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Lisa Eckerhart von Festival ausgeladen – Dieter Nuhr tobt: "Was für ein Skandal"


"Was für ein Skandal"
Lisa Eckhart von Festival ausgeladen – Dieter Nuhr tobt

Von t-online, dpa, JaH

Aktualisiert am 08.08.2020Lesedauer: 3 Min.
Lisa Eckhart: Die Kabarettistin wurde von einem Festival ausgeladen.Vergrößern des BildesLisa Eckhart: Die Kabarettistin wurde von einem Festival ausgeladen. (Quelle: imago images / Future Image)
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Die Kabarettistin Lisa Eckhart wurde vom Harbourfront Literaturfestival ausgeladen. Jetzt sucht Hamburgs Kultursenator das Gespräch mit den Veranstaltern und Dieter Nuhr beschwert sich im Netz.

Eine Ausladung der österreichischen Kabarettistin Lisa Eckhart beim Harbourfront Literaturfestival in Hamburg sorgt für Aufregung in der Kulturszene. Eigentlich sollte die 27-Jährige im Rahmen des Harbourfront Literaturfestivals zu einem Wettbewerb um den besten Debütroman antreten. Nach Drohungen aus der autonomen Szene wurde sie nun wieder ausgeladen.

Nach Informationen des "Spiegel" und der "Welt" hatte der Betreiber des Veranstaltungsortes gegenüber der Festivalleitung Sicherheitsbedenken im Falle eines Auftritts Eckharts formuliert. Der Künstlerin wird von Kritikern vorgeworfen, rassistische und antisemitische Klischees zu bedienen. Das Literaturfestival will sich nun um eine neue Lösung bemühen. Das Büro von Lisa Eckhart hat zunächst auf eine dpa-Anfrage nicht reagiert.

Sicherheit von Künstlerin und Publikum nicht gewährleistet

Der "Nochtspeicher" hatte abgesagt, weil er die Sicherheit von Künstlerin und Publikum angesichts von Drohungen aus der autonomen Szene nicht gewährleisten könne. "Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird, und sogar Sach- und Personenschäden wahrscheinlich sind", zitierte der "Spiegel" aus einer Mail des "Nochtspeichers". Im "bekanntlich höchst linken Viertel" werde eine solche Veranstaltung nicht geduldet, auch an Polizeischutz sei nicht zu denken, weil "die Situation dann sogar noch eskalieren und gar zu Straßenscharmützeln führen" könne.

"Wir hatten kein Problem damit, eine Veranstaltung mit Frau Eckhart zu machen, und haben es auch heute nicht", sagte Nikolaus Hansen, einer der drei Leiter des Festivals. Das Problem sei vielmehr gewesen, dass nach einer Absage des "Nochtspeichers" keine räumliche Möglichkeit für das geplante Format mehr gegeben sei.

Eckhart ist eine von acht Kandidatinnen und Kandidaten für den Klaus-Michael-Kühne-Preis, der am 20. September für den besten Debütroman vergeben wird. Die Autoren treten jeweils paarweise in vier Veranstaltungen vor der Jury auf, immer im "Nochtspeicher" am Hamburger Hafenrand. Zwei der in Frage kommenden Autoren seien nicht einverstanden gewesen, mit Eckhart bei einer gemeinsamen Veranstaltung aufzutreten.

Ein leicht verändertes Format mit Einzelauftritten der Autoren habe die Absage des "Nochtspeichers" nach sich gezogen. Da Eckhart die geplante Veranstaltung am 14. September nicht selbst absagen wollte, habe das Festival sie ausgeladen. "Wir haben die Veranstaltung nicht verhindern wollen, sondern alles getan, um sie zu ermöglichen", sagte Hansen. "Für uns ist diese Absage schrecklich."

Ob es zu einer anderen Lösung kommen könne, sei nicht absehbar. Lisa Eckhart werde unabhängig vom Festival am 3. September im Literaturhaus in einem anderen Hamburger Stadtteil aus ihrem ersten Roman "Omama" vorlesen, der am 17. August erscheint.

Carsten Brosda und Dieter Nuhr kritisieren Entscheidung

Kultursenator Carsten Brosda (SPD) zeigte sich besorgt. Es müsse darauf geachtet werden, dass künstlerische Räume zum Beispiel durch Androhung von Gewalt nicht verengt würden. Wer das mache, schade unmittelbar der Kunst und der Freiheit, erklärte Brosda. "Dass im konkreten Fall dieser Eindruck entsteht, besorgt mich. Ich werde daher kurzfristig mit den Veranstaltern über die genauen Hintergründe ihrer Entscheidung reden." Brosda betonte, dass die Künstlerin im öffentlich geförderten Hamburger Literaturhaus im September lesen werde.

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Der Kabarettist Dieter Nuhr beschwerte sich über die Ausladung auf seinem Facebook-Profil. "Was für ein Skandal", schrieb er dort. "Der Protestmob auf der Straße entscheidet also darüber, wer hier bei uns seine Kunst ausüben darf", klagte er an.

"Wir müssen nun endlich darüber diskutieren, was Freiheit der Rede heute noch bedeutet." Seiner Meinung nach sei es "geistesgestört" oder einfach nur "böswillig", der Kabarettistin Antisemitismus vorzuwerfen. Sie stehe "mit einer verstörenden Kunstfigur auf der Bühne, die eine Performance abliefert, die an Relevanz und Irritation nichts zu wünschen übrig lässt". Die Anschuldigung, sie sei antisemitisch, sei "eine lächerliche Diffamierung".

Verwendete Quellen
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