-online spricht sie über ihre Jugend mit der Kelly Family, Weihnachten im Gefängnis und wie sie dieses Jahr mit ihren Söhnen feiern wird.

Mit "My Christmas Concert" feiert Patricia Kelly nun Weihnachten. Für sie ist das eine Zeit, die sie sehr mit ihren verstorbenen Eltern verbindet. Im t-online-Interview spricht sie über ihre Familie und Weihnachten

t-online: Seit September gibt es Lebkuchen in den Supermärkten. Wann bekommen Sie Lust auf die Feiertage?

Patricia Kelly: Ich war gerade in einer Weihnachtsproduktion. Ich habe ja keine Wahl. (lacht) Weihnachtsalben werden im Sommer aufgenommen, TV-Sendungen werden auch eher aufgezeichnet und die Glitzerkleider aus dem Schrank geholt. Da komme ich früh in Stimmung.

Wie versetzen Sie sich denn im Sommer oder Herbst schon in die richtige Stimmung?

Das ist schon hart! Da müssen sich Team, Management und Plattenfirma schon richtig bemühen, um einen in die richtige Stimmung für Weihnachtslieder zu bekommen. Da ist man ja eher in Partystimmung. Daher ist das Tonstudio oft weihnachtlich dekoriert, auch wenn draußen 30 Grad sind. (lacht) Aber diese Lieder haben einen Zauber, der einen auch im Hochsommer sofort einnimmt.

Auf Ihrem Album haben Sie viele Klassiker gesungen. Welcher ist Ihr Favorit?

Ich singe schon immer auf Englisch. Auch wenn verschiedene Plattenfirmen mich in den vergangenen Jahren immer wieder gerne auf Deutsch singen gehört hätten, weil sich das besser verkaufen würde. Aber bei den Weihnachtsliedern sind tatsächlich die deutschen die besten. Mein Liebling ist "Da ist ein Ros' entsprungen".

Und der ist gar nicht so ausgelutscht wie "Stille Nacht".

Eben! Die Texte und die Melodien bei diesen Songs sind einfach schön. Ich bin in Spanien geboren und da gibt es wirklich keine besinnlichen Weihnachtslieder. Das ist alles so "Feliz Navidad"-mäßig und eine Party.

Patricia Kelly live bei einem Weihnachtskonzert in Hannover 2018. (Quelle: imago images / Future Image)Patricia Kelly live bei einem Weihnachtskonzert in Hannover 2018. (Quelle: imago images / Future Image)

Sind Weihnachtslieder für Sie genauso wichtig wie die Gans und der Tannenbaum?

Natürlich. Wir singen auch daheim. Unsere Jungs – Iggi ist 17 und Alex 19 – müssen noch immer jedes Jahr Lieder singen. Auch wenn sie das sicher uncool finden, machen sie das für mich. Sonst lasse ich sie nicht aus dem Haus! (lacht) Und wissen Sie, was mein liebstes Weihnachtsalbum ist?

Noch nicht, ich hätte das aber später noch gefragt. Jetzt bin ich gespannt.

Ich höre nie meine eigene Musik oder die Kelly Family oder meinen Geschwistern. Ich höre das nicht, weil ich das ja selbst mache. Ich höre da lieber Adele oder so. Zu Weihnachten wird aber die ganz alte Weihnachts-CD der Kelly Family rausgeholt. Die ist 40 Jahre alt und heißt "Christmas All Year". Da sind die Stimmen meiner Eltern zu hören. Bei der Aufnahme damals war ich acht oder neun Jahre alt. Da muss ich weinen, wenn meine Mama singt. Und immer wenn das an Heilig Abend gespielt wird, kommen meine Jungs schon mit den Taschentüchern.

Wie war denn Weinachten bei der Kelly Family früher?

Meine Eltern waren schon crazy, aber großartige Menschen. Wir haben jedes Jahr die Nächstenliebe praktiziert. Wir haben es nicht uns, sondern anderen schön gemacht. Über die Feiertage haben wir mal ein Gefängnis, mal eine Kinderkrebsstation oder eine Obdachlosenküche besucht und dort für die Menschen gesungen.

