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Sebastian Krumbiegel von Die Prinzen: "Haben gestritten und gelogen"

INTERVIEWDie Prinzen  

Sebastian Krumbiegel: "Wir haben gestritten und gelogen"

Von Sebastian Berning

31.05.2021, 20:09 Uhr
Sebastian Krumbiegel von Die Prinzen: "Haben gestritten und gelogen". Die Prinzen: Sebastian Krumbiegel ist einer der Sänger der Kultgruppe. (Quelle: IMAGO / Future Image)

Die Prinzen: Sebastian Krumbiegel ist einer der Sänger der Kultgruppe. (Quelle: IMAGO / Future Image)

Die Kultband feiert Geburtstag: Die Prinzen werden 30. Im Interview mit t-online spricht Sänger Sebastian Krumbiegel über die Anfangstage, große Erfolge und Demut. Außerdem verrät er, wie man drei Dekaden miteinander aushält.

"Millionär", "Gabi und Klaus", "Küssen verboten", "Deutschland", "Alles nur geklaut" – sollten Sie jetzt mindestens einen Ohrwurm haben, können Sie sich bei Sebastian Krumbiegel von Die Prinzen bedanken. Die Band, die in der DDR startete, wurde in den frühen 90ern nach der Wende schnell zu einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Gruppen.

2021 wollte man das Jubiläum groß feiern. Neue Tour, das neue Album "Krone der Schöpfung" und noch viel mehr war geplant. Durch Corona fällt das alles flach. Sänger Sebastian Krumbiegel nutzt die erzwungene Verschnaufpause und lässt die Karriere, die er gar nicht so nennen möchte, Revue passieren.

t-online: 30 Jahre die Prinzen. Ich bin letztes Jahr 30 geworden. Die große Drei vorne war schon komisch. Wie geht es Ihnen da als Band?

Sebastian Krumbiegel: Ich habe über dieses Jubiläum eigentlich nie nachgedacht. Irgendwer meinte dann, dass wir bald unseren 30. feiern würden. Als wir angefangen haben, das Jubiläum zu planen, da habe ich auch an meinen eigenen 30. Geburtstag gedacht. Das war 1996 und wir waren auf dem Höhepunkt des Erfolgs. Ich habe eine Party, ein rauschendes Fest geschmissen und viele Freunde waren da. Die haben mir alle so 30er-Verkehrsschilder geschenkt. Das fand ich lustig, trotzdem dachte ich damals auch "30, scheiße …"

Die 29 fand ich auch schon nicht ideal. Da nahte die 30 zu sehr.

Da bin ich etwas optimistischer. In den Club 27 kann man nicht mehr kommen. Man ist mit 28 schon zu alt, um jung zu sterben. Und dann gibt es den Spruch "Trau keinem über 30" und das ging mir echt nah. Mit Jugend hast du dann nichts mehr zu tun (lacht). Aber klar, als Band ist das ein schöner Anlass. Ich wundere mich noch immer, wo die Zeit hin ist. Das sagen wohl alle über 50 (lacht). Die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Es ist aber auch schön, dass wir es so lange miteinander in der gleichen Besetzung ausgehalten haben. Das ist ja nicht selbstverständlich.

Und dann kann man dieses Jubiläum dank Corona nicht richtig feiern …

Nein, schön ist das wirklich nicht. Das hätten wir uns auch anders vorgestellt. Gerade weil das so ein schöner Anlass ist. Wir haben zusammen seit dem 6. Oktober 2019 auf keiner Bühne mehr gestanden. Und das ist schon echt schmerzhaft. Ich habe früher immer so ein bisschen über diesen Satz gelächelt: "Applaus ist das Brot des Künstlers". Heute weiß ich, dass da wirklich etwas Wahres dran ist und wir den Applaus oder auch das Adrenalin brauchen. Das ist etwas, weswegen wir mit der Musik überhaupt angefangen und mit 15 die erste Band gegründet haben. Die Pandemie-Zeit haben wir immerhin mit den Aufnahmen für das Album nutzen können.

Wie haben Sie als Band die Pandemie erlebt? Treffen im Proberaum waren ja sicherlich nicht möglich.

Nein, wir haben uns erstmal immer dienstags in einem Zoom-Call getroffen. Einfach, um in Kontakt zu bleiben. Aber beim Songwriting haben wir dieses Mal bewusst mit externen Leuten gearbeitet, die mit dem Prinzen-Kosmos nichts zu tun hatten. Da haben wir uns mit anderen Musikern und Produzenten getroffen. Natürlich einzeln und mit Maske. Da war nicht die komplette Band dabei, sondern nur Tobias oder ich mit einem Songwriter. Wenn du 30 Jahre zusammen Musik machst und wenn du dich, so wie wir zum großen Teil, schon über 40 Jahre kennst, dann ist irgendwie alles schon mal erzählt worden. Dann brauchst du in irgendeiner Weise neue Einflüsse.

Da waren sie noch jung: Sebastian Krumbiegel (m.) und die Die Prinzen 1991. (Quelle: IMAGO / teutopress)Da waren sie noch jung: Sebastian Krumbiegel (M.) und Die Prinzen 1991. (Quelle: IMAGO / teutopress)

Im Song "Dumme Ideen" heißt es, dass ebendiese immer die besten sind. Ist das bei Ihnen auch so?

