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Ikone des Feminismus - Promi-Geburstag vom 17. Mai 2020: Valie Export

Ikone des Feminismus  

Promi-Geburstag vom 17. Mai 2020: Valie Export

17.05.2020, 00:03 Uhr | dpa

Ikone des Feminismus - Promi-Geburstag vom 17. Mai 2020: Valie Export. Die österreichische Medienkünstlerin Valie Export wird 80.

Die österreichische Medienkünstlerin Valie Export wird 80. Foto: Fotokerschi/apa/dpa. (Quelle: dpa)

Wien (dpa) - Die Aufregung hätte kaum größer sein können, als sich die Künstlerin Valie Export ihr Tapp- und Tastkino vor die nackte Brust schnürte. In der Wiener Innenstadt lud die Österreicherin die Passanten ein, durch den kleinen Vorhang in den Kasten zu greifen.

33 Sekunden konnte jeder ihren entblößten Oberkörper ertasten. Das war vor über 50 Jahren und gilt bis heute als Meilenstein des feministischen Aktionismus.

Sie wollte zeigen, was im Kino oft verdeckt blieb: die Darstellung der Frau als reines Lustobjekt. Ihr Motto: "Kunst muss aggressiv sein. Ich wollte immer eine Reaktion vom Publikum und Auseinandersetzungen herausfordern", sagte Export der Deutschen Presse-Agentur anlässlich ihres 80. Geburtstags am 17. Mai.

Zahlreiche geplante Feste wurden wegen der Corona-Krise abgesagt. Sehr zum Leidwesen von Export, die gern feiert. Sie versucht, die Epidemie in ihrer Wiener Wohnung mit Blick auf das Riesenrad auszusitzen und will im kommenden Jahr ihr Jubiläum groß nachfeiern.

Für Kunst und den Feminismus brennt sie nach wie vor. "Ich bin immer noch wütend", sagte Export. Wichtiger Schlüssel zur Gleichstellung bleibe die gleiche Bezahlung für beide Geschlechter. Gerade jetzt zeige sich, dass soziale Berufe, die meist von Frauen ausgeübt werden, zu schlecht bezahlt seien. Das Klatschen für Krankenschwestern oder Verkäuferinnen verkomme so zum Hohn. "Sie brauchen keinen Applaus, sondern eine bessere Bezahlung." Export sieht aktuell eine Chance für den Feminismus. "Diese Krise muss die Veränderung bringen."

Heute würde man die Dame mit den rot gefärbten kurzen Haaren und der ruhigen Stimme kaum mit der Provokateurin der 60er- und 70er-Jahre in Verbindung bringen. Dabei wurde sie mit ihren teils schmerzhaften und häufig nackten Grenzüberschreitungen eine Ikone der feministischen Bewegung. Ihre Kunst wurde dabei lange verschmäht, sie selbst angefeindet und sogar angegriffen. Sie bereut nichts. "Ich konnte gar nicht anders, ich musste Konventionen aufbrechen."

Als Waltraud Lehner kam sie 1940 in Linz zur Welt. Ihr Vater starb im Zweiten Weltkrieg, ihre Mutter zog die drei Töchter allein groß. Sie rebellierte früh. Mit 18 Jahren wurde sie schwanger, ließ sich schnell vom Kindsvater wieder scheiden. Ihre Tochter blieb bei ihrer älteren Schwester, als sie nach Wien ging, um Künstlerin zu werden. Ein Eklat, der sie bis in die Hauptstadt verfolgte. Später wurde ihr wegen einer Pornografie-Anklage - sie brachte ein skandalumwittertes Buch heraus - zeitweise das Sorgerecht entzogen. Finanzielle Sorgen begleiteten sie eigenen Aussagen zufolge nahezu ihr Leben lang.

In Wien arbeitete sie zunächst für den Künstler Friedensreich Hundertwasser und kam in den Kreis des Wiener Aktionismus rund um Hermann Nitsch und Günter Brus. Eine engere Zusammenarbeit gab es nie. Das Frauenbild der Künstler war ihr viel zu verstaubt. Dafür führte sie ihren damaligen Partner und Kollegen Peter Weibel einmal mitten in Wien wie einen Hund auf allen vieren an der Leine spazieren.

In ihren frühen Videos, Fotografien und Aktionen stand Export meist selbst im Mittelpunkt - und das oft entblößt. Bis heute in Erinnerung bleibt ihre "Genitalpanik", die danach zur Fotoserie "Aktionshose: Genitalpanik" wurde. Während eines Filmfestivals in München spazierte sie mit einer am Schritt aufgeschnittenen Hose in ein Kino und verkündete: "Was Sie normalerweise im Kino auf der Leinwand sehen, sehen Sie jetzt in der Realität, ein Kino der Wirklichkeiten." Auf dem Foto in Schwarz-Weiß ist neben der dichten Schambehaarung ein Maschinengewehr zu sehen. "Das Gewehr war ein Instrument der männlichen Macht. Macht, die Frauen nicht zugesprochen wurde."

Im Kurzfilm "Remote, Remote" schnitt sie 1973 vor dem Hintergrund eines Polizeifotos von zwei Kindern, die von ihren Eltern missbraucht wurden, mit einem Messer qualvoll in ihre Fingernagelhaut, bis Blut in eine Schüssel Milch auf ihrem Schoß tropfte.

Sie benannte sich selbst um in Valie Export, stets in Großbuchstaben geschrieben. So wollte sie ihre eigene Identität schaffen. Ihr Nachname sollte symbolisieren, dass sie ihre inneren Gedanken nach außen trug. Ihr Bild der umgewandelten damaligen Zigarettenmarke "Smart Export" hängt bis heute im "Museum of Modern Art" in New York.

In späteren Jahren lehrte die vielfach Ausgezeichnete an Kunsthochschulen in Amerika und Europa, unter anderem in Köln und Berlin. Auf der Biennale in Venedig 2007 kam sie mit ihrer Perfomance "glottis" wieder ins Scheinwerferlicht: Mit einer Kamera im Rachen rezitierte sie ein Gedicht über die Stimme.

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