Was macht das denn mit einem kleinen Mädchen, wenn sie im Knast steht und für Kriminelle an Weihnachten Lieder singt?

Das war positiv. Kinder sind nicht blöd und haben einen Sinn für die Wahrheit. Man versteht etwas vielleicht nicht intellektuell, aber intuitiv. Ich bin bodenständig erzogen worden. Durch solche Aktionen habe ich früh gelernt, dass es einen mehr erfüllen kann, wenn man etwas gibt, als wenn man etwas bekommt. Diese Abende waren manchmal schöner als die Puppe, die ich bekommen habe. Ich habe viele Inhaftierte weinen sehen, weil sie ihre Familien vermissen. Das ging mir damals sehr an Herz.

Und wie feiern Sie heute?

Diese Tradition habe ich fortgeführt. Meine Kinder und ich gehen jedes Jahr am 25. Dezember und singen für Obdachlose. Wir geben auch Essen aus und waschen Teller ab. Sonst besuchen uns auch einige meiner Geschwister. Die kommen gerne zum Essen, wenn sie nicht abwaschen müssen. (lacht) Dieses Jahr wird das wohl nicht passieren. Wir können froh sein, wenn meine Jungs alle da sind.

Haben Sie und ihre Familie eigene Traditionen entwickelt?

Weihnachten ist meist eine Zeit, wo man als Künstler noch viel unterwegs ist. Ich komme meist am 23. Dezember mitten in der Nacht nach Hause. Am nächsten morgen hole ich dann jedes Jahr noch die letzten Geschenke. Uns ist der Zusammenhalt als Familie wichtig. Wir singen, wir kochen auch zusammen.

Haben Sie ein Essen der Marke „same procedure as every year“?

Nein, das wechselt jedes Jahr. Mein Mann hat russische Wurzeln, ich spanische und wir leben in Deutschland. Das ist also schon multikulti bei uns. Vom Truthahn über Ente gibt es auch russisches Essen. Mir ist es nur wichtig, dass der Tannenbaum und die Krippe stehen. Die Krippe habe ich seit Jahren. Als Alexander geboren wurde, fiel mir auf, dass ich keine habe. Ich war am Stillen und total im Stress. Das Au-Pair-Mädchen sollte irgendeine Krippe für sein erstes Weihnachten holen und hat in einem Ein-Euro-Shop eine gekauft. Ich konnte es danach nicht übers Herz bringen, diese Krippe zu ersetzen. (lacht)

Wohnen Ihre Kids eigentlich noch beide zu Hause?

Alex hat seine eigene Wohnung seit gut einem Jahr. Er studiert BWL und hat nebenbei einen Onlinehandel für Vintage-Kleidung. Er ist schon ein kleiner Unternehmer. Dafür reist er manchmal durch die Welt und kauft ein. Ich wünsche mir manchmal, dass er da mehr für die Uni machen würde. (lacht) Aber zu Weihnachten kommt er natürlich. Am Wochenende, wenn er richtig hungrig ist, kommt er auch gerne vorbei und freut sich über Bratkartoffeln.

Und Ihr Jüngster?

Der Iggi wohnt noch bei uns. Er hat aber seit anderthalb Jahren eine Freundin und ist auch viel mit ihr unterwegs. Er hat mit seinen 17 Jahren von Warner schon einen Vertrag als Songwriter bekommen und schreibt für einige Künstler Lieder. Unsere Kids sind sehr unabhängig und reif für ihr Alter.

Ist das jetzt das erste Weihnachten, wo ihr Großer nicht mehr Zuhause wohnt?

Das erste, wo er wirklich weg ist, ja. Und ich werde die Türen abschließen, dass er nicht mehr weggeht. Als Mutter ist das wirklich hart. Ihr Jungs lacht da immer, ihr wollt raus in die weite Welt. Von daher freue ich mich richtig auf dieses Fest. Dass wir alle zusammen sind, ist das einzig Wichtige für mich.

Verwendete Quellen:
  • Eigenes Gespräch mit Patricia Kelly
  • Instagram-Profil von Patricia Kelly

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