Ich glaube, man muss immer alles zulassen, was einem in den Sinn kommt. Aber man muss dann am Ende aussieben. Die dümmste Idee ist ja oft sogar die geilste. Das gilt nicht nur in der Musik, sondern auch im Leben. Klar, wir sind Männer über 50, die teilweise echt infantile Witze machen – und wir sind wirklich froh über dieses Ventil – aber auch da müssen wir mal Quatsch zulassen. Wir sind ja keine Steuerberater oder Ärzte (lacht). Wir können davon seit 30 Jahren leben und uns glücklich schätzen, dass wir das schon so lange machen können. Das hat aber nichts damit zu tun, dass wir irgendetwas besser machen oder besser planen als andere, sondern dass war einfach eine Menge Glück hatten. Ich meine das nicht fishing-for-compliments-mäßig, aber wir haben so oft zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Leute getroffen, die uns Türen gezeigt oder diese sogar auch noch aufgemacht haben. Selbst jetzt noch. Denn eigentlich ist Popmusik ein junges Geschäft und wir können noch immer als alte, weiße Cis-Männer mit einem neuen Team ein neues Album veröffentlichen.

"Wir werden groß, aber nie erwachsen" singen Sie in "Das sind wir". Muss man sich im besten Falle auch mit Anfang 50 noch das Kind im Manne behalten?

Also ich zumindest schon. Ich glaube, dass unser Beruf dafür prädestiniert ist, um jung zu bleiben. Das kannst du irgendwie schlechter machen, wenn du Pfarrer oder Steuerberater bist. Als Prinzen gehen wir mit viel Selbstironie und Humor an das Leben heran. Man sollte die Leute niemals missionieren und ihnen sagen, was sie zu tun und zu lassen haben. Ich neige dazu manchmal, aber die anderen weisen mich da schon zurecht.

Blicken wir mal zurück. Also 30 Jahre Prinzen heißt ja auch 30 Jahre seit Sie ihr Debüt "Das Leben ist grausam" veröffentlicht haben. Wie erinnern Sie sich an diese Phase?

Wir hatten das Glück, Leute zu treffen, die uns geholfen haben und die irgendwie unsere Originalität oder unsere musikalischen und textlichen Qualitäten erkannt haben. Ich bin mir sicher, dass es in jeder Generation ein Haufen von solchen Künstlerinnen und Künstlern gibt, die total originell und eben auch in einer Weise etwas neu oder anders machen, die aber eben nicht das Glück haben, diese Leute zu treffen, die einen weiterbringen können. Diese Zeit damals war ein totaler Rausch. Es ging alles schnell. Natürlich auch, weil die Mauer gefallen ist.

Also das war eher eine Sturm-und-Drang-Phase bei Ihnen? Wiedervereintes Deutschland, die erste Platte direkt ein Hit und ein Lebensstil à la Sex, Drugs and Rock'n'Roll?

Wir fühlten uns unverwundbar und haben gedacht, wir können die Welt erobern. Wir haben ja schon in der DDR Musik gemacht und dachten uns einfach nur "Geil, jetzt werden wir auch bundesweit Popstars". Wir waren schon größenwahnsinnig und teilweise völlig vorbei an der Realität. Und natürlich haben wir damals an der Uhr gedreht. Es macht natürlich etwas mit einem, wenn man jeden Abend vor 10.000 Leuten Konzerte gibt. Alle haben uns gesagt, wie toll wir wären. Irgendwann glaubt man das und hebt ab. Man muss aber wissen, dass dieser ganze Zirkus am Ende einfach nur ein Zirkus ist. Die Demut kommt allerdings erst später im Leben. Und das ist vielleicht auch gut so. Am Anfang glaubt man, man ist der Geilste und will Popstar werden. Und dann hatten wir eben auch die Chance dazu.

Wann kam denn diese Demut? So ab 1996 konnte man ja nicht mehr so ganz an die ganz großen Erfolge anknüpfen.

Ich glaube, die kam erst weit nach 96 (lacht). Wir haben früher eine Million CDs verkauft, dann halt nur noch 250.000. Das ist ja noch immer kein wirklicher Misserfolg. Ich will nicht von "Karriere" sprechen, weil das so geschäftsmäßig klingt, aber wenn man als Künstler einen langfristigen Weg beschreiten will, dann gibt es da eben auch Täler. Und erst dann zeigt sich, ob man wirklich dafür gemacht ist. Ich glaube, dass das auch das Echte an uns ist, dass wir als Band es irgendwie immer wieder geschafft haben, uns entweder gegenseitig oder auch gemeinschaftlich aus diesen Tälern herauszukämpfen.

Viele Freundschaften oder Ehen halten nicht so lange wie Ihre Band. Wie hält man es denn überhaupt so lange miteinander aus? Muss man da auch wie Metallica in der Doku "Some Kind of Monster" mit einem Therapeuten zusammensitzen?

Den Film von Metallica kenne ich auch und habe mir gedacht, dass das nur Leute verstehen werden, die selbst in einer Band sind. Da hängt so viel mit dran. Wir haben auch gestritten, gelogen, uns aber jedes Mal verziehen. Das ist normal. Das muss man aber auch wissen, dass das normal ist. Und das gilt nicht nur für eine Band, sondern auch für eine Ehe, eine Freundschaft oder die Kollegen. Man darf nie aufhören, miteinander zu reden. Über die Jahre entwickelt man sich sicherlich mal in verschiedene Richtungen und vielleicht lebt man sich auch mal für eine Phase auseinander. Die Gefahr von so Konstellationen ist immer, dass man sich entfremdet. Aber wenn man den Dialog sucht und Probleme kommuniziert, dann hat man gute Chancen, da cool durchzugehen.

Verwendete Quellen:
  • Eigenes Gespräch mit Sebastian Krumbiegel
  • Instagram-Profil von Die Prinzen

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